Erinnerung an die Opernsängerin Maria Dahmen aus Euskirchen

von Hans-Dieter Arntz
11.03.2011

Leser meiner regionalhistorischen Homepage werden anhand der letzten NEWS und kleineren Berichte festgestellt haben, dass ich neuerdings im Archiv manchen Artikel gefunden habe, dessen Veröffentlichung teilweise schon mehr als 30 Jahre zurückliegt. In diesem Zusammenhang fiel mir mein Beitrag über eine einst berühmte Opernsängerin in die Hände, die in ihrer Jugend Schülerin des Gymnasiums Marienschule in Euskirchen war. „Dahmens Marie“ und ihr kultureller Salon auf der Münstereifeler Straße war selbst noch in den 1970er Jahren einer der wenigen musischen Zirkel der Kreisstadt.

 

Marienschule

 

Der beigefügte Artikel aus der Chronik Unser Weg erinnert an die Sängerin, deren beruflicher Höhepunkt wohl in der Zeit des Dritten Reiches war. Damals, im Sommer 1978, konnte ich nicht ahnen, dass ich im Jahre darauf im Kölner Stadt-Anzeiger vom 6. Dezember 1979 einen Nachruf mit ähnlichem Inhalt verfassten musste.

Die jetzt 75jährige Künstlerin stammt aus wohl­habendem und an Politik, Handwerk und Kunst interessiertem Haus. Alten Euskirchenern ist Mö­belfabrikant Dahmen von der Münstereifeler Straße noch gut in Erinnerung. Die Mutter war lange Zeit Mitglied des Euskirchener Stadtrates (Zentrum) und hielt als Verantwortliche die Fitti­che über die katholische Nonnenschule der Domikanerinnen. Als am 25. Oktober 1928 die neue Kapelle eingeweiht wurde, hielt sie u. a. die Fest­ansprache.

Ihre Schulzeit erlebte Maria Dahmen unter Anleitung der Ursulinen und dann der Dominikanerinnen. Letzteren glaubt sie in gewisser Hinsicht, dankbar sein zu müssen, weil ihr hier die ersten Möglich­keiten künstlerischer Entfaltung gegeben wur­den. Mit 12 Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt in ,,13 Linden", einem Musikwerk, das für die Sancta Maria von Musiklehrer Dr. Lohmer im königli­chen Lehrerseminar auf der Kommerner Straße für Chor und Solo einstudiert worden war. Die Aufführung 1915 im Kolpinghaus war ein großar­tiger Erfolg, denn lebende Bilder", Dekoratio­nen und Darbietungen gefielen der Euskirchener Elternschaft und den Schwestern. Sehr anschaulich erzählt die auch heute noch ungemein dynamische Künstlerin von ihrer nicht sehr glorreichen Mathematikprüfung (1922) und der Reaktion des anwesenden Oberschulrates, der den Berufswunsch Opernsängerin" skanda­lös fand.

Die selbstbewusste Dame ließ sich ab 1922 privat in Bonn und dann in Köln am Konservatorium als Konzertsängerin ausbilden. Von 1925 bis 1927 studierte sie an der Staatlichen Musik-Hoch­schule in Berlin. Berühmte Professoren, das aufregende Künstlerleben des Berlins der 20er Jahre, die qualifizierte Ausbildung . . ., Maria Dahmen hielt, gerne oder nicht, weiterhin Kontakt zu den Dominikanerinnen, denn die Eltern hatten dafür gesorgt, dass die junge Künstlerin in Berlin- Hermsdorf eine Bleibe fand. Das erste Engage­ment als Elsa in Lohengrin (1928 in Osnabrück) brachte ihr sehr gute Kritiken.

Fast sensationell war das Engagement nach Leipzig, dem kulturellen Zentrum der damaligen deutschen Opernwelt, wo sie von 1929 bis Juli 1931 wirkte. Hier sang sie u. a. die 3. Norne in der Götterdämmerung. Es folgten Auftritte in Ham­burg, Königsberg, Paris und dann hauptsächlich im Rundfunk. Musikfreunde der damaligen Zeit werden sich diesbezüglich gerne an die Opern- und Operettensendungen erinnern, die im ge­samten Reichsgebiet ausgestrahlt wurden. Ihre Heirat mit dem prominenten Komponisten Leo Eysold (1891-1967) war ihrer Karriere weiterhin förderlich.

Persönliche und zeitbedingte Enttäuschungen veranlassten die gefeierte Sängerin, sich nach dem 2. Weltkrieg vom Künstlerleben zurückzu­ziehen. Sie hatte genug damit zu tun, das zer­störte Elternhaus und den Betrieb wieder aufzu­bauen. Die dann aber veranstalteten privaten Konzerte und Musikabende auf der Münstereife­ler Straße sind noch vielen in Erinnerung.

In einer sehr schwer leserlichen handgeschrie­benen Chronik (1915-1920, Archiv Arenberg) fin­det sich folgende Passage, die von der damaligen Schulleitung verfasst wurde. Sie handelt von einer Abendveranstaltung in der Aula des damaligen Lyzeums, auf der die zurückflutenden Truppeneinheiten des geschlagenen kaiserlichen Heeres herzlich betreut wurden. Hier hatte die spätere Opernsängerin Maria Dahmen ihren ersten Auftritt:

24. Nov. 1918: Ihre Excellenz General von Below speiste mit ihrem Stabe im Turnsaale des Ly­zeums. Etwa 30 Schülerinnen der Anstalt veran­stalteten beim Abendessen eine kleine Begrü­ßungsfeier. Maria Dahmen sprach den Helden und Heldenführern herzlichen Dank aus, dass sie Die Heimat beschützt hätten, und versprach treue Mitarbeit am Wiederaufbau des heiligen, geliebten Vaterlandes. Excellenz dankte bewegt und wünschte der Jugend, dass sie das Wiederaufblühen erleben möge. Der schöne Empfang habe seinem Herzen überaus wohlgetan.“

Maria Dahmen

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