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20.09.2017

Seit Anfang September – wohl in Erinnerung an den Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 – werde ich wieder häufiger von Historikern und Heimatforschern kontaktiert. Entweder werden spezielle Fragen zum Kriegsende 1944/45 in der Eifel und Voreifel gestellt oder ich habe die Ehre, Fotos und Dokumente von deutschen und amerikanischen Veteranen meinem Archiv beifügen zu dürfen. Letzteres hat m. E. auch etwas mit Haushaltsauflösungen zu tun.

Hierzu gehört zum Beispiel auch der Kontakt zu Robert Stephen Osman, dem amerikanischen „Senior Historian“ einer Historischen Gesellschaft von Minnesota. Vgl. meine NEWS vom 13. und 16. September 2017.

Die kurze Anwesenheit seines Vaters, Eugene L. Osman (1917-2014), in der am 4./5. März 1945 von amerikanischen Truppen eingenommenen Kreisstadt Euskirchen regte mich noch einmal an, die eigentliche Eroberung durch die 78. Division und die 9. Panzerdivision der US Army wiederzugeben. Folgenden Artikel, dessen Anfang hier zu lesen ist, publizierte ich bereits in meinen Büchern Kriegsende 1944/1945 - Zwischen Ardennen und Rhein, S. 474 – 477 sowie Kriegsende - Durch die Voreifel zum Rhein, S. 101 – 105.

 

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Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

16.09.2017

Eugene L. Osman (1917–2014): “The Days of my Army Life (30 Nov.–24 Sep. 1945)”

testIn meinen NEWS vom 13. September 2017 ging es um den US-Veteranen Eugene L. Osman (1917-2014) aus Illinois/USA, dessen Sohn Robert Stephen Osman, „Senior Historian“ einer amerikanischen Geschichtsgesellschaft, im Familienarchiv 44 interessante Textseiten aus dem Jahre 2006 gefunden hatte. Dabei handelte es sich um die Erinnerungen seines inzwischen verstorbenen Vaters „Days of my Army Life“, der 1944/45 zur „Tank Destroyer Group“ in Belgien und Deutschland gehörte.

Da das mir vorliegende Manuskript viele Eifel-spezifische Aspekte und Details zum Kriegsende 1944/45 enthält, bin ich dankbar, dass ausgerechnet mir und meinem Archiv der englischsprachige Text überlassen wurde. Hier geht es u. a. auch um Details zum Bereich Eupen, Spa, Düren, Euskirchen und Bad Godesberg.

In Eupen, das ab 1940 wieder „ins Deutsche Reich zurückgeholt worden war“, hatte Eugene L. Osman die ersten Erlebnisse mit „der eigentlich deutschen Nazi-Bevölkerung“. Da heißt es wörtlich:

testLong after dark we reached our destination of Eupen, Belgium, and pulled into a German Army barracks at the south edge of the city. There was an important highway junction in the center of town, and right then it was under attack by German planes. It seems to me that almost every day or night German planes were attacking that intersection, and sometimes American planes would be there in a dogfight. Before World War I the Eupen area had been a part of Germany; in the peace settlement it was awarded to Belgium.

... The people spoke German, and considered themselves Germans, not Belgians. Many families had sons in the German army, and, we were told, had pictures of them in uniform in their homes. We were warned that the town was 95% Nazi...

testIn meinen Büchern Kriegsende 1944/1945 - Zwischen Ardennen und Rhein (1984) und Kriegsende – Durch die Voreifel zum Rhein (2007) publizierte ich das Originalfoto eines amerikanischen Kriegsreporters, das am 5. März 1945 in der Euskirchener Vuvenstraße gemacht wurde. Es zeigt zwei jubelnde Frauen mit einer weißen Fahne.

Diesen Eindruck von der besiegten und friedlichen Kreisstadt Euskirchen bestätigt Eugene L. Osman. Nicht nur, dass selbst 11 Tage nach der Einnahme durch die amerikanischen Soldaten immer noch weiße Fahnen herausgehängt waren, sondern auch die Tatsache, dass er sich völlig ungeschützt und unbewaffnet im Stadtzentrum bewegen konnte, war es ihm wert, in seinen „Erinnerungen“ festgehalten zu werden:

Euskirchen, Germany, March 16: ... It is about thirty-five miles west of the Rhine River, south of Düren. A major communication center, it also was extensively damaged. I have a small snapshot of me, with some demolished buildings in the background. A large white “surrender” flag is hanging out of an upper window. (These usually were put out by civilians, meaning something like “We surrender all; please leave us alone”.) Every time I see the picture, I puzzle – how come I am not armed? And why am I not wearing my helmet?

13.09.2017

Und immer wieder neue Kriegsbilder ....

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Es muss wohl mit dem Datum 1. September 1939 zu tun haben, dass sich zurzeit wieder viele für den Zweiten Weltkrieg in der Eifel und Voreifel interessieren. Aufgrund meiner Bücher und Online-Artikel bin ich daher mehrfach angeschrieben und um Auskunft gebeten worden. Zu den Fragestellern gehört auch Robert Stephen Osman, „Senior Historian“ der Historischen Gesellschaft von Minnesota „Ramsey County Historical Society“, deren interessante Forschungsschwerpunkte eigentlich ganz woanders liegen. Aber jetzt geht es dem Historiker nicht um den amerikanischen Civil War (1861-1865), sondern um seinen Vater, der am 16. März 1945 – als Soldat der 1. US Army, 23. Tank Destroyer Group – in Euskirchen einrückte und seinem Sohn hiervon mehrere Fotos hinterließ.

Schon 1984 publizierte ich ein Foto, das amerikanische Soldaten der 78. Division beim Vorbeimarsch am Euskirchener Marktplatz zeigt. Das Bild wurde am 5. März 1945 von der Treppe des Hotel Joisten gemacht.

 

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Robert Stephen Osman geht es wohl um eine familiengeschichtliche Aufarbeitung. Er möchte gerne wissen, an welcher genauen Stelle sein „Daddy“ Eugene Osman (1917-2014) im Euskirchener Stadtzentrum vor dem zerstörten Haus steht. Wo hat das bombardierte Gebäude gestanden? Offensichtlicht beabsichtigt der Amerikaner aus Saint Paul, demnächst in die Voreifel und die Kreisstadt zu kommen. Die Tatsache, dass am 16. März auf Anweisung der US-Besatzung keine weißen Fahnen mehr in Euskirchen hängen sollten und die Schwierigkeit, das bombardierte Gebäude noch zu lokalisieren, bitte ich die Leser meiner regionalhistorischen Homepage um freundliche Mitarbeit bei der Suche.

10.09.2017

Erinnerung an die ersten Kriegsauswirkungen in der Kreisstadt Euskirchen (Ein Zeitungsartikel vom 20. September 1940)

Vor einigen Tagen wurde auch ich wieder an den Beginn des Zweiten Weltkrieges erinnert. Das Kalenderdatum 1. September 1939 wiederholte sich zum 78. Mal. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen begann der Zweite Weltkrieg.

Geschichtswerke und historische Abhandlungen in Millionen-Auflage haben die­se Schreckenszeit inzwischen dargestellt und einer interessierten Leserschaft zugänglich gemacht. Wie die Presse in der Voreifel bei Kriegsbeginn reagierte, skizzierte ich vor Jahrzehnten knapp in dem Zeitungsartikel Die NS-Presse der Kreisstadt Euskirchen bei Kriegsbeginn. Eine diesbezügliche Erweiterung war den kleinen Beitrag auf meiner regionalhistorischen Homepage unter der Überschrift:

Ernährung im Zweiten Weltkrieg und danach: Kriegsrationen, Lebensmittelkarten und Essen im neuen Wirtschaftswunderland

Auch wegen der spektakulären Bombenfunde in Koblenz und Frankfurt mit der großflächigen Räumung der Wohngebiete und der gegenwärtigen Situation bezüglich Nordkorea etc. fiel mir erneut auf, wie unbedarft die Menschen damals in den Krieg hineinschlidderten.

Ein in meinem Archiv wieder gefundener Artikel aus der Euskirchener Lokalausgabe des „Westdeutschen Beobachters“ vom 20. September 1940, der fast nebenbei, aber recht ironisch und „abtuend“ die ersten „militärischen Ziele“ konstatiert, lässt auch nicht ansatzweise erkennen, dass man eine Expansion ahnen konnte...

 

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Ihre „militärischen Ziele“ in Euskirchen

Die britischen Lufthelden bemühen sich, der Welt plausibel zu machen, daß ihre Flieger ihre Bomben nur auf sicher ausgemachte militärische Ziele abwerfen. Sie scheuen sogar nicht, die geringe Anzahl der in Deutschland getöteten Zivilpersonen auf diese ihre Vorsicht zurückzuführen. Auch wir in Euskirchen haben für diese echt britische Unverfrorenheit beste Beweise. Was wir hier im Bilde vorführen, das sind Wohngebäude, alle „militärische Ziele!“, die von ihren Bomben Ende Juni getroffen und schwer beschädigt wurden. Selbstverständlich wurden auch eine Anzahl angrenzender Gebäude mehr oder weniger schwer in Mitleidenschaft gezogen. Daß es bei einem Toten blieb, verdanken die Bewohner nur ihrem Aufenthalt zur Zeit im lLuftschutzraum.

07.09.2017

Eindrucksvolle Gespräche mit einem Auschwitz-Überlebenden – Vortrag des Psychotherapeuten Dr. Manfred Lütz in Weilerswist am 15. September 2017

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Eine spezielle Methode der Geschichtswissenschaft ist die „Oral History“. Sie wirkt meist recht individuell und persönlich, trägt aber als Detail zu größeren Forschungsprojekten bei. Sie wird oft in der Regionalhistorie und der Volkskunde angewandt. Das Vorgehen beinhaltet dabei nicht unbedingt ein eigentliches Gespräch oder gar ein systematisch vorbereitetes Interview, sondern ermöglicht das freie Sprechen eines Zeitzeugen:

„Dabei sollen die Zeitzeugen möglichst wenig von dem Historiker beeinflusst werden. Insbesondere Personen aus diversen Milieus sollen auf diese Weise ihre Lebenswelt und Sichtweisen für die Nachwelt darstellen können“.

Der Bonner Psychiater, Psychotherapeut und Theologe Dr. Manfred Lütz macht dies am 15. September 2017 in Weilerswist deutlich. Exemplarisch berichtet er über seine eindrucksvolle Begegnung mit Jehuda Bacon in Israel, der als Jugendlicher während des Nationalsozialismus das KZ Auschwitz überlebte. Im Gespräch mit Manfred Lütz erzählt Jehuda Bacon auf berührende Weise erstmals ausführlich über seine Erlebnisse im Vernichtungslager Auschwitz und die eindrucksvollen Konsequenzen, die er daraus gezogen hat.Alles steht unter dem Leitgedanken: „Sinn erfahren im Leid: Das bewegende Vermächtnis eines Auschwitz-Überlebenden.“

Die Leser meiner regionalhistorischen Homepage und meiner Bücher wissen, dass auch ich neben der notwendigen Archivarbeit besonders die „Oral History“ bevorzuge und somit ähnlichen Zeitzeugen begegnet bin. Primär ist vieles auf rein regionalhistorischem Interesse begründet, konzentriert sich aber dann gelegentlich auf einen wesentlich größeren Zusammenhang, wie ich das in meinem letzten Buch zu beweisen versuchte. Vgl. „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen“. Aber der Vortrag von Dr. Manfred Lütz (*1954 in Bonn) basiert auf seinem psychoanalytische Blickwinkel und scheint daher wesentlich vielseitiger zu sein als ein Ergebnis der obligatorischen „Oral History“.

Er ist Arzt, Psychiater, römisch-katholischer Theologe, Schriftsteller und sogar Kabarettist. Zudem leitet seit 1997 das Alexianer-Krankenhaus in Köln. Der Bestseller-Autor stellt in Weilerswist sein Buch „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden“ vor, von dem es heißt:

»Dieses Buch ist kein Buch über Auschwitz. Da gibt es schon viele eindrucksvolle Berichte. Dieses Buch bringt die Weisheit eines Menschen zur Sprache, der Entsetzliches erlebt hat, aber darunter nicht zerbrochen ist. Bevor einer seiner Lehrer nach Auschwitz deportiert wurde, erzählte er seinen Schülern davon, dass es in jedem Menschen einen unauslöschlichen Funken gebe. An diesen Funken erinnerte Jehuda Bacon sich, als er selbst nach Auschwitz kam. Und diesen Funken hat er in seinem Leben durch seine ganze Existenz zum Leuchten gebracht.«

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02.09.2017

Als die Euskirchener stolz auf ihren „Kriegerverein“ waren (1871 ff.)

Den Sieg über Frankreich und die Gründung des Deutschen Reiches (1871) feierten früher besonders die Veteranen, die in den traditionellen „Kriegervereinen“ organisiert waren: Fest steht und treu die Wacht am Rhein!

Besonders zu Ende August/Anfang September gab es dann überall die diesbezüglichen Stiftungsfeste und Sedanfeiern, deren kameradschaftlicher und gesellschaftlicher Verlauf gelegentlich den meist heute vergilbten Fotos zu entnehmen ist. Alle Veteranen fühlten sich dem Schillerzitat (Wilhelm Tell II,1) verpflichtet:


Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an,
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;
Dort in der fremden Welt stehst du allein,
Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.

 

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testAber um was ging es eigentlich bei den vielen Sitzungen der Vorstände? Welche Themen waren für die ehemaligen „Krieger“ relevant und wie spiegelte sich in den Diskussionsrunden der Geist der jeweiligen Zeit und auch ihrer Stadt?

Noch immer bin ich der Ansicht, dass die wenigen erhalten gebliebenen Protokollbücher ein wesentlicher Bestandteil der Regionalhistorie sein müssten. Kriegervereine dienten nicht nur der Kameradschaft und Geselligkeit, sondern demonstrierten auch in jeder Stadt des gesamten Deutschen Reiches ein zeitgemäßes militärisches Selbstbewusstsein. Sie waren aber weitestgehend neutral und parteipolitisch unabhängig.

Dies interessiert aber offenbar weiterhin keinen in der Voreifelstadt Euskirchen. In meinen NEWS vom 20. Juli 2016 bot ich drei originale Protokollbücher (1871-1912) des Euskirchener Kriegervereins zum Verkauf an, da ich zurzeit den Bestand meines umfangreichen Archivs reduziere. Aber mit diesem Aspekt der Regionalhistorie scheint sich keiner befassen zu wollen. Dabei könnten sie nach Ansicht eines Berliner Historikers vielleicht sogar darüber Auskunft geben, ob auch die sehr national eingestellten „Kriegervereine“ eventuell Grundlagen zum Entstehen des Nationalsozialismus gelegt haben könnten...

 

An's Vaterland, an's theure, schließ´ dich an!
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen!

28.08.2017

Ein neuer regionalhistorischer Fund zur NS-Zeit im Kreise Euskirchen

Fotos und Dokumente aus der NS-Zeit sind auch für die Regionalhistorie wertvolle Relikte, denn sie können erinnern, erklären oder gar beweisen. Dies wurde mir erneut bewusst, als ich vor einigen Tagen in den Besitz eines Fotoarchivs kam, das mich genauso faszinierte wie einst die schriftlichen Aufzeichnungen des Gauleiters Josef Grohe´, die mir vor etlichen Jahren in die Hände fielen. Vgl. Die letzten Erinnerungen des NS-Gauleiters Josef Grohé (1944-1945) – Zur Auswertung eines bisher unbekannten Manuskriptes.

Jetzt handelt es sich um das Fotoarchiv des ersten Euskirchener NS-Kreisleiters Dr. Erwin Fassl, dessen Lieblingsbeschäftigung die Fotografie war. Dass derartige Bilder nicht „entsorgt“ wurden, sondern mir von seinem in Köln lebenden Enkel – ohne jegliche Verpflichtung – überlassen wurde, verdient Respekt und Dank.

Der „Euskirchener Wochenspiegel“ vom 16. August 2017 und wochenspiegellive.de berichteten über diesen historisch wertvollen Fund.

