20. November 2013
Das Interview am 09. November 2013 behandelte das Thema: „Reichskristallnacht" auf dem Lande. In drei meiner Bücher habe ich die „Reichskristallnacht" auf dem Lande dokumentiert:
REICHSKRISTALLNACHT" – Der
Novemberpogrom 1938 auf dem Lande (2008)
Judenverfolgung und Fluchthilfe im
deutsch-belgischem Grenzgebiet (1990)
Judaica - Juden in der Voreifel (1983)

Rückseite des Schutzumschlags von "JUDAICA" (1983)
Anbei eine kleine Auswahl von Leserbriefen oder E-mails, die im Funkhaus oder beim Autor selber eintrafen:
1.)
Lieber Herr Arntz,
... ich habe Sie heute morgen im Deutschlandfunk gehört. Sie haben meine volle Zustimmung, vor allem die Sache mit dem Bäcker in Euskirchen bringt die Situation auf den Punkt. Ich habe ja ähnliche Auswüchse des "Mobs" in andern Ländern erlebt, und wenn es heute heißt, dass so etwas nie wieder in Deutschland passieren kann - ich würde das nicht unterschreiben....
Anbei: der 9. November. Was für ein „Gedenktag" ist das eigentlich? Jedenfalls halte ich die „Reichskristallnacht" für völlig überbewertet. Für das deutsche Volk oder für eine deutsche Nation gibt es noch vier weitere wichtige Stationen an diesem 9.11., und für mich zählen dazu eher die Jahre 1848 und 1989. Das erachte ich also für einen deutschen Staat als viel gravierender und prägender als die Reichskristallnacht........
Aber das kann jeder sehen wie er will.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Enke aus Torgelow
2.)
Sehr geehrter Herr Arntz,
ich habe heute morgen Ihr Interview im Deutschlandfunk gehört und wollte Ihnen nur kurz auf diesem Weg mitteilen, wie ausgezeichnet ich Ihre Forschung, die Ergebnisse und ihre Präsentation durch Sie finde. Als Historiker, der sich intensiv mit der sog. Judenfrage beschäftigt hat, und als Rheinländer war es eine wahre Freude, Ihnen zuhören zu können.
Herzliche Grüße aus Brandenburg ins Rheinland
Dr. Uwe Mazura
3.)
... ich habe das Interview mit Interesse gehört und möchte Ihren durchaus richtigen Anmerkungen etwas beifügen:
.... Aus meiner Arbeit kann ich auch noch etwas beitragen, wenn es um das tägliche Leben in der .... Synagogengemeinde geht. Sie haben es vorsichtig gesagt, aber die Synagogengemeinden haben tatsächlich ein Ausländerproblem. Auf wenige deutsche Juden kommen inzwischen Tausende von russischen, ukrainischen und rumänischen Juden. Bei Bestattungen betonen die Synagogen-Verwaltungen immer, dass sie eine Solidargemeinschaft seien und die reichen Juden die Beerdigungen der armen Juden mitfinanzieren. Realität aber ist, dass sich die Synagogengemeinden jede Beerdigung mit hohen Beträgen eines Ordnungsamtes refinanzieren lassen - zuzüglich des späteren Grabsteins. Das ist heftig viel, wenn man bedenkt, dass laut Ausschreibung einer mir bekannten Großstadt eine ordnungsbehördliche Bestattung eines nichtjüdischen Mitbürgers für unter € 400 erfolgt. .......
So finanziert das schlechte Gewissen mancher Verwaltung einer mosaischen Gemeinde ziemlich üppig ihren Friedhof. Und vielleicht noch mehr...
Vielen Dank für Ihre sehr präzise Darstellung in dem Interview des Deutschlandfunks am 9. November 2013.
Herzliche Grüße.........
4.)
Sehr geehrter Herr Arntz,
........ Nun melde ich mich auf Ihr Interview zum 9. November 2013 im DLF, um Ihnen Ihre Erfahrungen zu bestätigen, die Sie hinsichtlich der Unterschiede im Verhalten zwischen Stadt und Land betreff der Juden und besonders im Novemberpogrom gemacht haben.
.... Auch in Münster standen die Protestanten im Abseits. Universitätsprofessoren gehörten selbstverständlich zu den Akademikerkreisen, besonders, wenn sie konvertiert waren.
Was Sie zum Novemberpogrom an Eindrücken formuliert haben, kann ich voll bestätigen:
- in Münster hatte man trotz der erstellten Listen ("Judenliste" 1938) bei dem Aufsuchen von Privatwohnungen keinen Überblick. Dazu brauchte man den Rabbiner, der die Wohngebiete seiner Gemeindemitglieder anzeigen sollte. Zu diesem Zweck fuhr man ihn in einem Auto der Gestapo durch die Stadt. Der Rabbiner verweigerte eine Auskunft.
- es gibt Beispiele, wo sich Pgs mitten in der Nacht oder am frühen Morgen durch Klingeln Einlass in Wohnungen verschafften, also durchaus zivilisiert, dann allerdings hinter sicheren Hausmauern ihre Verwüstungen anrichteten, so als hätten sie Angst von der Öffentlichkeit erkannt zu werden.
- christliche Zeitzeugen - bis auf wenige Ausnahmen - hatten, besonders wenn sie zur damaligen Zeit noch jung waren, Bilder vom "Hörensagen" verinnerlicht, die einer genauen Nachfrage nicht standhielten. Diejenigen, die sich mit ihren Aussagen als sehr zuverlässig erwiesen, waren mit ihren Erfahrungen nicht an die Öffentlichkeit gegangen und daher eher "Zufallszeitzeuginnen".
- Einige jüdische Zeugen haben wir in Israel, Schweden und USA aufgespürt, darunter sehr detailliert Auskünfte von Hans Kaufmann in Schweden, damals 13 Jahre alt, bekommen. Das Interview ist archiviert im LWL Landesmedienzentrum, Münster.
- Eine Überstellung in ein KZ - Sachsenhausen wäre "zuständig" gewesen - , hat es in Münster nicht gegeben. Die inhaftierten Juden blieben 8 bis 14 Tage in den örtlichen Polizei- oder Gerichtsgefängnissen. Das gilt für das gesamte Münsterland, ohne dass ich ein schriftliches Dokument zu diesem außergewöhnlichen Vorgang gefunden hätte, auch nicht in Berlin.
Damit soll es genug sein. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie klare Worte und Meinungen formuliert haben, die ich voll unterstreichen kann.
Mit herzlichem Gruß
Gisela Möllenhoff aus Münster