 

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Bereits Anfang der 1980er Jahre stellte ich in vielen Vorträgen die schlichte Frage, ob nicht Juden nach ihrer Verfolgung durch den nationalsozialistischen Rassismus und den Holocaust auch offiziell als „Flüchtlinge“ oder zumindest als „Heimatvertriebene“ anerkannt werden müssten. Meine vielfach gestellte Frage, wurde nicht nur in den deutschsprachigen „Israel-Nachrichten“ vom August 1985 aufgegriffen, sondern auch von einigen Zeitungen in Israel und den Vereinigten Staaten. Vgl. meine NEWS vom 24. Januar 2017.

Aber das war nicht die einzige Frage, die mich damals beschäftige. Wie auch schon in der letzten NEWS vom 24. August 2017 angeführt, machte mich ebenfalls meine Frage nach dem „Ehrenbürgerrecht von Hitler“ (1985) bei den Archiven und jeweiligen Verwaltungen nicht beliebter. Und der Kampf um ein Euskirchener Mahnmal zur Erinnerung an die in den Holocaust geschickten Juden fand in der Lokalpresse ein stark diskutiertes Echo. Vgl. Die Juden in Euskirchen vergessen? – Initiative zur Errichtung eines Mahnmals (1980).

Es ist jedoch eine Tatsache, dass ein gelegentlich provokativ geäußertes Nachfragen eine gewisse Aufmerksamkeit erregt und anschließend viele Gesprächspartner ermöglicht. Besonders die Interviews mit Zeitzeugen – vgl. auch meine NEWS vom 19. August 2017 – oder deren Nachkommen ergeben Informationen, Dokumente und Fotos , die ansonsten verloren gingen. Folgender Artikel aus dem „Euskirchener Wochenspiegel“ vom 16. August 2017 bestätigt dies erneut:

 

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24.08.2017

Streit um das Ehrenbürgerrecht von Adolf Hitler: Mein Beitrag zur Klärung dieses Problems am Beispiel der Römerstadt Zülpich (1985)

An dieser Stelle möchte ich noch einmal daran erinnern, dass erst Ende der 1979er Jahre im Kreise Euskirchen die zaghafte Aufarbeitung begann, „unserer jüngsten Vergangenheit“ aufzuarbeiten. Zu dieser Zeit waren noch viele Archive bei der Sichtung der Akten noch zurückhaltend, und Begriffe wie „Sperrfristen“ und „Datenschutz“ erschwerten meine Arbeit. Nur so konnte es sein, dass gelegentlich der Eindruck entstand, dass manche Regionalhistoriker gelegentlich noch bessere Archivunterlagen hatten als kompetente Quellen und Institutionen.

 

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Ist Hitler immer noch Ehrenbürger von Zülpich? Kommentar von Jens P. Dorner in der Mantelausgabe
der Kölnischen Rundschau vom 26. April 1985, Seite 2

 

In der Auseinandersetzung, ob Adolf Hitler noch immer das Ehrenbürgerrecht der Römerstadt Zülpich habe, konnte ich mich mithilfe meines damals schon umfangreichen Archivs im Jahre 1985 zu Wort melden. Im Anschluss an den wochenlangen Streit, der in der deutschen Presse eine recht große Resonanz hatte, konstatierte der bekannte Journalist und spätere Moskau-Korrespondent Jens P. Dorner:

(…), denn offenbar besitzt der Eifellehrer Arntz in einem wichtigen Bereich deutscher Vergangenheitsbewältigung ein größeres Archiv als die Bonner Ministerialbürokratie. Weder das Innenministerium noch das Bundesjustizministerium und schon gar nicht das Bundespresseamt konnten eine definitive Antwort geben, ob Adolf Hitler in zahlreichen Ortschaften die Ehrenbürgerrechte immer noch besitzt und schon verloren hat.

Der vollständige Artikel von Jens P. Dorner - mit der Überschrift „Ist Hitler immer noch Ehrenbürger von Zülpich?“ – erschien auf der 2. Seite aller Ausgaben der Kölnischen Rundschau und ist am Ende meines Online-Artikels zu lesen. Hier ist auch meine abschließende Reaktion in Form eines Leserbriefes zu finden: Streit um das Ehrenbürgerrecht von Adolf Hitler: Beitrag der Regionalhistorie zur Klärung eines deutschen Problems am Beispiel der Römerstadt Zülpich

19.08.2017

(...) Im Jahre 1985 lernte ich den offiziellen Baumeister der einstigen NS-Ordensburg Vogelsang kennen: Karl-Friedrich Liebermann (*1893).

 

testArchitekt Karl Friedrich Liebermann und Buchautor Hans-Dieter Arntz (1985)

(...) Ich hatte mich auf das etwa zweistündige Interview gut vorbereitet, zumal ich mehrere seiner früheren Mitarbeiter bzw. Angehörige kennen gelernt hatte. Hierzu gehörte u.a. Annemarie Albert, deren Ehemann im Dritten Reich Professor und Leiter der Leiter der Münchener Staatsbauschule war. Gemeinsam mit Prof. Clemens Klotz (1889 -1969) und Karl-Friedrich Liebermann hatte er in der Zeit von 1934 bis 1936 die Baustelle Vogelsang in der Eifel besucht und mit einigen Fotos verewigt. Beide Männer waren auch mit kleineren Bauprojekten im Nürnberger Reichstagsgelände beschäftigt, was mehrere Bilder belegen (...).

(...) Ich wusste aus Artikeln des „Westdeutschen Beobachters“, dass Karl-Friedrich Liebermann, der örtliche Bauleiter des ursprünglich als „Reichsschulungsburg am Urft-See“ konzipierten Bauprojektes, zwar Mitglied der NSDAP war, aber eigenartigerweise nicht von den damaligen Journalisten als „Prototyp des nationalsozialistischen Architekten“ stilisiert wurde.


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Das war verwunderlich, denn er stand unter der Leitung des eigentlichen Vogelsang-Architekten Prof. Clemens Klotz und hatte zudem ab 1937 verstärkt auch Vorarbeiten für Albert Speer (1905 -1981) zu erbringen, der als besonderer Günstling Hitlers Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt war und zahlreiche Monumentalbauvorhaben verwirklichte. Die Baumappe von Liebermann enthält diesbezüglich auch Skizzen vom neuen „Triumphbogen“ in Berlin, der das historische Brandenburger Tor im wahren Sinne des Wortes mehrfach überragen sollte (...).

(...) Der damals 93jährige Architekt, der nach dem Kriege in Köln und Umgebung am Bau vieler Schulen und Turnhallen, aber auch an Gemeindehäusern und Kirchen maßgeblich beteiligt war – z.B. am 1953 Wiederaufbau der Kirche St. Clemens in Herrig (mit Hans Hansen) – beklagte sich mir gegenüber darüber, dass seine Leistungen nie ganz gewürdigt worden wären. Seine berufliche Kooperation mit Albert Speer und die Errichtung weiterer „kleiner Nazibauten“ wären wohl Schuld daran. Von seiner Arbeit nach dem Kriege würde keiner sprechen (...)

Die Errichtung der Ordensburg Vogelsang war nach Ansicht von Karl-Friedrich Liebermann sein größtes Bauprojekt (...). Selbst als „schlichter Baumeister“ war er – seinen eigenen Berichten nach – an der Organisation der Materialbeschaffung beteiligt. Fotos zeigen ihn als Referenten bei Tagungen und sogar bei der Ratifizierung spezieller Verträge mit in- und ausländischen Firmenvertretern (...).

 

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(...) Voller Dankbarkeit ernannte ihn der Bürgermeister von Gemünd am 20. November 1936 zum „ehrenamtlichen Stadtbaurat". Ausdrücklich betonten die Repräsentanten von Gemünd:

„Die Ernennung erfolgt auf Grund Ihres bisher gezeigten großen Interesses für die bauliche Entwicklung unserer Stadt und nicht zuletzt in Anerkennung Ihrer großen Verdienste bei der Errichtung der Ordensburg Vogelsang, deren Schaffung neben den hohen weltanschaulichen Werten auch wirtschaftlich weittragendste Bedeutung für unsere Heimat hat..." (...).

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

15.08.2017

In der Erziehungswissenschaft versteht man unter „Didaktik“ die „Antwort auf jeweils aktuelle Brennpunkte der Gegenwart“, die für das Curriculum des jeweiligen Schultyps eine wesentliche Bedeutung hat. Was nun „wesentlich“ ist, wird oft durch die Politik und soziale Entwicklung einer Gesellschaft bestimmt. In diesem Zusammenhang ist mir der Hinweis des Erziehungswissenschaftlers Prof. Klaus Schaller unvergessen geblieben, demzufolge „der erste Zugriff eines autoritären Staates stets der Schule gilt“(...).

 

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(...) Im Frühherbst begann auch in den Altkreisen Schleiden und Euskirchen oder im benachbarten Siegkreis nach Monaten des Chaos wieder der Schulunterricht. Aber die Gebäude waren teilweise zerstört, Bücher und Materialien fehlten, viele Lehrer waren ideologisch belastet...

Die Didaktik musste sich jetzt wieder ändern. Aus dem nationalsozialistischen Diktat sollte wieder eine demokratische Regularie werden. Leticia Witte von der Welt/N 24-Digital-Zeitung befasst sich am 29.09. 2015 mit diesem pädagogischen Neuanfang und bezieht sich dabei auf Prof. Elke Kleinau, die in Köln einen Lehrstuhl für Historisch-systematische Pädagogik innehat: Schulanfang 1945 - Als die „Rassenkunde“ endlich tabu war.

Die Lehrer waren ideologisch belastet oder tot, andere waren im Krieg umgekommen. Es herrschte dramatischer Personalmangel. Die Eltern kämpften ums Überleben, die Alliierten hatten eigene Pläne. Im Herbst 1945 begann nach Monaten des Chaos wieder der Schulunterricht.

Auch die mir vorliegenden Lehrpläne für die Volksschulen des Siegkreises (1945) stellen nur ein Provisorium dar und geben dies auch in dem jeweiligen Geleit- und Vorwort verständlicherweise recht hilflos zu. Die damals Verantwortlichen hatten bis zum Herbst 1945 die „unverdächtigsten“ Schulbücher der Weimarer Republik begutachtet und dem „britischen Oberbefehlshaber“ zur Genehmigung vorgelegt. Nicht nur jede Unterrichtsstunde hatte genehmigt zu werden, sondern auch jegliches Schulbuch oder jeder in Frage kommender „Lehrplan“.

 

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(...) Besonders harmlos waren wohl die Rechenbücher, die „in unveränderter Form auf Anordnung des britischen Oberbefehlshabers“ benutzt werden durften. Noch immer firmierte die „Deutsche Volksschule, Siegburg, Jakobstraße“, ihre Existenz per Stempel und erläuterte darunter den neuen Lehrplan sowie die Genehmigung zweisprachig im Preface/Vorwort. Zumindest die „Behelfsausgabe des Deutschen Rechenbuch III für das 3. und 4. Schuljahr“ aus dem Jahre 1928 ist offenbar identisch mit der „Neuausgabe“ von 1945. Es wird jedoch erwartet, dass Deutschland bald eigene Schulbücher im Sinne einer demokratischen Didaktik hervorbringt:

Der „Lehrplan für die Schulen des Siegkreises“, den die Schulämter Sieg I und II im Herbst 1945 den meist provisorischen Schulleitern überließen, ruft definitiv zur „Beseitigung aller nationalsozialistischen und militärischen Einflüsse“ auf (...).

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

10.08.2017

Unter der Überschrift „Gathering the Fragments“ veranschaulicht Yad Vashem in Jerusalem zurzeit ein besonderes Projekt, das an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie anhand von persönlichen Artefakten wissenschaftlich dokumentiert. An die Tatsache, dass sich die weltberühmte „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“ auch mit einem Thema befasst, das zur Historie des Judentums in der Eifel und Voreifel gehört, soll an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden (...)

(...) Aber auch seine Ehefrau, Erna Weiss geb. Falk (* 2. Juli 1893 in Krefeld, † 6. May 1945 in Tröbitz), wird allmählich bekannt. Vor einigen Jahren veröffentlichte der renommierte Kölner Frauengeschichtsverein erstmals die Vita der Kölner Opernsängerin und „starken“ Ehefrau des Judenältesten von Bergen-Belsen (...). Letzte Woche gelang es mir, die Originalausgabe der „Allgemeine Musikzeitung“, Nr. 36 vom September 1930, 57. Jahrgang, zu erwerben, auf deren Titelbild „Erna Weis-Falk“ zu sehen ist (...).

(...) Mehrfach stellte ich in letzter Zeit auf meiner Homepage Erna Weiss vor, die zwar Bergen-Belsen überlebte, aber wenige Tage danach verstarb. Bereits in diesem Zusammenhang erwähnte ich auch die Schellack-Schallplatte, die an die jüdische Opernsängerin erinnert. Vgl.: Erna Weiss-Falk: An extinguished voice heard once again (YouTube) – Eine musikalische Erinnerung an die Ehefrau des letzten Judenältesten von Bergen-Belsen.

Hier findet man auch den Hinweis auf die inzwischen von Yad Vashem restaurierte Schallplatte, die letzte, die von ihr erhalten blieb:

YouTube: An extinguished voice heard once again

Jetzt kam vor einigen Tagen ein Film über die „Premiere“ der restaurierten Schallplatte hinzu: 

YouTube: Gathering the Fragments 

 

 

Der neue, bei YouTube veröffentlichte Film „Gathering the Fragments“ zeigt die Arbeit von Yad Vashem am Beispiel der erwähnten Schellack-Schallplatte von Erna Weiss geb. Falk.

Er beginnt mit der „Premiere“ des restaurierten Musikdokumentes im Kreise der Familie Weiss und deren Verwandten in Jerusalem. Einige der andächtigen Zuhörer wird man wiedererkennen, wenn man sich an die Einweihung der „Jupp-Weiss-Straße“ in Flamersheim (2013) erinnert und sich erneut den Film von Toni Schwarz (Flamersheim) ansieht:


YouTube: Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen – Die posthume Ehrung von JOSEF WEISS (16. Mai 2013): Ein Videofilm von Toni Schwarz (Flamersheim)

(....) Für die Regionalhistorie der Eifel und Voreifel könnten einige Standbilder zum Film „Gathering the Fragments“ von Interesse sein:

 

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(...) Abschließend soll noch einmal auf die verdienstvolle Arbeit von Yad Vashem hingewiesen werden und sein „Race against Time“. Der Direktor der Yad Vashem Archives, Dr. Haim Gertner bittet im Sinne des The World Holocaust Remembrance Center um weitere Mitarbeit und Überlassen von Relikten, die an das verfolgte Judentum erinnern (...)

Der vollständige Artikel ist mit folgendem Link abrufbar:

04.08.2017

Neue und 7. Auflage des Standardwerkes „Ordensburg Vogelsang 1934–1945. Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich“ (September 2017)

Judenverfolgung und Holocaust stehen in engem Zusammenhang mit der Geschichte des rassistischen Nationalsozialismus und dem 2. Weltkrieg. Daher widerspricht sich die Gesamtthematik meiner Bücher nicht, denn die jeweiligen Forschungsergebnisse ergänzen sich meist gegenseitig.

Erneut weise ich an dieser Stelle auf meine 2 neuen Bücher hin, die sich einerseits mit der NS-Ordensburg Vogelsang, andererseits mit dem Holocaust befassen, und Mitte September 2017 im Buchhandel erscheinen.

 

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An dieser Stelle geht es heute um die völlig neugestaltete 7. Auflage meines Standardwerkes „Ordensburg Vogelsang 1934–1945. Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich“ , da die 6. Auflage nicht mehr im Buchhandel zu erwerben war. Sie entspricht zwar inhaltlich den früheren Ausgaben, da das Institut für Zeitgeschichte in München keine fachlichen und wissenschaftlichen Fehler kritisierte. Aber das Format, die gesamte neue Aufmachung und Gestaltung der etwa 250 Seiten unterscheiden die 7. Auflage des Regional-Verlages von früheren Ausgaben. Der Preis von 9.95 EUR dürfte zudem das Interesse neuer Leser wecken.

Zwar gibt es neuerdings Publikationen mit anderen Schwerpunkten bezüglich der Ordensburg Vogelsang, aber Inhalt des Buches und historischer Erkenntnisstand haben sich im Wesentlichen nicht geändert. In früheren Vorstellungen hieß es zudem:

Hans-Dieter Arntz war 1986 der erste Autor, der mit seiner Dokumentation und seinen zahlreichen Vorträgen auf die NS-Ordensburgen aufmerksam machte. Sein Buch konzentriert sich in diesem Zusammenhang auf die Ausrichtung der künftigen „Führeranwärter“ bzw. „Junker“ und deren Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich. (...)

Als Anerkennung ist sicher auch die Entscheidung des NRW-Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration in Düsseldorf zu werten. Im Jahre 2007 überprüfte die Landeszentrale für Politische Bildung NRW das vorliegende Standardwerk und erwarb einen Teil der 5. Auflage. Das Buch „Ordensburg Vogelsang 1934-1945 – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich“ soll künftig „in fachspezifischen Kontexten der Gedenkstättenarbeit in der Landzentrale für politische Bildung NRW“ eingesetzt werden.

Die vorliegende Arbeit des Regionalhistorikers Hans-Dieter Arntz bildet inzwischen die wissenschaftliche Grundlage für mehrere Dokumentationen und Fernsehfilme.

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Meine weiteren Bücher Ordensburg Vogelsang ...im Wandel der Zeiten (2007) und Vogelsang – Geschichte der ehemaligen NS-Ordensburg (2008) verstehen sich als Kurzfassung des vorgestellten Standardwerkes. Ergänzendes zum Thema „NS-Ordensburg Vogelsang, Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg in der Eifel und Voreifel“ findet man zudem in Teil 3 meiner regionalhistorischen Homepage.

Die erwähnten neuen Bücher über den „Holocaust und das Schweigen danach“, aber gleichzeitig auch über die NS-Ordensburg Vogelsang erscheinen Mitte September 2017 im Rheinbacher Regionalia-Verlag. Sie werden dort auf Seite 49 im Herbstkatalog 2017 vorgestellt. Vgl. auch meine NEWS vom 9. Juli 2017.

Abschließend möchte ich noch einmal die Leser meiner regionalhistorischen Homepage auf die Links zu meinen weiteren Publikationen hinweisen:

Bücher (ab 1973)

Gesamtaufstellung der Publikationen in regionalen Jahrbüchern oder historischen Websites (ab 1972)

Gesamtaufstellung der Zeitungsartikel zu regionalhistorischen Themen (ab 1978)

ARTIKEL auf meiner Website

29.07.2017

Jüdische Bücher aus Münstereifel wieder in Familienbesitz

 Als Angehörige der jüdischen Familie WOLFF aus Münstereifel darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass ihre Deportation ab Kommern/b. Mechernich am 13. Juli 1942 bevorstand, übergaben sie in der Nacht vor ihrem Abtransport dem christlichen Nachbarn Toni B. heimlich die wichtigsten Bücher der inzwischen aufgelösten jüdischen Gemeinde. Der spätere Bürgermeister der Gemeinde Kommern (1956-1969) und seine Angehörigen nahmen die Verpflichtung sehr ernst und verwahrten die Bücher bis zur Gegenwart.

Wie bereits mitgeteilt konnte ich nun vor einiger Zeit diese Bücher in die rechtmäßigen Hände zurückgeben. Als Mitarbeiter an der genealogischen Forschungsarbeit „Descendants of the Wolff Family“ hatte ich Kontakt zu Janet Isenberg in Glen Rock/N.Y (USA), einer nahen Verwandten der eigentlich aus Münstereifel stammenden Familie Wolff. So konnte ich den postalischen Kontakt zu der deutschen Familie B. verschaffen und schickte in deren Auftrag die acht hebräische Bücher in die Vereinigten Staaten. Die Büchersendung hatte einen besonderen Wert wegen der persönlichen Widmung in einem vergilbten Band: „Für Max Wolff in Münstereifel zum seinem Barmizwahfeste Ostern 1905 – von seinem Onkel Samuel und Tante Eliese von Osann.“

Der Familie B. in Kommern gebührt besonderer Dank! Nicht viele Menschen konnten den Nachfahren jüdischer Deportierter eine derartige persönliche Freude bereiten.

23.07.2017

Öffentliches Gedenken anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation und Ermordung von 1164 jüdischen Menschen aus Köln sowie dem Euskirchener und Siegburger Umland

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Anlässlich des 75. Jahrestages eines NS-Verbrechens, dem auch unzählige Juden aus dem Kreis Euskirchen zum Opfer fielen, fand am Donnerstag, dem 20. Juli, in Köln eine Gedenkfeier statt, an der auch einige Gäste aus den Altkreisen Euskirchen und Schleiden teilnahmen.

In Zusammenarbeit mit dem Lern- und Gedenkort Jawne erinnerten Nachbarn vor der ehemaligen Wohnung der jüdischen Familie Klibansky - Volksgartenstraße 10 in der Kölner Südstadt - an die Deportation und Ermordung von 1.164 jüdischen Menschen aus Köln und dem Euskirchener und Kölner Umland. Für die WDR-Dokumentation „Die vergessenen Kinder von Köln“ (2006) recherchierte der Filmemacher Jürgen Nauman die Schicksale der Deportierten 1.164 jüdischen Menschen, darunter 335 Kinder und Jugendliche. In meinen NEWS vom 22. Dezember 2008 berichtete ich – mit regionalhistorischem Bezug – über den bemerkenswerten Film von Jürgen Naumann.

Die Kölner Veranstaltung am Donnerstag informierte nicht nur über die vielen jüdischen Opfer und Umstände der Minsk-Deportation vom 20. Juli 1942 und die NS-Verbrechen in Weißrussland, sondern besonders über das Rettungswerk des Pädagogen Erich Klibansky.

Er war der Direktor des jüdischen Gymnasiums Jawne (St.-Apern-Straße, Nähe Friesenplatz) und gehörte mit seiner Mutter, seiner Frau Meta und den drei Söhnen zum erwähnten „TRANSPORT DA 219“. Im Verlauf des Jahres 1939 war es ihm gelungen, etwa 130 seiner Schülerinnen und Schüler mit Kindertransporten nach Großbritannien zu bringen und so vor der Deportation und Ermordung zu retten. 1990 benannte die Stadt Köln einen neu angelegten Platz an der Stätte seines Wirkens, den Erich-Klibansky-Platz, nach ihm.

Es sei auch von mir erwähnt, dass der „TRANSPORT DA 219“ am 20. Juli 1942 den Köln-Deutzer Bahnhof in Richtung Minsk in Weißrussland verließ. Darin befanden sich 1164 jüdische Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder, die sich am Tage zuvor in den Kölner Messehallen hatten einfinden müssen. Einige Personen wurden auch mit Lastwagen dorthin gebracht. Mitzubringen waren die Wohnungsschlüssel, „Wertsachen jeder Art“, ein Rucksack mit Bettwäsche und Kleidern sowie Verpflegung für drei Tage und zusätzlich 50,– Reichsmark, denn die Reise in den Tod musste selbst bezahlt werden. Die NS-Verbrechen in Minsk werden u.a. auch vom Holocaust Education & Archive Research Team der Forschungsgruppe erforscht und durch unzählige Fotos dokumentiert.

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Viele Menschen kamen aus Köln, aber auch aus dem Kölner Umland, zum Beispiel aus den Kreisen Euskirchen und Siegburg und etwa 220 aus Bonn. Vgl. hierzu eine detaillierte Statistik einschließlich der Nennung der jeweiligen Orte. Besonders detailliert ist die Aufstellung in dem Standardwerk von Dieter Corbach († 1994): „6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz, Deportationen 1938–1945“, Scriba Verlag, Köln 1999.

testNach vier Tagen erreichte der Zug schließlich den Bahnhof im fernen Minsk. Sämtliche Deportierte wurden noch am gleichen Tag in den einige Kilometer südöstlich von Minsk gelegenen Wald von Blagowschtschina gebracht und dort erschossen. Historiker schätzen, dass hier mindestens 60.000 Menschen ermordet wurden. Die Gedenkstätte "Minsker Getto" wurde in Minsk am 10. Juli 2000 eröffnet. Ein Denkmal an der Saslawskaja-Straße – Skulpturengruppe der Künstler E. Polak und A. Finskij – erinnert an die Opfer des Hitler-Genozides.

Einer Aufstellung der Stadt Euskirchen können die Namen und das Schicksal der einst in der Kreisstadt Euskirchen beheimateten – und am 20. Juli 1942 nach Minsk deportierten – Juden entnommen werden.

18.07.2017

Aus dem Testament eines Stotzheimer Pfarrers (1678)

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Man darf es wohl als eine Seltenheit bezeichnen, wenn ein Geistlicher 60 Jahre lang an einem und demselben Ort als Pfarrer amtierte. Das aber traf bei dem Pfarrherrn Tilmann Merzenich zu, der von 1627 bis 1687 als Pfarrer von Stotzheim wirkte. Hier handelt es sich um den heute größten eigenständigen Stadtteil von Euskirchen, der sich im Südosten der Kreisstadt befindet.

Pfarrer Merzenich durchlebte keine angenehme Amtszeit. Die Einflüsse und Folgen des 30jährigen Krieges (1618-1648) machten sich auch in der Erftgegend bemerkbar, und die ersten Jahrzehnte nach der Kriegszeit brachten auch seiner katholischen Gemeinde keine Ruhe. Neun Jahre vor seinem Tode verfasste der hoch betagte Priester (1678) im Alter von 76 Jahren sein Testament.

Darin bestimmte er über die für ihn abzuhaltenden Beerdigungsfeierlichkeiten und über die Verwendung seines Nachlasses. In der Ausgabe Nr. 12 vom 29. Oktober 1949 findet man auf Seite 48 der Publikation „Zwischen Eifel und Ville“ Details, die – zur Zeit des auslaufenden Mittelalters – etwas über das Umfeld und den Besitz eines katholischen Pfarrers in einem etwa 600 Einwohner zählenden Dorfes der Voreifel aussagen:

 

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14.07.2017

Aus dem Nachlass eines deutschen Landsers (Wißkirchen 1939)

Unter der Überschrift „Stille Helfer“: Eine christlich-jüdische Freundschaft zwischen Wilhelm Müller und Alfred Seligmannberichtete ich im März 2009 über einen Briefwechsel zwischen einem Landwirt aus Wißkirchen und einem jüdischen Flüchtling aus Euskirchen. Er dokumentiert erneut, dass es im Dritten Reich „stille Helfer“ gab und dass eine langjährige Freundschaft auch den rassistischen Nationalsozialismus überstehen konnte. Ein Stapel diesbezüglicher Briefe und Dokumente aus der Nachkriegszeit (1946-1973) gibt Aufschluss über menschliche Beziehungen und damalige Probleme der Nachkriegszeit. Bei dem erwähnten Landwirt handelt es sich um Wilhelm Müller, Nachkriegsbürgermeister des sehr kleinen Voreifeldorfes.

 

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Im Jahre 1939 waren in Wißkirchen – heute ein Stadtteil der Kreisstadt Euskirchen – Soldaten der deutschen Wehrmacht zum Arbeitseinsatz einquartiert. Sie sorgten in der etwa 380 Einwohner zählenden Ortschaft in jeder Hinsicht für Abwechslung. Durch Zufall geriet ich in Besitz eines Nachlasses, der zwar symptomatisch für das wahrscheinlich überall gleiche Geschehen ist, aber eine Anzahl von regionalrelevanten Zeichnungen enthält.

 

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Als Beispiel dient die Federzeichnung „Zur Erinnerung an unseren Arbeitseinsatz im Herbst 1939“, die wohl typische Aktivitäten vor dem Haus Kommerner Straße 446 zeigt.

09.07.2017

Gegen das Vergessen: Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille

Nach längerer Pause und dem Wechsel von meinem bisherigen Herausgeber in Aachen zum renommierten Regionalia Verlag in Rheinbach erscheinen nun im September 2017 zwei meiner neuen Bücher. Wie dem Herbstkatalog 2017 auf Seite 49 zu entnehmen ist, geht es zum einen um die 7. aktualisierte Auflage meines Standardwerkes „Ordensburg Vogelsang – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich“ in komplett neuer Gestaltung, zum anderen um einen weiteren Beitrag gegen das Vergessen: „Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille.“

Auf das letztgenannte Buch hatte ich schon einmal in meinen NEWS vom 03.06.2017 hingewiesen.

 

Vogelsang

 

Für den umfangreichen und bebilderten Band habe ich 17 exemplarische Themen herausgesucht, mit denen ich mich schon im Laufe der letzten 40 Jahre befasst habe. Zu meiner vollständigen Bücherliste gehören diesbezüglich:

 

Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen Vogelsang Reichskristallnacht
Judenverfolgung
Der letzte Judenälteste von Bergen Belsen
(2012)

Isidors Briefe –
Über die Korrespondenz eines Juden aus Euskirchen

(2009)

„REICHSKRISTALLNACHT“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande
(2008)

Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet
(1990)

       
 
Erinnerungsband
Judaica  
 

Ehemalige verfolgte Mitbürger zu Besuch in ihrem Heimatdorf Flamersheim
– Ein Erinnerungsband –

(1984)

Judaica
Juden in der Voreifel

(1983)
 

 

Diese Bücher dokumentieren das Geschehen im 20. Jahrhundert, wie es auch im Eifel-Ardennen-Gebiet aus anfänglicher Diskriminierung, geschürtem Rassenhass und systematischer Verfolgung zur Vernichtung der jüdischen Gemeinden und zum Holocaust kam. Weiterhin gilt für das neue Buch „Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille“:

Es geht aber auch um das religiöse Leben der Kölner Juden im Ghetto von Riga, die Deportation jüdischer „Waisenkinder“ von Westerbork nach Auschwitz (1942) oder den inzwischen berühmt gewordenen „Sederabend 1945 im KZ Bergen-Belsen“. Der letztgenannte Artikel wurde inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt.

Jetzt herrscht auch im Eifelgebiet nach dem Holocaust die „große Stille“. Es gibt kein jüdisches Gemeindeleben mehr, die Friedhöfe wirken museal, ja, selbst aus der Sprache und dem heimatlichen Eifeldialekt verschwindet das Jüdische vollkommen ...

Hans-Dieter Arntz: Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille – Zum Untergang des Judentums in der Eifel
Seiten: ca. 260
ISBN-10 3955403149
GTIN-13 9783955403140

Preis: 9,95 (D), (AT)10.30, (CH)17.50
Sprache: deutsch
Genre Code: 1558
Verleger: Regionalia Verlag

03.07.2017

Aus dem eigenen Fotoalbum

Die Leser meiner Homepage werden wissen, dass ich im Laufe der letzten 40 Jahre mehrfach die Ehre hatte, Prominenten zu begegnen und sie von meiner deutsch-jüdischen Versöhnungsarbeit zu überzeugen. Zu ihnen gehörten am 16. September 2015 auch der am 14. Mai 2017 zum Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen gewählte Armin Laschet (CDU) und Christian Lindner (FDP), der für seine Partei Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 war und nun Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 ist. Insofern dürfte die Erinnerungsfotos auch für meine Leser von Interesse sein.

 

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Nachdem die Parteivorsitzenden Armin Laschet (CDU) und Christian Lindner (FDP) am 16.06.2017 in Düsseldorf ihren Koalitionsvertrag präsentiert hatten, wurde vor wenigen Tagen die neue Landesregierung von Nordrhein-Westfalen vorgestellt.

Auch in den weiteren Gesprächen mit anderen Politikern vertiefte sich damals mein Eindruck, dass die regionalhistorische Aufarbeitung der „jüngsten Vergangenheit“ weiterhin anerkannt und gefördert werden soll.

30.06.2017

testDie bekannte israelische Tageszeitung HAARETZ gilt als Leitmedium des Landes. Erstmals erschien sie am 18. Juni 1919 in hebräischer Sprache, seit 1997 hat sie auch eine englische gedruckte Ausgabe und ist in beiden Sprachen online abrufbar. Die Online-Ausgaben hatten nach Angaben der Zeitung schon 2005 auf Hebräisch 700.000 und auf Englisch eine Million Nutzer monatlich (...).

(...) Dass sich diese Zeitung auch mit dem aus Euskirchen-Flamersheim stammenden Josef Weiss und seiner Frau Erna geb. Falk befasst, dürfte für die Leser meiner regionalhistorischen Homepage interessant sein. Bereits auf der vorderen Seite ist das Hochzeitsbild (1922) des jüdischen Ehepaares zu sehen (...).


 


 

(...) Mit Bezug auf das neue “Shoah Heritage Building“ und andere Projekte von Yad Vashem in Jerusalem berichtet Haaretz in ihrer neuen Ausgabe über die jüdische Familie Weiss, deren Schicksal ich in meinem umfangreichen Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen Belsen – Josef Weiss, würdig in einer unwürdigen Umwelt“ bekannt gemacht habe.

Am Beispiel von „Jupp“ Weiss und dem Schicksal seiner Angehörigen stellt die Journalistin Rachel Kaplan dar, dass Yad Vashem „die größte Sammlung von Shoah-bezogenen Gegenständen in der Welt" beherbergt und auch die Heimat der Internationalen Schule für Holocaust-Studien und des Internationalen Instituts für Holocaust-Forschung ist (...).

Folgende Online-Artikel habe ich selber u.a. über Erna Weiss geb. Falk verfasst. Vgl. auf meiner regionalhistorischen Homepage:

 

 

(...) Zukünftige Generationen können somit vieles über Menschen wie Josef Weiss und seine Frau Erna geb. Falk erfahren. Auch deren Schicksal ist im Yad Vashem-Archiv gesichert, aber nur als eine Geschichte unter vielen, die dank Yad Vashem, im World Holocaust Remembrance Center, mit Fotos, Tagebüchern und anderen Relikten aufbewahrt ist. Protagonist des neuen Zeitungsartikels von Rachel Kaplan ist diesmal jedoch nicht unbedingt der berühmte „Judenälteste von Bergen-Belsen“, sondern seine Ehefrau Erna Weiss geb. Falk , die man als bescheidene, aber „starke Frau“ verstehen muss.

Die Angehörigen, Yona Weiss und Atara Zachor-Dayan, standen für das Haaretz-Interview zur Verfügung und überließen der Redakteurin auch einige Fotos, die in meinem o.a. Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen“ (2012) zu finden sind (....). Yona übergab dem Team von Yad Vashem nicht nur das Fotoalbum von Erna, das sie gescannt hatte, sondern auch eine wertvolle Schallplatte der damaligen Opernsängerin (...).

(...) Gerne weise ich auf den diesbezüglichen Beitrag hin: „Yad Vashem: The Pieces of the Puzzle”. Er ist im Internet in englischer und in der Übersetzung per Internet-Translator auch in deutscher Sprache abrufbar. Wegen diesbezüglicher Fehler habe ich den Text etwas verändert:

Yad Vashem: Teile eines Puzzles
Die Geschichte von Erna Falk Weiss und wie ihr Vermächtnis im Yad Vashem Archive gesichert ist, ist nur eine Geschichte unter vielen, die dank Yad Vashem, im World Holocaust Remembrance Center, aufbewahrt und archiviert ist.

Von Rachel Kaplan

 

„Die Geschichte des Holocaust ist ein riesiges Puzzle mit vielen schwarzen Löchern, die Erinnerungsstücke darstellen", betont Avner Shalev, Yad Vashems Vorsitzender und fügt hinzu: „Wir müssen die restlichen schwarzen Löcher ausfüllen und alle Stücke des Puzzles sammeln. Der geeignete Ort ist Yad Vashem." (.....)

 (....) „Yad Vashem beherbergt die größte Sammlung von Shoah-bezogenen Gegenständen in der Welt", bestätigt Shalev. Es ist auch die Heimat der Internationalen Schule für Holocaust-Studien und des Internationalen Instituts für Holocaust-Forschung, die als zentraler Ort dient, wo des Holocausts immer gedacht wird und an den sich die Öffentlichkeit zum Zweck der Holocaust-Bildung wenden kann (...).

Der vollständige Zeitungsartikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

22.06.2017

Gymnasium Marienschule Euskirchen feiert bald 150jähriges Bestehen (2018)

Mit der Gründung als Höhere Töchterschule (Mädchenschule für Mädchen der oberen Schichten) im Jahre 1868 beginnt die Geschichte des Gymnasiums Marienschule. Heute zählt die moderne Schule der Stadt Euskirchen etwa 1000 Schülern. 1973 zog die Marienschule in einen Neubau (unter anderem mit Turnhalle und Cafeteria) um, wo sie sich noch heute befindet. Das Foto zeigt das Kollegium beim Einzug vor dem neuen Gebäude (1973).

 

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Die ersten männlichen Schüler auf der Marienschule gab es 1975. In dieser Zeit begann auch die Kooperation mit dem Emil-Fischer-Gymnasium Euskirchen (in der Oberstufe).

Mit der Geschichte des Euskirchener Gymnasiums Marienschule befassen sich u.a. auch meine Artikel:

Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen: Teil 1 (1868-1940)

Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen: Teil 2 (1940-1978)


Weitere diesbezügliche Beiträge können per Link von meiner Homepage abgerufen werden.

Die Marienschule weist auf ihrer eigenen Website auf die bereits laufenden Vorbereitungen hin:

test2018 feiert die Marienschule ihr 150jähriges Jubiläum! Wir freuen uns auf unser großes Jubiläumsjahr voller Feierlichkeiten – gerade auch für ehemalige Marienschülerinnen und Marienschüler!

Bereits seit einigen Monaten planen verschiedene Arbeitsgruppen unser Schuljubiläum. Aktuelle und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer der Marienschule, Schülerinnen, Schüler und Eltern haben bereits viele Ideen eingebracht. Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 sind die unterschiedlichsten Aktivitäten geplant. Unter anderem soll am 5.10.2018 ein großes Ehemaligenfest stattfinden. Wir möchten allen früheren Jahrgängen eine Gelegenheit zum Erinnern, Feiern und Tanzen bieten.

In der feierfreudigen Marienschule , die einerseits aus der Schulzeit vertraut ist, andererseits in den letzten Jahren aber auch in vielen Teilen ganz neu gestaltet wurde, besteht dann bei einem vielseitigen Abendprogramm die Möglichkeit zum gemeinsamen Erinnern an die Schulzeit, zum Wiedersehen mit ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern sowie ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern, aber natürlich auch zum Feiern und Tanzen.

Mit einer Anzeige im „Kreis-Intelligenzblatt für Euskirchen und Rheinbach“ am 31. Oktober 1868 warb die künftige Schulleiterin Johanna Küpper für die erste Höhere Töchterschule der Kreisstadt Euskirchen. Eine ihrer Nachfolgerinnen war Anna Müller aus dem benachbarten Wißkirchen, die später zusätzlich eine bedeutende Funktion im rheinischen Katholizismus spielte. Vgl. folgende Beiträge auf meiner Homepage:

16.06.2017

Eine Ballade vom „Prinz der jiddischen Ballade“ – Das neue Programm von einem der besten Klezmer-Ensembles in Deutschland

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Das Ensemble Kol Cole (Klang aus Köln) und Bella Liebermann laden zu einem Konzert am 18. Juni 2017 und zur Präsentation ihrer neuen CD ein. Dies findet am Sonntag, dem 18. Juni 2017, um 17:00 Uhr im Gemeindesaal der Synagogen-Gemeinde Köln, Roonstr. 50, statt.

„Ojfn Weg“ heißt die neue CD. Es geht um eine Ballade vom „Prinz der jiddischen Ballade“ – Izik Manger. „Ojfn Weg“ heißt das Lied – aber es ist auch symbolisch der Weg der Künstler.

Die Klezmer-Melodien, Tango-Rhythmen und originellen lebhaften Interpretationen der traditionellen Musik werden wahrscheinlich auch diesmal wieder begeistern. Wer also am Sonntag dabei sein möchte und den Geist und die Freude an dieser Musik teilen möchte, ist herzlich eingeladen.

Die Leser meiner Homepage werden sich daran erinnern, dass ich Kol Cole bereits mehrfach als eines der besten Klezmer-Ensembles in Deutschland vorgestellt habe. Vgl. die letzten Hinweise in meinen NEWS vom 2. März 2017 und am 2. Juli 2016.

Kol Colé besteht aus den Musikern:

Bella Liebermann – Gesang und Zymbal
Igor Mazrizsky – Geige
Daniel Marsch – Gesang und Akkordeon
Michael Meier – Kontrabass
Roman Nedzvetskyy, Igor Kirillov – Klavier

Ort und Zeit: Sonntag, d. 18.06 2017, um 17:00 Uhr im Gemeindesaal der Synagogen-Gemeinde Köln, Roonstr. 50.

13.06.2017

Das Amtsblatt der Regierung zu Aachen beschreibt aus besonderen Gründen das Äußere von Isaak Nathan aus Münstereifel (1843)

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Am 21. März 2017 hatte ich mich wohl zum letzten Mal mit der jüdischen Familie Nathan in Münstereifel befasst. Mit Hilde (1923–2017) verstarb der letzte Angehörige dieser seit Jahrhunderten in der Voreifel ansässigen jüdischen Familie.

Die Regionalhistorie sammelt neben historischen und archivalischen Details natürlich auch Persönliches aus dem Nachlass. Hierzu gehören Dokumente und besonders Fotos. Aufgrund des Grabsteins von Isaac Nathan (2. Juni 1813–28. Juli 1885) auf dem jüdischen Friedhof von Bad Münstereifel und mithilfe der epigraphischen Datenbank des Essener Steinheim-Instituts wissen wir von ihm, dessen korrekter Name Jizchak ben Schimschon war:

Hier ist geborgen | ein gerechter und aufrechter Mann inmitten der Wohltäter, er ging stets den Weg der Guten , | seine Seele haftete am lebendigen Gott | und alle seine Taten waren um des himmlischen Namens willen , es ist Herr Jizchak, Sohn des Herrn Schimschon, | gestorben mit gutem Namen Tag 3, 16. Aw | des Jahres 645 der kleinen Zählung. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

Mein Foto zeigt seine Mazewa in der Mitte.

testEin Bild des wahrscheinlich etwas lebhaften Mannes ist nicht erhalten, aber eine Beschreibung, die die Regierung zu Aachen vor 184 Jahren für wichtig hielt. Der Sohn des Samson Nathan und seiner Frau Helena geb. Gottschalk wurde nämlich laut Amtsblatt, Stück 49 vom Donnerstag, dem 9. November 1843, steckbrieflich gesucht. Eigentlich hatte er nichts Wesentliches verbrochen, nur am 19. Januar 1843 wohl recht impulsiv den Gottesdienst gestört und sich dann einer vorgesehenen Strafe von nur einem einzigen Tag (!) durch Flucht entzogen. Das „Zuchtpolizeigericht“ konnte die geringe Strafe nicht vollziehen, weil sich der jüdische Handelsmann durch Flucht entzogen hatte. Dennoch gab es einen offiziellen Aufruf im Amtsblatt der Regierung Aachen. Der Steckbrief ermöglicht uns, sein Aussehen zu erahnen:

Signalement
Israelitische Religion, 25 Jahre alt, 5 Fuß und 2 Zoll groß, blonde Haare, blaue Augen, lange Nase, mittelmäßiger Mund, brauner Bart, rundes Kinn, ovale Gesichtsbildung, gesunde Gesichtsfarbe, untersetzte Gestalt, plattdeutsche Sprache.

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08.06.2017

Deutsche Kinderbücher der Nachkriegszeit

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Vor einigen Jahren fragte mich einer meiner in den USA lebenden jüdischen Leser, ob ich ihm – trotz seines Alters von 70 Jahren – „endlich mal helfen könne.“ Seine Familie stamme ursprünglich aus Deutschland und er selber habe seit seiner Kleinkindzeit immer noch einen lustigen Vers in Erinnerung: „Happi, happy, heiter, wen er fehlt, da scheit er....“. Endlich wolle er jetzt doch mal wissen, wie der Vers richtig heißt und was er bedeutet.

Langsam sprach ich mir die Worte vor und wurde natürlich sofort an den Kniereitvers „Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er....“ erinnert. Leo hatte wahrscheinlich als Kleinkind dieselbe Freude wie wir alle gehabt, wenn auch wir am Schluss „in den Graben gefallen sind.“ Natürlich habe ich nicht sein Kinderreimfundament erschüttert und die eigentlichen, zusammengepackten Verse wiedergegeben, zumal ich diese auch selber jetzt erst im Internet gefunden habe. Anderen wird es ähnlich ergehen.

Im Keller fand ich dann das vergilbte Pappbilderbuch „Das Himmelshaus“, in dem 1948 die Autorin Maria Deyerler-Herrmann beim Scholz-Mainz-Verlag auf 12 Seiten Bilder und Gedichte „für ein kleines Plappermäulchen“ verfasst hatte. Welche derartigen, deutschsprachigen „Kinderbüchlein“ mag es nach dem Holocaust heute noch in den USA geben?

testUnter der Überschrift Rare Books and Special Collections - Cotsen Children's Library” fand ich diese offenbar seltenen Bücher - und auch das „Himmelhaus“ - in der berühmten amerikanischen “Princton University Library”. Einsehbar und beim Kauf keineswegs preiswert befindet es sich noch heute in der genannten Privatuniversität Princton von New Jersey. Sie ist die viertälteste Universität der USA und Gründungsmitglied der Association of American Universities, eines seit 1900 bestehenden Verbandes führender forschungsintensiver nordamerikanischer Universitäten.

Vielleicht sollte man sich beim Aufräumen oder Entsorgen seiner eigenen Bibliothek einmal fragen, warum diese wahrscheinlich längst zerfledderte Literatur für Kleinkinder aus einem besonderen Grund noch in den USA aufbewahrt wird und vielleicht auch deswegen an einen gewissen Teil der Geschichte erinnert.

03.06.2017

Mein neues Buch: Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille – Zum Untergang des Judentums in der Eifel

Die Zeitzeugen und die jüdischen Holocaust-Opfer werden immer weniger. Bei der Durchsicht meiner Archivunterlagen wurde mir erneut schmerzlich bewusst, was ich alles bisher nicht davon in meinen Büchern veröffentlicht habe. Vielen Aussagen der meist jüdischen Zeitzeugen hatte ich früher noch nicht die Bedeutung beigemessen, die sie eigentlich verdienen. Im Gegensatz zur meist nüchternen Archivarbeit bereicherten die vielen persönlichen Begegnungen, die auch Urkunden Fotos erbrachten.

Wie man der diesbezüglichen Seite meiner Homepage entnehmen kann, befasse ich mich seit etwa 4 Jahrzehnten mit der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Westdeutschland und im Rheinland. Meine Publikationen konzentrieren sich dabei auf Regionalhistorisches und haben sicher auch exemplarischen Charakter. So konnte ich „Zeuge der Zeitzeugen“ werden, die als Multiplikatoren das Gedenken an den Holocaust und die anvertrauten Lebensgeschichten lebendig halten.

Wie ich schon in meinen NEWS vom 27.04. 2017 mitteilte, erscheint im September 2017 mein neues Buch:

Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille – Zum Untergang des Judentums in der Eifel

 

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Für den recht umfangreichen und bebilderten Band habe ich 17 exemplarische Themen herausgesucht, mit denen ich mich schon im Laufe der letzten 40 Jahre befasst habe. Sie dokumentieren das Geschehen im 20. Jahrhundert, wie es auch im Eifel-Ardennen-Gebiet aus anfänglicher Diskriminierung, geschürtem Rassenhass und systematischer Verfolgung zur Vernichtung der jüdischen Gemeinden und zum Holocaust kam. Es geht aber auch um das religiöse Leben der Kölner Juden im Ghetto von Riga, die Deportation jüdischer „Waisenkinder“ von Westerbork nach Auschwitz (1942) oder den inzwischen berühmt gewordenen „Sederabend 1945 im KZ Bergen-Belsen“. Mein letztgenannter Artikel wurde inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt.

Jetzt herrscht auch im Eifelgebiet nach dem Holocaust die „große Stille“. Es gibt kein jüdisches Gemeindeleben mehr, die Friedhöfe wirken museal, ja, selbst aus der Sprache und dem heimatlichen Eifeldialekt verschwindet das Jüdische vollkommen ...

Hans-Dieter Arntz: Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille – Zum Untergang des Judentums in der Eifel

Seiten: ca. 260
ISBN-10 3955403149
GTIN-13 9783955403140

Preis: 9,95 (D), (AT)10.30, (CH)17.50
Sprache: deutsch
Genre Code: 1558
Verleger: Regionalia Verlag und http://regionalia-verlag.de

26.05.2017

Vor 75 Jahren: 1000-Bomber-Angriff auf Köln in der Nacht vom 30./31. Mai 1942

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testDas NS-Dokumentationszentrum Köln lädt zu einem interessanten Vortrag über den britischen „1000-Bomber-Angriff“ ein: „Die Nacht, die Köln veränderte.“ Am 30. Mai 2017 referieren im EL-DE-Haus Martin Rüther und Zeitzeugen unter Einbezug von Fotos und Videoausschnitten. Das folgende Foto zeigt z.B. beschädigte Häuser Neusser Straße / Ecke Zietenstraße, Köln 31. Mai 1942.(© NS-DOK/Alfred Hübner, Foto: Fritz Hübner)

In den ersten Kriegsjahren blieb das benachbarte Köln von Luftangriffen weitest­gehend verschont. Ziele einzelner Bombenangriffe waren vor allem Wirtschaftsbetriebe. Aber die Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 erlangte durch den „1.000 Bomber-Angriff“ auf die Domstadt traurige Berühmtheit. Unter dem Decknamen „Operation Millennium“ sollte sie systematisch in Schutt und Asche gelegt werden. Ein etwa 9minütiger Film mit der Überschrift „The 1000-Bomber-Raid on Cologne“ ist bei YouTube zu sehen.

testWikipedia konstatiert, dass die ersten Flugzeuge am 31. Mai um 00:47 Uhr am Kölner Nachthimmel erschienen. Von den 1047 gestarteten Bombern, davon über die Hälfte zweimotorige Vickers Wellington, erreichten etwa 890 das Zielgebiet und warfen 1455 Tonnen Bomben ab, davon zwei Drittel Brandbomben. Das Bomber Command erwartete, dass die hohe Konzentration an Bombenabwürfen in der sehr kurzen Zeit die Kölner Feuerwehr völlig überfordern und somit Großbrände wie bei den Angriffen der deutschen Luftwaffe auf London während des sogenannten „Blitz“ auslösen werde. Beigefügtes Foto zeigt die Zerstörungen am Neumarkt (© NS-DOK/ Foto-Ateliers Samson & J. Fuchs)       

Mit dem Flächenbombardement in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 eskalierte der Luftkrieg. Bis Kriegs­ende wurden gegen Köln 262 alliierte Luftangriffe geflogen, bei denen schätzungsweise 20.000 Kölnerinnen und Kölner starben. Die Innenstadt war zum Kriegsende füher sast vollständig zerstört. Der anfänglichen Kriegseuphorie und Sorglosigkeit der Kölner Bevölkerung folgten Schrecken und eine ständige Konfrontation mit dem Tod.

Mit einer Veranstaltungsreihe werden über das unmittelbare historische Geschehen hinaus auch die Kriegsfolgen für die Stadt und die Bevölkerung thematisiert.

Unter regionalhistorischen Aspekten hatte ich früher selber den Verlauf des Zweiten Weltkrieges in der Voreifel und Eifel und ganz besonders das Kriegsende 1944/45 dokumentiert. Wer sich hierfür interessiert, kann die Informationen über diese Bücher mit folgenden Links abrufen:

20.05.2017

Internationaler Museumstag am 21. Mai 2017

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Der Internationale Museumstag findet seit 1992 unter einem jährlich wechselnden Motto statt, das durch den Internationalen Museumsrat beschlossen wird. In diesem Jahr lautet das Motto: „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“.
Am Sonntag, dem 21. Mai, bieten deutschlandweit viele Museen besondere Aktionen an. Dabei kann es sich um Sonderführungen handeln oder um die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Aber auch Workshops, Museumsfeste oder Museumsnächte werden angeboten. Nicht zuletzt bieten viele Museen an diesem Tag einen freien Eintritt an. Ausgerufen wurde der Aktionstag 1977 durch den internationalen Museumsrat, woraufhin er 1978 erstmalig in Moskau gefeiert wurde. Das jährlich stattfindende Ereignis findet in Deutschland unter der Schirmherrschaft des amtierenden Bundespräsidenten statt und macht auf die Bedeutung und Vielfalt der Museen aufmerksam.

In diesem Zusammenhang weise ich zum Beispiel auf den Besuch der Abtei Brauweiler in Pulheim hin, die in der Zeit von 1933 bis 1945 u.a. auch als „Arbeitsanstalt“ fungierte. Im September 1944 wurden schließlich Hunderte „Arbeitshäusler“ in Konzentrationslager abgeschoben, insbesondere ins KZ Buchenwald. Hierüber informiert das heutige LVR-Kulturzentrum als Gedenkstätte.

 

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Auch der Kreis Euskirchen beteiligt sich am Internationalen Museumstag. So haben historisch interessierte Besucher die Möglichkeit, im Zülpicher Museum, Andreas-Broicher-Platz 1, die Römerthermen und die damalige Badekultur kennen zu lernen. Das LVR-Freilichtmuseum Kommern informiert mit der Veranstaltung „Dafür ist ein Kraut gewachsen“ über die Nutzung von Küchenkräutern aus dem Hausgarten.

Besucherinnern und Besucher der ehemaligen Ordensburg Vogelsang, die an einer Geländeführung um 11 Uhr oder um 14 Uhr teilnehmen, haben kostenlosen Eintritt in die Ausstellung zur diesbezüglichen NS-Dokumentation.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass mein Standardwerk „Ordensburg Vogelsang. 1934–1945. Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reichim September 2017 als 7. Auflagevom Regionalia Verlag Rheinbach herausgegeben wird.

16.05.2017

Vortrag über den „letzten Judenältesten von Bergen-Belsen“ in Aachen

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Historiker und Gymnasiallehrer aus dem Raum Aachen hatten mich zu einem Vortrag über den „Holocaust und seine Zeitzeugen“ eingeladen. Im Anschluss daran war eine Diskussion über den gegenwärtig anwachsenden Rechtsradikalismus vorgesehen.

Bei dieser Veranstaltung am 28. April hatte ich erneut die Möglichkeit, über mein letztes Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen“ und Josef Weiss zu referieren. Veranschaulicht wurde dies mithilfe der 15minütigen Radiosendung von Irene Geuer v. 16. Mai 2013 (ZEITZEICHEN): 16. Mai 1893. Der Geburtstag von Josef Weiss, Zeitzeuge des Holocaust.

 

 

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In diesem Zusammenhang erinnere ich auch heute noch einmal an den 16. Mai 1893, an dem „Jupp“ Weiss geboren wurde, und an den 16. Mai 2013, an dem in seinem Geburtsort eine Straße nach ihm benannt wurde.

12.05.2017

Abschaffung der „Majestätsbeleidigung“ bereits zum 1. Januar 2018

Über „Majestätsbeleidigung“ diskutiert man nicht nur zurzeit, wenn sich gewisse Staatsoberhäupter beleidigt fühlen, sondern tat dies auch schon im 4. Jahrhundert nach Christus. Vgl. meine diesbezügliche NEWS v. 17.09. 2016.

Laut Wikipedia ist Majestätsbeleidigung in einer Monarchie die vorsätzliche Beleidigung oder Tätlichkeit, die gegen einen regierenden Monarchen verübt wird. Sie ist ein Verstoß gegen die in konstitutionellen Monarchien verfassungsmäßig festgeschriebene „Unverletzlichkeit“ des Inhabers der staatlichen Souveränität. Im weiteren Sinn kann darunter modern auch die Beleidigung eines Staatsoberhaupts begriffen werden.

Während dieser aktuellen Diskussion fand ich im letzten Jahr in meiner Bibliothek einen kleinen Band, in dem der antike Umgang mit „Majestätsbeleidigung“ erwähnt wurde. In Band 3 der „Ausgewählten Schriften“ des Philosophen Heinrich Zschokke, Aarau 1825, S.117/118, wird Theodosius der Große zitiert, der 379 bis 394 Kaiser im Osten des Römischen Reiches und ab September 394 de facto für einige Monate letzter Alleinherrscher des Gesamtreiches war. Wörtlich heißt es da – und das ist wirklich erstaunlich (!):

 

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Aus gegebenem Anlass war inzwischen die Abschaffung des §103 StGB bereits auf dem Weg. Vgl.: Die Abschaffung der „Majestätbeleidigung“. Aber die DEUTSCHE WELLE meldet nun aktuell am 28. April 2017, dass die endgültige Abschaffung bereits zum 1. Januar 2018 gültig wird:

Der Straftatbestand der Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter (Majestätsbeleidigung) könnte früher als geplant der Vergangenheit angehören. Der Bundestag in Berlin votierte mehrheitlich dafür, die umstrittene Rechtsgrundlage unmittelbar aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Die Bundesregierung hatte das Aus des Paragrafen 103 zum 1. Januar 2018 beschlossen.

09.05.2017

Russenlager und Zwangsarbeit (Bilder und Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener in Köln)

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Millionen sowjetischer Kriegsgefangener waren seit Sommer 1941 bis Kriegsende im Deut­schen Reich in Lagern interniert. Sie galten als »Untermenschen«, wurden besonders schlecht versorgt und mussten oftmals körperlich schwere Zwangs­arbeit leisten. Viele von ihnen starben.

In der Zeit vom 5. Mai bis zum 25. Juni 2017 erzählt eine Kölner Ausstellung vom Schicksal jener sowjetischen Kriegsgefangenen, die überlebten und von denen viele in der Heimat als »Verräter« oder »Feiglinge« verunglimpft und zum Teil in Lager verschleppt wurden.

Der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbl e.V. dokumentiert dies in der Ausstellung „Russenlager und Zwangsarbeit“ anhand von Bildern und entsprechender Erinnerungen von Zeitzeugen.

Im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ignorierte das NS-Regime alle völkerrechtlichen Regeln, die sie für westalliierte Kriegsgefangene weitgehend gelten ließ. Gefangene Rotarmisten galten zunächst als »unnütze Esser«. Im Winter 1941/42 starben zwei Millionen in Lagern der Wehrmacht an Auszehrung, Seuchen und Misshandlun­gen. Schwerstarbeit und unmenschliche Behand­lung kosteten bis Kriegsende weiteren 1,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen das Leben.

Die über zehn Jahre andauernde Korrespondenz zwischen Mitgliedern des Vereins und mehreren Tausend ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen bilden die Grundlage der Ausstellung. Porträts des Fotografen Lars Nickel und Zitate aus Briefen dieser Zeitzeugen werden ergänzt durch Dokumente aus Gedenkstätten und Archiven.

NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10-18 Uhr
Samstag u. Sonntag 11 – 18 Uhr

Unter regionalhistorischen Aspekten hatte ich früher selber über die „Fremd- und Zwangsarbeiter im Kreis Euskirchen und der Voreifel“ berichtet. Wer sich hierfür interessiert, kann dies mit folgenden Links abrufen:

05.05.2017

Premiere der AWI-Filmproduktion Adolf Winkler: „Der Westwall im Eifelkreis Bitburg-Prüm“

Wer tatsächlich nur eine Anreihung von NS-Wochenschau-Berichten der letzten 1930er Jahre und abschließend ein deutsch-amerikanisches Kampfgetümmel der Zeit 1944/45 erwartet hatte, war bei der Premiere des 60minütigen Filmes „Der Westwall im Eifelkreis Bitburg-Prüm“ sicher etwas enttäuscht. Stattdessen wurden aber die etwa 400 Gäste in der großen Halle der Kreissparkasse Bitburg-Prüm angenehm durch die einfühlsame, vielseitige und sachkompetente AWI-Filmproduktion überrascht, deren CD ab sofort auch bei AWI-Film käuflich zu erwerben ist. Diesbezüglich weise ich auf den kurzen Ausschnitt des Films hin.

Produzent Adolf Winkler, der auch für die Kameraführung und Regie verantwortlich war, hat erneut eine Eifel-spezifische Dokumentation erstellt, die nicht nur historisch für die deutsch-luxemburgische Region von Bedeutung ist, sondern auch für den hiesigen Tourismus und den Naturschutz.

 

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In meinen NEWS vom 7. März 2017 hatte ich bereits auf dieses Westwall-Filmprojekt hingewiesen, das den Bitburger Dokumentarfilmer erneut als einen der wenigen renommierten Filmemacher der Eifel ausweist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an seine erfolgreiche Dokumentation über die Geschichte des Judentums, worüber ich vor 3 Jahren berichtete. Vgl. hierzu: Zum Film von Adolf Winkler: „Das jüdische Leben im Dreiländereck Belgien-Deutschland-Luxemburg“ – Ein Beitrag zur Judenverfolgung im Eifelgebiet

Da es immer noch zu wenige Produzenten gibt, die sich ernsthaft um eine wirklich vielseitige Darstellung des großen Eifelgebietes bemühen, kann man behaupten, dass der 60minütige Film über den Westwall im Gebiet Bitburg-Prüm eine echte Lücke schließt. Zeitzeugen, aber auch viele über die jetzige Situation informierte Fachkräfte äußern sich über die „Drachenzähne“ und „Grüne Grenze“, vermeiden aber offenbar bewusst Martialisches oder gar den Begriff „Siegfried-Line“. Daraus resultiert eine ungewöhnliche, anfangs nicht erwartete 2. Filmhälfte. Hier geht es um den Naturschutz, den „weichen Tourismus“ und die heutige Situation im Bereich des ehemaligen „Grenzwalls“, der militärstrategisch ein Gegenstück zur französischen Maginot-Linie sein sollte.

testAuch als Tier- und Naturfilmer geht Adolf Winkler andere Wege. Er „erzählt“ die Geschichte des Westwalls in der Eifel exemplarisch anhand der Region Bitburg und weist dann ganz bewusst auf das „Positive“ der Überbleibsel hin. Dies bekommt insofern eine besondere Bedeutung, als Walter Ewertz, Oberst a.D., Historiker und Buchautor aus Arzfeld, darauf hinweist: „Die Eifel war bei Kriegsende eine der am stärksten zerstörten Landschaften Deutschlands“. Sehr anschaulich wird dann erklärt, welche positiven Auswirkungen die immer noch vorhandenen Reste des Westwalls auf die Umwelt sowie Flora und Fauna haben.

Erneut gelang es Adolf Winkler, den bekannten Schauspieler und Regisseur Volker Lechtenbrink als Sprecher zu gewinnen, dessen markante Stimme der gesamten Darstellung einen ausgesprochen sachlichen Eindruck vermittelte. Vgl. den o.a. Trailer. Er bezeichnet die wahnwitzigen Überbleibsel als Mahnmal und resümiert: „Der Westwall ist heute ein stummer Zeuge eines irrsinnigen Krieges.“

01.05.2017

Am 1. Mai 1890 demonstrierten erstmals deutsche Arbeiter zusammen mit ihren Klassengenossen in Europa und den Vereinigten Staaten für den 8-Stunden-Tag, das Verbot der Kinderarbeit und die Abschaffung der schweren körperlichen Arbeit für Frauen. Euskirchener Zeitungen und Archivunterlagen beweisen, dass dieser universale Appell in unserer Kreisstadt ungehört blieb. Eine Arbeiterorganisation war hier noch unbekannt. Dass allerdings am Ende des 19. Jahrhunderts Euskirchener Tagelöhner und Arbeiter den 1. Mai zünftig mit Schnaps begossen und den wohlhabenden Mitbürgern am Veybach Anlass zur Klage gaben, ist überliefert. Bereits vor etwa 4 Jahrzehnten - am 1. Mai 1980 -fasste ich meine damaligen Ergebnisse in der Euskirchener Lokalausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers kurz zusammen.

 

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Da der 1. Mai selten auf einen Sonntag fiel, galt er stets als Arbeitstag. Ärmere Arbeiter konnten sich einen Ausfall nicht leisten. Beinahe provokativ eröffnete zum Beispiel pünktlich zum 1. Mai 1903 der neu erbaute Schlachthof der Stadt Euskirchen seinen Betrieb, und alle mussten natürlich arbeiten. Die Euskirchener Zei­tung berichtete einen Tag später, dass mit Monatsbeginn „das erste Blut in dem neuen Hause der Herr Metzgermeister Hubert Lückerath vergossen hat, indem er eine fette Kuh zunftgerechterweise zu Suppenfleisch und Braten präparierte“(...).

Erst nach der Jahrhundertwende sind in den Euskirchener Archiven Aktivitäten der Ge­werkschaften festzustellen. Für die Stadthistorie ist eine Notiz des Euskirchener Volksblattes vom 12.10.1904 wichtig, ist doch seit 1905 mit Umzügen und Demonstrationen zum 1. Mai zu rechnen: „Aus Arbeiterkreisen wird uns geschrieben: Die hiesige Arbeiterschaft wird in steigendem Maße von den Gewerkschaften aller Art fortgesetzt bearbeitet, um sie für die Mitgliedschaft derselben zu gewin­nen. Unbefangene Beobachter konstatieren hierbei ein gewaltiges Anwachsen der Arbeiter­organisationen in unserer sonst als indifferent verschrienen Stadt.“

 

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Am 1. Mai 1905 wurde in Eus­kirchen die kürzere Arbeitszeit propagiert (....).

(...) Zu den üblichen Maifeiern al­ten Stils kam es nach der „Machtergreifung“ Hitlers nicht mehr. Antigewerkschaftliche Äußerungen wurden auch am „Tage der erwachenden Nation" geäußert, über den die Euskirchener Zeitung am 4. März 1933 propagandistisch berichtete. Am 6. März 1933 wurde der Vorsitzende der Euskirchener Sozialdemokraten, Eduard Göring – späterer Ehrenbürger der Stadt Euskirchen und nicht verwandt mit Hermann Göring - , ins Rathaus zitiert und in der Polizeiwache inhaftiert. Erst am 10. April 1933 wurde er ohne Kommentar wieder entlassen (...).

(...) Aktivitäten für eine Demonstra­tion zum 1. Mai gab es keine mehr. Der 21. März 1933 hatte auch den Euskirchenern klargemacht, wie die Nationalsoziali­sten über Gewerkschaften, So­zialdemokraten und Kommunisten dachten. Dieser „Tag nationaler Hochstimmung“ endete auf dem Euskirchener Marktplatz mit der Verbrennung. „(…) der Banner mit Hammer und Sichel Moskauer Prägung, der Sozialdemokratie und der Fahnen Schwarz-Rot-Gold ...“

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

27.04.2017

Hinweis auf meine zwei neuen Bücher

Wer sich in den letzten 11 Jahren mit meiner regionalhistorischen Homepage befasst hat, weiß, mit welchen Links meine bisherigen Publikationen abzurufen sind:

BÜCHER (seit 1973)

testGesamtaufstellung der Publikationen in regionalen Jahrbüchern oder historischen Websites (ab 1972)

Gesamtaufstellung der Zeitungsartikel zu regionalhistorischen Themen (ab 1978)

ARTIKEL auf meiner Website

Nach längerer Pause und dem Wechsel von meinem bisherigen Herausgeber in Aachen zum renommierten Regionalia Verlag in Rheinbach erscheinen nun im September 2017 zwei meiner neuen Bücher. Sie werden auch schon im halbjährlich erscheinenden Mai-Katalog des Verlags vorgestellt:

Es handelt sich um eine neugestaltete 7. Auflage meines Standardwerkes Ordensburg Vogelsang 1934-1945 Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich , da die letzte Auflage nicht mehr im Buchhandel zu erwerben war.

Für den ebenfalls recht umfangreichen und stark bebilderten Band

Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille
– Zum Untergang des Judentums in der Eifel –

habe ich 17 exemplarische Themen herausgesucht, mit denen ich mich schon im Laufe der letzten 40 Jahre befasst habe.

 

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Sie dokumentieren das Geschehen im 20. Jahrhundert, wie es auch im Eifel-Ardennen-Gebiet aus anfänglicher Diskriminierung, geschürtem Rassenhass und systematischer Verfolgung zur Vernichtung der jüdischen Gemeinden und zum Holocaust kam. Seitdem herrscht „die große Stille“ vor: es gibt kein jüdisches Gemeindeleben mehr, die Friedhöfe wirken museal, ja, selbst aus der Sprache und dem heimatlichen Eifeldialekt verschwindet das Jüdische vollkommen ...

Regionalia Verlag GmbH
Vor dem Voigtstor 16
D-53359 Rheinbach
Tel. 02226-89977-24
www.regionalia-verlag.de

23.04.2017

Versteckte jüdische Kinder in Limburg (Niederlande)

testDa ich im Rahmen meiner deutsch-jüdischen Versöhnungsarbeit auch an einigen Projekten in Luxemburg, Belgien und in den Niederlanden beteiligt bin, freut es mich immer wieder, wenn ich zusätzlich Hinweise auf ähnliche Arbeiten bekomme. Gerne weise ich in meiner regionalhistorischen Homepage darauf hin.

testDaher erwähne ich heute aus gegebenem Anlass eine Ausstellung des „Museums Land van Valkenburg“ die noch bis zum 5. Mai 2017 zu sehen ist. Es geht um das besondere Kapitel „Joodse..onderduikkinderen in Valkenburg“, also um jüdische Kinder, die während der deutschen Besatzung und Verfolgung „untertauchen“ konnten.

In meinem Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen“ ging es auch um die Judenverfolgung in den Niederlanden, Fluchthilfe und ganz besonders um das „Durchgangslager“ bzw. Konzentrationslager Westerbork. Von hier aus schickte die deutsche Besatzungsmacht unzählige Transporte nach Auschwitz. Diesem Schicksal konnten jüdische Kinder entgehen, wenn sie von mitleidigen Niederländern versteckt wurden. Auch Wolfgang (Shalom) Weiss, der älteste Sohn des erwähnten „Judenältesten von Bergen-Belsen“ Josef Weiss, verdankte holländischen Rettern sein Leben.

Die Ausstellung „Versteckte jüdische Kinder“ gilt als Vorbereitung auf den jährlichen Gedenktag und Tag der Befreiung (5. Mai 1945). In diesem Zusammenhang gedenkt man auch derjenigen Menschen, die im Rahmen eines bewundernswerten Netzwerkes jüdische Kinder in Limburg versteckten. Die gesamte Situation wird mit Fotografien und Filmen sowie mit Briefen und Gemälden veranschaulicht.
Auch in Valkenburg (Houthem) war ein jüdisches Kind versteckt. Bei „Ria Gerritsen“ zum Beispiel, die seit 11 Jahren wieder in Valkenburg lebt, handelte sich um Marij de Goede, die in der tatkräftigen Familie Mulleneers untergebracht war.

 

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Bilder und eindrucksvolle Zeichnungen stammen von Herman Silbernberg, der damals jüdische Jungen in Limburg versteckte. Auf diese Art gibt er eine wichtige Periode seines Lebens wieder. Vieles ist auch in dem Buch „Jochie, je moet er trots op zijn“ (Boy, Sie müssen Sie stolz sein) nachzulesen. Hierzu gehören Geschichten von Ed van Thijn (versteckt in Brunssum), Ernst van Gelderen (versteckt in Vaals), Appie Drielsma (versteckt in Gulpen), Hans Reichenbach und Eef Polak (beide versteckt in Weert).


Museum Land van Valkenburg:
Postbus 189, 6300 AD Valkenburg aan de Geul, Grootestraat Centrum 31

20.04.2017

Zur weiteren Sammlung priesterlicher Charakterbilder aus dem Bereich des Erzbistums Köln

Nach Ansicht der katholischen Kirche hat die Medienberichterstattung über priesterliches und bischöfliches Versagen den Eindruck erweckt, als ob es das glaubwürdige priesterliche Lebenszeugnis kaum mehr gäbe. Dennoch existieren überzeugende Beispiele gelungener priesterlicher Existenz nicht nur, sondern sie kennzeichnen wohl in weit stärkerem Maße die kirchliche Wirklichkeit als es der Öffentlichkeit manchmal suggeriert wird.

 

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Um dies historisch zu belegen, wurde inzwischen der 4. Band der Reihe „ ... und es gibt sie doch“ – Priester in guter Erinnerung von Markus Hofmann und Klaus-Peter Vosen im fe-medienverlag Kissleg herausgegeben. Ich hatte die Ehre, hier mitzuarbeiten und den Pazifisten, Widerstandskämpfer und Judenretter Joseph Emonds aus Euskirchen-Kirchheim vorstellen zu dürfen. Vgl. meine NEWS vom 27. Dezember 2016.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. urteilte am 18. Januar 2016 in einem Schreiben an Bischof Dr. Klaus Dick in Köln schon bezüglich der ers­ten drei Bände dieser „Priesterbücher“:

„Ich glaube, es ist wichtig, dass Lebensbilder solcher Priester, die niemand zu kanonisieren gedenkt und die doch in ihrem einfachen Dienst Wegweiser bleiben, öffentlich bekannt werden - sowohl den Priestern wie den Laien zur Ermutigung und Wegweisung."

Daher werden auch künftig glaubwürdige Lebenszeugnisse verstorbener Priester aus dem Bereich der Erzdiözese Köln auf den Weg zum Leser gebracht.

Klaus-Peter Vosen und Markus Hofmann(Hgg)
... und es gibt sie doch. 30 weitere Priester in guter Erinnerung. Band 4.
fe-medienverlag, kisslegg 2016
ISBN: 978-3-86357-167-2

17.04.2017

testWer sich mit der Geschichte der Kreisstadt Euskirchen befasst, der kommt nicht an den kaum noch bekannten Artikeln des ehemaligen Volksblatt-Verlags vorbei. Dieser publizierte ab 1924 unter der Überschrift „Euskirchener Land im Wandel der Zeit“ eine Beilage, in der viele Heimatforscher und besonders Peter Simons interessante Beiträge publizierten (... ).

(...) Das derzeitige Osterfest gibt vielleicht Anlass, sich für dessen Gestaltung vor etwa 130 Jahren zu interessieren. Ein unbekannter Euskirchener äußert sich hierzu in der Ausgabe Nr.7/1926, S. 52 der oben erwähnten Zeitungsbeilage „Unsere Heimat im Wandel der Zeit“. Wenn diese Erinnerungen schon im Jahre 1926 einen nostalgischen Eindruck hinterließen, um wie viel mehr müssen sie heute auf den heimatkundlich interessierten Leser wirken. Um es kurz zu machen, man wird auch jetzt mal wieder an die „gute alte Zeit in Euskirchen“ erinnert (....).

test(...) Ab Gründonnerstag verstummen nämlich die Glocken - zusammen mit der Orgel in allen katholischen Gemeinden - aus Trauer um den Kreuzestod Jesu. „Sie sind wieder da“, wenn in der Osternachtsfeier die Auferstehung Christi gefeiert wird. Im Volksmund sagt man hierzu: „Die Glocken fliegen nach Rom. Dort legen sie beim Heiligen Vater die Beichte ab und bitten ihn um seinen Segen“. Das Verstummen der Glocken und der Orgel wird auch als „Fasten für die Ohren“ angesehen.

(...) In dem Euskirchener Artikel über die Karwoche und Ostern in den 1850er Jahren heißt es:

(...) Dann wurde die aus der Rumpelkammer hervorgesuchte Klapper in die Hand genommen und mittags und abends in mehr oder minder zahlreichen Knaben-Trupps durch die Straßen gezogen, um das unmelodische Geräusch hervorrufen zu helfen, das in diesen Tagen der Trauer an die Stelle des Angelusläutens tritt. Die Bevorzugtesten unter uns, die in der Kirche Chorknabendienste tun durften, holten aus dem Dicken Turm hinter der Pfarrkirche – (heute: Martinskirche/d.V.) - , der jetzt noch immer vergeblich auf die Anfänge des städtischen Museums wartet, die schweren, mechanischen Holzknarren heraus, deren nervenzerrüttender Ton dem Klappern der Schläge die nötige Bindung gab (...)

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Überall in den Dörfern kennt man die Kinder mit den Klappern, die mit dem jeweiligen Ruf „Morgenklock, Mittagsklock, Abendklock“ während dieser Zeit die Kirchenglocken ersetzen (...). Anbei zwei Fotos, die ich 1977 und 2013 von den „Klapperkindern“ bei uns in Rheder gemacht habe.

(...) Unvergesslich blieb dem Erzähler wohl, dass er am Ostermorgen stets noch vor Morgengrauen von seinem Vater geweckt wurde, um beizeiten zur Auferstehungsfeier zu erscheinen:

(...) Vater hielt mit Nachdruck darauf, dass der erste Osterfeiertag ganz und gar dem Herrn geweiht wurde. Er konnte es nicht begreifen, dass die „neue Welt“ sich nicht scheute, selbst am ersten Osterfeiertage Vergnügungen zu veranstalten, am zweiten sogar zu tanzen. „Das war zu meiner Zeit anders“, sagte er, „da hätte man sich am ersten Ostertage noch nicht einmal erlaubt, eine Kegelkugel in die Hand zu nehmen (...).

(...) Der Erzähler resümiert im Jahre 1926, dass die schlichte Osterfeier in den 1850er Jahren noch von echtem, katholischen Familiensinn getragen wurde, „der leider heutzutage immer mehr im Schwinden begriffen ist“. Hierzu sagt er:

 

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Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

13.04.2017

Ludo Verbist erforscht das Verhalten jüdischer Flüchtlinge in Belgien

Anlässlich der Vorstellung meines umfangreichen Buches „Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet“, das im Jahre 1990 im Buchhandel erschien, lernte ich vor einigen Jahren Ludo Verbist aus Booischot in Belgien (Foto, rechts) kennen.

 

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Damals war er am Anfang eigener Forschungen über das Verhalten jüdischer Flüchtlinge nach Belgien. Sein Ziel war es, das Schicksal dieser Emigranten, von denen später viele verhaftet und von Mechelen aus nach Auschwitz deportiert wurden, zu erforschen. Ludo Verbist ist inzwischen als Archivar und Forscher offizieller Sprecher für das Erinnerungszentrum der Kaserne Dossin in Mechelen tätig. (Kazerne Dossin - MEMORIAL, Museum en Documentatiecentrum over Holocaust en Mensenrechten).

testSchon daher steht ihm interessantes Material zur Verfügung, zum Beispiel auch das beigefügte Foto vom dortigen Abtransport der Juden (Foto KD - P000749).

Allmählich hat nun sein Projekt Formen angenommen, sodass im Jahre 2019 mit einer niederländischen, später dann mit einer französischen Ausgabe gerechnet werden kann. Trotz des inzwischen groß gewordenen zeitlichen Abstandes haben sich doch bisher unbekannte Details, Akten und Zeitzeugen gefunden, die auch die diesbezügliche Historie von Luxemburg und des belgischen Grenzgebiet belegen. Wenn auch die avisierte Studie nicht mehr direkt die Flucht der Juden aus Deutschland, Polen und Österreich in den Mittelpunkt stellt, so sollen doch bisher unbeachtete Dokumente des Landesarchivs NRW und Akten der deutschen Wehrmacht, des Grenzschutz, der Gestapo und SS (1933 bis etwa 1939/40) in den Vordergrund gestellt werden. Die Karte von K. D. Klauser (ZVS – St. Vith – 2017), die mir zur Veröffentlichung freigegeben wurde, zeigt den Raum, in dem sich während der Zeit der Judenverfolgung Juden legal oder illegal bewegten.

testDer belgische Historiker Verbist bedient sich auch bereits publizierter Darstellungen und Forschungsergebnisse, weiterhin der Hilfe sachkundiger Autoren aus dem In- und Ausland sowie der Studien, die inzwischen von der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien erstellt wurden. Besonders wichtig sind die bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen der belgischen Fremdenpolizei sowie die Korrespondenz zwischen deutschen und belgischen Ministerien.

Die Publikation mit dem zurzeit gültigen Arbeitstitel „Schicksale an der belgischen Grenze“ soll im Verlag der Universität Brüssel erscheinen und ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Nationalsozialismus werden. Im Mai wird Ludo Verbist in Brüssel anlässlich einer Mai-Tagung internationalen Historiker sein Projekt vorstellen.

Um die verdienstvolle Forschungsarbeit des Kollegen zu unterstützen, leite ich hiermit gerne seine Anschrift weiter, was hoffentlich weitere Kontakte ermöglicht:

 

Ludo Verbist,
studiewo2.be, Schrieksesteenweg 81, B-2221 Booischot, BELGIEN
E-mail: ludo.verbist@studiewo2.be
Tel: 015/336953
GSM: 0477/832097

07.04.2017

„Sederabend“ der Juden am Montag, dem 10. April 2017

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Aus besonderem Grunde erinnert meine regionalhistorische Homepage jedes Jahr an ein Ereignis, das mich im Zusammenhang mit meinen Forschungen über den gewissen „Vorabend“ - d.h. den Seder oder den Sederabend 1945 - besonders bewegt: Trotz der schrecklichen Situation im Konzentrationslager Bergen-Belsen, in dem sich im März 1945 Tausende von unbeerdigten Verhungerten befanden, wurden heimlich Matzen hergestellt und nach Möglichkeit peinlich genau die Herstellungsrituale und der Verlauf des Pessach-Mahles beachtet. 30 Kinder feierten in der Hölle „ihren“ Sederabend.

testDer aus Flamersheim - heute ein Stadtteil von Euskirchen - stammende Joseph („Jupp“) Weiss (1893-1976) erlebte diese Feier und verfasste den Artikel „Seder 1945 im Kinderhaus von Bergen-Belsen“ wenige Monate nach der Befreiung. Als „letzter Judenältester von Bergen-Belsen“ hatte er das danteske Purgatorium miterleben müssen, das ich in dem gleichnamigen Buch (2012) detailliert darstellte.

In der Zeit vom 11. April bis zum 18. April 2017 feiern die Juden ihr Pessachfest. Es ist eines der drei wichtigen Wallfahrtsfeste, das im jüdischen Frühlingsmonat Nissan gefeiert wird. Mit den Festlichkeiten soll der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes gedacht werden und der Zeit des Exodus, den Auszug aus Ägypten und die Flucht vor der Unterdrückung.

Die ungesäuerten Speisen stehen dabei für die Hast der Israeliten beim Verlassen Ägyptens. Sie hatten damals keine Zeit, ihre Speisen säuern zu lassen, sodass lediglich Mehl und Wasser vermengt und der Teig in der Wüste auf Steinen gebacken wurde. Durch das Verspeisen der Mazzot soll auch heute noch an diese Leiden erinnert werden. Weiteres kann man dem „Kleinen Kalender“ entnehmen.

 

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Statt der harmonischen Familienfeier verlief die Sederfeier 1945 im Kinderhaus von Bergen-Belsen ganz anders! Dies konnte ich erstmals 1983 in meinem Buch „JUDAICA – Juden in der Voreifel“ (S. 441/442) in deutscher Sprache veröffentlichen. Seitdem zählt der Weiss-Text inzwischen auch als Lesung zum Bestandteil vieler Sederfeiern und wurde in mehrere Sprachen übersetzt:

 

Sederabend 1945 in Bergen-Belsen

Seder 1945 in the KZ Bergen-Belsen: The Jewish Elder Joseph („Jupp“) Weiss and the Children of the „Kinderhaus“ (English Version)

"L'ultimo Seder A Bergen-Belsen": Italienische Übersetzung von „Seder 1945 im Kinderhausvon Bergen-Belsen“ (Italian version)

Hebrew-Übersetzung von „Seder 1945“

Israelische Übersetzung eines Berichtes über den letzten „Judenältesten von Bergen-Belsen“

 

Auch dieses Jahr am Montag, dem 10. April 2017, wird der Abend weltweit im Rahmen der Familie begangen. Man sollte sich aber doch einmal den klassischen Text von Joseph Weiss durchlesen, den ich in meinem o.a. Buch – zusätzlich im erweiterten Zusammenhang – publiziert habe. Vgl.:

02.04.2017

Vor 60 Jahren gestorben: Dr. Moshe Wallach – Ehrenbürger der Stadt Jerusalem – mit Wurzeln in Euskirchen

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Mehrfach erinnerte ich in meiner regionalhistorischen Homepage ausführlich an den jüdischen Arzt Dr. Moshe Wallach (1866-1957), dessen Vater Joseph aus Euskirchen und Mutter Marianne geb. Levy aus Münstereifel stammten. Der Gründer des berühmten Shaare Zedek Hospitals und Ehrenbürger von Jerusalem starb dort vor 60 Jahren - am 8. April 1957.

Als ich 1983 in meinem Buch JUDAICA – Juden in der Voreifel die Familiengeschichte der jüdischen Familie Wallach vorstellte, war der Mediziner mit Wurzeln in der Voreifel recht unbekannt. Jetzt ist seine Vita sogar in der englischsprachigen Wikipedia nachzulesen. „Moritz“ Wallach wirkte als Pionier in Palästina und Mediziner in „seinem“ Erez Israel.

Dr. Moshe Wallach, ein in Köln geborener orthodoxer Jude, berufen zur praktizierten Nächstenliebe und in seiner Lebensleistung vielleicht mit einem Albert Schweitzer vergleichbar, gründete das erwähnte Shaare Zedek Krankenhaus in Jerusalem.

Als sich im Frühjahr des Jahres 1984 eine Reisegruppe aus Euskirchen-Flamersheim für eine Woche in Jerusalem aufhielt, wies der arabische Reiseführer auf das jüdische Shaare Zedek Krankenhaus (Shaare Zedek) hin und resümierte sehr objektiv, dass dieses wohl das traditionsreichste Krankenhaus des Nahen Ostens mit ausgezeichneter Reputation wäre. Damals wusste wahrscheinlich keiner, dass der verdienstvolle Gründer dieser Institution ein gewisser Moritz Wallach (1866-1957) war, dessen Vater aus Euskirchen stammte. Die Lebensleistung seines Sohnes, des berühmt gewordenen Dr. Moshe (Moritz) Wallach, weist diesen als eine herausragende Persönlichkeit des deutschen Judentums und als einen medizinischen Pionier des damaligen Palästina und heutigen Staates Israel aus.

testDie Einweihung des Shaarei Tzedek Hospital am 27. Januar 1902 war nicht nur für den jungen Direktor Dr. Moshe Wallach ein großes Ereignis, sondern auch für die Stadt Jerusalem. Zu den Ehrengästen zählten Jawad Pasha in seiner Funktion als türkische Gouverneur der Stadt Jerusalem, der deutsche Konsul Dr. Schmidt, der Askenasi-Rabbiner Salant und der Sephardi-Oberrabbiner Haham Bashi Eliashar.

Die Stadt Jerusalem bedankte sich bei Dr. Moshe Wallach (1866-1957) für seine Lebensleistung mit der Verleihung des Titels „Yakir Yerushalayim" (Ehrenbürger von Jerusalem). Die medizinische Fakultät der Hebräischen Universität in Jerusalem verlieh ihm zu seinem neunzigsten Geburtstag die erste Ehrendoktorwürde, die dort vergeben wurde. Zu derselben Zeit fungierte an der Hebrew University Prof. Dr. Evenari (1904-1989) als Vizepräsident, und man kann davon ausgehen, dass er die Ehrung des aus dem Rheinland stammenden Glaubensbruders durch seine Hochschule sicher auch befürwortet hat. Und jetzt bekommt der Artikel auf dieser regionalhistorischen Homepage einen wirklich heimatspezifischen Aspekt: Der Vater von Prof. Evenari stammte ebenso aus der Kreisstadt Euskirchen wie der Vater von Dr. Moshe Wallach. Hier treffen sich die Zweige einer lokalen Genealogie, zumal feststeht, dass sich die beiden jüdischen Männer  früher persönlich gekannt haben.

25.03.2017

(...) In Bezug auf die derzeitigen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei und die Diskussion um die Wahrung der jeweiligen Kultur sollten die folgenden Zeilen zum Nachdenken anregen (...).

Unter der Überschrift Zum Karneval 1933 in Eupen, St. Vith und Malmedy („Was die HEIMATPRESSE“ nach der „Machtergreifung“ in Deutschland schreibt) zitierte ich am 15. Februar 2017 in meiner regionalhistorischen Homepage einen Artikel, den ich in der Ausgabe Nr. 3 von „Echo – aus Eupen-Malmedy-Monschau“ fand. Hier handelte es sich um einen Beitrag aus einer recht nationalistischen, deutschen Schrift, die im 7. Jahrgang von den „Vereinigten Landsmannschaften Eupen-Melmady-Monschau“ herausgegeben wurde und kurz nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ über den Karneval im „von Belgien besetzten Land“ berichtet(...).

Laut Versailler Vertrag fielen die deutschen Gebiete Eupen, St. Vith und Malmedy und ein Teil des Kreises Monschau an Belgien, das intensiv die Wallonisierung des zugesprochenen Gebietes betrieb und das „Deutschtum“ unterdrückte. Daher gab es in dem vom Deutschen Reich losgelösten Gebieten eine revisionistische Bewegung, die die Wiedereingliederung des Gebietes an Deutschland zum Ziel hatte.
Die „Vereinigten Landsmannschaften Eupen-Malmed-Monschau“ und ihr Presseorgan „Echo“ gerieten bald in nationalsozialistisches Fahrwasser. Die Schriftleitung lag in den Händen eines Dr. Werner Wirths in Berlin-Grunewald, Hohenzollerndamm Nr. 137 und beabsichtigte, „Eupen-Malmedy“ zu diskriminieren.

(...) Heute möchte einen weiteren Artikel – dort ohne ausdrückliche Nennung eines Autor – vorstellen, der sich mit dem angeblichen „Ausnahmezustand in Eupen-Malmedy“ befasst.

Einleitend geht um die angebliche Beteuerung des belgischen Gesandten in Berlin, „Belgien denke nicht daran, in Eupen-Malmedy ein Sonderregime zu unterhalten“. Dem widersprach die damalige deutsche Zentrumsabgeordnete und spätere Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen, Christine Teusch, der die Einreise in das erwähnte belgische Gebiet verweigert worden sei. (...)

Das „Echo“ resümiert und fragt: „Es ist in Eupen-Malmedy nicht einmal mehr möglich, einen völlig unpolitischen Vortrag über die Stellung der Familie im sozialen Dasein zu halten und zu hören. Ist das nun Ausnahmezustand oder nicht?“
(...)Da ist weiterhin die Rede von einer „öffentlichen Sicherheitsverwaltung“ und dem Misstrauen der belgischen Regierung( ...)


 

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

21.03.2017

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(...) Wie ich erst jetzt erfuhr, ist die jüdische Holocaust-Überlebende Hildegard Nathan (* 1923 in Münstereifel) am 27. Februar 2017 in Las Palmas (Gran Canaria) verstorben. Trotz gelegentlicher finanzieller Unterstützung eines ehemaligen Nachbarn war ihre Situation in den letzten Jahren wohl so, dass sie immer mehr verarmt war und schließlich kaum noch Geld für Nahrung und ärztliche Versorgung hatte. Der deutsche Freund bat jüdische Institutionen in Deutschland, ja, in ganz Europa, um Hilfe - leider ohne Erfolg! (...)

(...) Die wohl völlig vereinsamte Frau hatte zuletzt nur noch einen einzigen Wunsch: sie wollte neben ihrer in Israel beerdigten Mutter ihre letzte Ruhestätte finden. Hierfür gab es jedoch auch kein Geld mehr. Dies bewegte die jüdische Gemeinde von Las Palmas, sodass für diesen Anlass gesammelt wurde. Der Leichnam konnte schließlich nach Jerusalem überführt werden. In der Presse wurde über das wenigstens diesbezüglich versöhnliche Ende berichtet:

 „Mehr als 200 Israelis kamen in Jerusalem zur Beerdigung – obwohl sie die Schoa-Überlebende aus der Eifel nicht kannten!“

 

Ich möchte hierzu folgende Artikel anführen:

Jewish World: Holocaust survivor's final wish was to be buried in Israel

Jüdische Allgemeine v. 01.03.2017: Trauer um Hilde Nathan

 

Hilde, mit der ich von 1978 bis etwa 2010 im lockeren Briefkontakt stand und von deren wirtschaftlichen Situation ich nichts wusste, wurde am 11. Oktober 1923 in Münstereifel geboren und überlebte mit ihrer jüdischen Familie Theresienstadt und den Holocaust. Sie gehört mit ihren Eltern – Hugo Nathan (*06.02.1891 in Münstereifel) und ihrer Mutter Emilie geb. Cahn (*04.01.1893 in Ratingen) – zu den wenigen jüdischen Überlebenden, die nach dem 2. Weltkrieg nach Euskirchen zurückgekehrt waren, wo sie in der Zeit zwischen 1930 und 1933 in der Neustraße 21 wohnten.

Hugo Nathan war Besitzer von zwei Kinos, von denen das „Rex“ in der Hochstraße in der Voreifel sehr bekannt war. Wegen nationalsozialistischer Umtriebe und Diskriminierungen mussten die drei Nathans kurz nach der „Machtergreifung“  die Kreisstadt Euskirchen verlassen und sich in Köln niederlassen, von wo aus sie am 27.07.1942 von Köln nach Theresienstadt deportiert, aber schließlich doch befreit wurde.

(...) Zu dem sehenswerten, 60minütigen Dokumentarfilm „Die verlorenen Kinder von Köln“, in dem auch Hilde Nathan über die Zeit der Verfolgung, der entflohenen Minsk-Deportation  und über den Aufenthalt in Theresienstadt berichtet, findet man von dem Produzenten und Drehbuchautor Jürgen Naumann folgendes im Internet:

Montag, 20. Juli 1942. Pünktlich um 15.00 Uhr verlässt der Reichsbahnzug DA 219 den Bahnhof Köln-Deutz. In den Waggons: über eintausend jüdische Menschen aus Köln, darunter auch 335 Kinder (...)

Ausschnitte aus dem Film von Jürgen Naumann "Die vergessenen Kinder von Köln":

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17.03.2017

Dankbare Volksschüler in Euskirchen: „Unserem verehrten Hauptlehrer Stephan Krayer“ (1890)

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Die Westschule der Stadt Euskirchen kann auf eine interessante Geschichte zurückblicken, auch wenn sie im Laufe der Zeit gelegentlich ihren Namen ändern musste. Vgl. den Hinweis in der Tagespresse: Martinschule im Wandel der Zeit (von Claudia Robertz):

Im Frühjahr 1884 begann man mit dem Bau des zweistöckigen Gebäudes. Nach nur knapp einem Jahr war es fertig. Die Jungen hießen damals noch Knaben und wurden von den Mädchen streng getrennt unterrichtet. Schulleiter war Hauptlehrer Stephan Krayer (1884-1903).

Nach nur einem Jahr geregelten Schulbetriebs wurde dieser jäh unterbrochen, als ein Großbrand 25 Häuser im Bereich Annaturm- und Baumstraße inklusive der jüdischen Synagoge zerstörte. Mehrere betroffene Familien fanden Obdach in der Westschule und die jüdische Gemeinde feierte dort Gottesdienste.

Im Jahre 1935 feierte die Westschule ihr 50jähriges Jubiläum. Ein Foto findet man im Buch „Euskirchen, Band II, S. 38.
Dass der erste Schulleiter, Hauptlehrer Stephan Krayer, recht beliebt gewesen sein muss, bewiesen „seine dankbaren Schüler der ersten Knabenklasse“, die folgendes Gedicht - anlässlich seines Namenstages – am 24. Dezember 1890 in die „Euskirchener Zeitung“ setzen ließen. Sicher wird sich der „geliebte, theure Lehrer“ am Heiligabend über das Versprechen gefreut haben:

In Deiner treuen Schüler Herzen erlösche nie die Dankbarkeit

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12.03.2017

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(...) Die Chronik des heutigen Gymnasiums Marienschule in Euskirchen belegt, dass diese als „Höhere Töchterschule“ auch schon das „Turnen“ kannte. Im Jahre 1977 erklärte mir übrigens die einstige „höhere Tochter“ Mize Moll, dass dies aber nur in einer ganz besonderen Kleidung und nur in einem nicht einsehbaren Flur ermöglicht wurde. Im Jahre 1898 gab es jedoch noch keine Turnschuhe, sondern nur „keusche Turnkleidung“ (...).

(...) Es geht in diesem Artikel also um das Turnen von Schulmädchen – und ganz besonders um die Turnkleidung in den Schulen für „höhere Töchter“. Einige Bilder aus dem Foto-Archiv des heutigen Gymnasiums Marienschule Euskirchen dienen als inhaltliche „Einstimmung“(...).

 

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In einem zusätzlichen Artikel für die Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen „UNSER WEG“ (1978) fasste die Kollegin Barbara König die Anfänge des Turn- und späteren Sportunterrichtes zusammen:

Aus den Akten der Archive wissen wir, dass es an der ersten Höheren Töchterschule der Stadt Euskirchen (1868) noch keine Leibesübungen gab. Das lässt sich auch un­schwer aus dem Zeitgeist erklären(...).

(....) Mit dem Bau der Turnhalle (1928), die damals in der Rheinprovinz als einzigartig galt, be­gann für Fräulein Schulte eine systematische und erfolgreiche Arbeit. Sie konnte zwar nichts än­dern an der streng vorgeschriebenen „Turnkleidung", die sich anfangs noch - zumindest für Internatsschülerinnen - nach den bischöflichen Leitsätzen zu richten hatte. Die Schülerinnen hat­ten jedoch trotz langer, an den Knöcheln zusam­mengebundener Hosen, Rock und Bluse viel Freude an der Bewegung. Bis Ende der 1920er Jahre war, wie Frau Willmes lächelnd berichtet, eine volle Beinkleidung unerlässlich, obschon der Rock inzwischen kniehoch verkürzt werden konnte, aber dann lange Strümpfe getragen wurden (...).

(...) Und da sind wir schon bei dem Stichwort „Turnkleidung für höhere Töchter“. Bezüglich des Turnens für Schülerinnen an einer Höheren Töchterschule oder an einem Lyzeum - und dies war der Vorläufer des heutigen Gymnasiums Marienschule – hatte am Anfang des 20. Jahrhunderts die „Turntracht“ folgendermaßen auszusehen (...):

 

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(...) Es gibt weitere Anweisungen und Verbote bezüglich der „Turntracht“ für „höhere Töchter. Immer wieder ist von der „Aufgabe des Turnunterrichtes“ die Rede oder von „nur weiblichen Lehrkräften“, weiterhin von einer speziellen „Turnsprache“:
Turnsprache und Befehlsform richten sich auch in den Lyzeen usw. nach dem „Neuen Leitfaden für den Turnunterricht in den Preußischen Volksschulen“ (Berlin 1895, W. Hertz)...

(...) Wer heute die modernen Sportlerinnen sieht, kann nur noch über das „Korsett-Verbot laut Erlass M.E. v. 20. März 1905 – UIII B 3174, U III A, U III D, M – (Zbl. 1905, S. 334) lachen:

Korsett-Verbot

Absatz 7: Unter Bezugnahme auf die in den Lehrplänen vom 31. Mai 1894 über den Anzug der Schülerinnen gegebene Anordnung weise ich wiederholt und nachdrücklich (...).

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

07.03.2017

Filmpremiere am 29. März 2017 in Bitburg: „Der Westwall im Eifelkreis Bitburg-Prüm“

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Es gibt zahlreiche Bücher und Filme, die sich mit dem „Westwall“ bzw. der „Siegfried-Line“ befassen. Gemeint ist die 630 km lange Befestigungsanlage entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches, die auf Befehl Hitlers als militärisches Verteidigungssystem mit über 18.000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren in der Zeit von 1938 bis 1940 entstand. Der Westwall verlief von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze. Wikipedia dokumentiert dies detailliert.

Der bekannte Filmemacher Adolf Winkler, den ich bereits auf meiner regionalhistorischen Homepage vorgestellt habe - vgl. Zum Film von Adolf Winkler: „Das jüdische Leben im Dreiländereck Belgien-Deutschland-Luxemburg“ – Ein Beitrag zur Judenverfolgung im Eifelgebiet - hat sich in den letzten Jahren mit dem Teil dieser Anlage und dem Gebiet um Bitburg-Prüm befasst.

testIm Winter 1944/45 spielte dieser Bereich eine militärstrategische Rolle. Aber es geht nicht nur um das Kriegsende. Immer noch findet man in dieser Eifelregion Spuren der teilweise zerstörten Bauwerke inmitten einer idyllischen Landschaft. Als stumme Zeugen einer dunklen Epoche sind sie heute nicht nur von historischem Interesse, sondern auch Mahnmale zum Frieden und mittlerweile wertvolle Rückzugsorte für selten gewordene Pflanzen und Tiere.

Insofern möchte ich darauf hinweisen, dass der aus Bitburg stammende Filmemacher Adolf Winkler diesbezüglich schon vor mehr als zwei Jahrzehnten als bekannter Buch- und Fernsehautor gilt. Bereits 1992 hatte er gemeinsam mit Christian Grzimek Bücher zum Thema Natur- und Tierschutz verfasst, und beim Fernsehen der RTL Plus wurden bis dahin 80 Beiträge mit dem Titel „Tips für Tiere“ gesendet. Verständlich also, dass der Aspekt Natur auch bei einem Film über eine deutsche Befestigungsanlage eine Rolle spielt.

Die Filmpremiere findet am Mittwoch, dem 29. März 2017, um 19 Uhr im Kundenzentrum der Kreissparkasse in Bitburg, Trierer Straße 46, statt.

02.03.2017

„Erinnere Dich mit einem Lied“ - Ein Jüdisch – orientalisches Musikevent am 5. März in Köln

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Am 2. Juli 2016 stellte ich in meinen NEWS Bella Liebermann und ihr Kölner Klezmer-Ensemble „Kol Cole´“ vor.Sie ist nicht nur die Autorin des wissenschaftlichen Buches „Trauma des Holocausts - Überlebende und ihre Anamnese durch das narrative Interview“, sondern auch eine inzwischen bekannte Klezmer-Musikerin. Klezmer als spezieller Ausdruck osteuropäischer Musik beinhaltet Begegnungen mit der dortigen Landschaft und Denkweise der einfachen slawischen und jüdischen Menschen aus dieser Region. Klezmer basiert auf dem aschkenasischen Judentum und der von dort stammenden Volksmusiktradition.

Diese musikalische Form der Erinnerungskultur ruft auch zur Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte auf. Daher bin ich Bella Liebermann für den Hinweis auf eine Veranstaltung dankbar, die zusätzlich auch als Workshop zur Aktivität gelten soll:

Liebe Interessenten der orientalischen- und Klezmer-Musik und alle – sowohl Instrumentalisten als auch Chor-und Solosänger - die Ihre Kenntnisse in diesen Bereichen vertiefen möchten.

Ihr seid herzlich eingeladen, um unseren Workshop mitzuerleben und mit zu gestalten. Es wird ein großartiges spannendes transkulturelles Abenteuer werden!

Man kann auch ein Modul besuchen!

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„Erinnere Dich mit einem Lied“

Ein Jüdisch - orientalisches Musikevent mit Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene. Sonntag, d. 5 März 2017, in den Räumen der VHS Köln, Cäcilienstr. 35, 50667 Köln, 9.30h-18.00h. Eine Anmeldung ist erwünscht.

27.02.2017

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Zum heutigen Rosenmontag ist regionalhistorisch folgendes anzumerken: Während die benachbarte Domstadt auf ihren Kölner Karneval besonders stolz ist, da er inzwischen zu den weltweit größten und bekanntesten Karnevalsfesten zählt, scheint es in der Voreifel kaum bekannt zu sein, dass es in der damals kleinen Kreisstadt Euskirchen schon seit 1828 (!!) einen „Rosenmontagszug“ gab, der als „Maskenzug“ von der Begeisterung her keineswegs dem seit 1823 bestehenden Kölner Vorbild nachstand. Die Regionalhistorie beweist, dass Euskirchen im 19. Jahrhundert durchaus zu den ersten und bedeutenden Zentren des rheinischen Karnevals gehörte (...).

Auf meiner regionalhistorischen Homepage habe ich mich schon mehrfach mit der Geschichte des Euskirchener Karnevals befasst:

 

Seit 1840 Karneval in Euskirchen

Weiberfastnacht in der Voreifel „1. Glanzsitzung mit Damen“ der „Carnevals-Aktien-Gesellschaft § 11“ im Jahre 1908

Bereits 1893 gab es im Eifelstädtchen Euskirchen „keinen Platz für Judenhass“ – Regionalhistorische Anmerkung zum gegenwärtigen Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus

Judenfeindliches im Karneval des Dritten Reiches

 

Heute geht es um den Ursprung des „modernen“ Karnevals – also um die ersten organisierten Aktivitäten in der nach-napoleonischen Zeit:

 (...) Der erste Rosenmontagszug im heutigen Fastnachtszentrum Mainz - „Määnzer Fassenacht“ oder „Meenzer Fassenacht“ - fand erst 1838 statt und wurde übrigens noch als „Maskenzug“ bezeichnet. Man sollte nicht vergessen, dass dies zehn Jahre nach dem ersten Maskenzug in Euskirchen war.

 

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Fotos aus dem „Euskirchener Intelligenzblatt“ v. 14. 02. 1874 und der „Euskirchener Zeitung“ vom 27. 02. 1892)


Unter der Überschrift Oeskerchens Fastelovend immer älterfasste Karl Otermann – ehemaliger Kreisarchivar und Kulturreferent des Kreises Euskirchen sowie Vorsitzender des Vereins der Geschichts- und Heimatfreunde des Kreises Euskirchen – im Heimatkalender 1959 die Anfänge des Euskirchener Karnevals zusammen und publizierte den Beweis, wonach die Euskirchener schon 1842 Weiberfastnacht gefeiert hatten (S.114/115). Dabei bezog er sich auf einen früheren Hinweis des kurz vorher verstorbenen Heimatforschers Peter Simons (1877-1956). Otermann selber fand dann später, bei der Neuordnung des Amtsarchivs Kuchenheim, für das Jahr 1828 eine „allerhöchste Kabinettsordre der königlich-preußischen Majestät“ (1828) - natürlich nicht einer närrischen Tollität -, die von historischer Bedeutung ist:

„Des Königs Majestät haben, wie Sie aus meiner Mitteilung vom 4. Mai 1828, in einer allerhöchsten Kabinettsordre vom 20. März eiusdem zu erklären geruhet, dass in den Rheinprovinzen Karnevals-Maskeraden nur in denjenigen größeren Städten erlaubt sein soll, wo sie herkömmlich von Alters her Statt gefunden haben. In kleineren Städten sind demnach dergleichen Maskeraden gänzlich verboten."

Ein bedeutsamer Fund ist dem Kreisoberinspektor Peter Linden zu verdanken, der im Jahre 1957 zufällig in einer beim Staatsarchiv Düsseldorf aufbewahrten Euskirchener Akte Wesentliches zum Euskirchener Karneval fand. Seitdem besteht eine amtliche Aussage zum Ursprung des ersten Euskirchener Maskenzuges, der auf das Jahr 1828 zurückgeht (...).

Man weiß inzwischen, dass Bürgermeister Peter Joseph Ruhr (1850-1871) den Behörden gegenüber bestätigte, dass „in der Kreisstadt Euskirchen altherkömmlich und namentlich vor dem Ober-Präsidial-Erlasse vom 21. April 1828" tatsächlich schon ein Maskenzug stattgefunden habe (...).

(...) Der damalige Archivar Karl Otermann resümiert: „Da bisher weitere dokumentarische Beweise fehlen, dürfen wir also getrost und auch glücklich in Bürgermeister Ruhr den Gewährsmann für einen Euskirchener Maskenzug vor 1828 haben. Die nahe Lage zu Köln hat - und das überrascht gar nicht - also recht schnell die Neuheiten im Kölner Karneval auch nach Euskirchen ausgestrahlt“.

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

23.02.2017

Private genealogische Fundstücke – Totenzettel und Zeitungsartikel

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Heimatgeschichte, verbunden mit Genealogie und mit persönlichem Bezug zur Gegenwart, ist keine abstrakte „Geschichte". Dies versuchte ich - unter persönlichen Aspekten - in einem Beitrag für die neueste Ausgabe der Zeitschrift des Geschichtsvereins Prümer Land „Der Prümer Landbote“ (Die Westeifel in Geschichte und Gegenwart) zu erklären. Vgl.: Private genealogische Fundstücke – Totenzettel und Zeitungsartikel, in: Heft Nr.132, Ausgabe 1/2017, S. 54 – 56. Schon früher konnte ich für den inzwischen größten Geschichtsverein in Rheinland-Pfalz etwas beitragen.

Durch die Verbindung von Personen, Ereignissen, Daten, Häusern und den Lebensumstän­den der Vergangenheit mit ihren sozialen Konflikten und Kämpfen - oft auch unter Einbe­ziehung von Herkunftssagen - entsteht ein umfassendes Bild. Daher sind private genealogische Fundstücke von ganz besonderer Bedeutung. Genealogen und Ahnenforscher befassen sich mit der Heimatge­schichte und den Personen bestimmter Gebiete. Meist steht aber am Anfang das Interesse an der Geschichte der eigenen Familienangehörigen und dem diesbezüglich historischen „Erbe". Bei ihrer Tätigkeit erfassen sie dann oft ein lebendiges Geschichtsbild, das im Laufe der Zeit zur regionalhistorischen Forschung und Sammlung anregt.

So ging es auch mir, als ich mich in den 1960er Jahren mit meinem Familiennamen Arntz (Aretz, Arretz, Arends) befasste und das Archiv des katholischen Pfarramtes in Würselen auf­suchte. Damals fand ich heraus, dass die Ehefrau eines meiner direkten Vorfahren (ca. 1700) nicht nur denselben Mädchennamen wie meine damalige Verlobte hatte, sondern ihm auch zehn Kinder geschenkt hatte. (Das hielt uns jedoch nicht von der Eheschließung 1969 ab.)

 

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Bei der derzeitigen Durchsicht meines Archivs fand ich unzählige Totenzettel aus früherer Zeit, vereinzelt interessante Zeitungsartikel und vergilbte Fotoalben. „Totenzettel" sind einfa­che oder gefaltete Zettel mit den wichtigsten Lebensdaten eines Verstorbenen, die meist im Rahmen der Totenmesse an die Trauergäste verteilt werden. Der Brauch war früher im gesam­ten katholischen Europa verbreitet und wird noch regional, so auch in der Eifel, weiterhin praktiziert.

18.02.2017

Flüchtlingsboot in Euskirchen weist auf Schicksal von Vertriebenen hin

Das Schicksal unzähliger Flüchtlinge habe ich in meinem umfangreichen Buch „Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet“ (1990) dokumentiert. Sie wurden wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt und wollten den rassistischen Nazis entkommen. Sie versuchten dies meist durch die Wälder unserer Grenzregion – über die „Grüne Grenze“. Die gequälten Gesichter der jüdischen Kinder glichen damals sicher denen der Kinder, die sich im untergehenden Deutschen Reich vor den Bombenabwürfen fürchten mussten. Daran erinnert ein diesbezügliches Plakat in der Ausstellung der Euskirchener Herz-Jesu-Kirche.

Ein nur sieben Meter langes und 800 Kilogramm schweres Flüchtlingsboot wurde im vergangenen Frühjahr vom Erzbistum Köln in Kooperation mit der Hilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station) von Malta nach Köln gebracht, um an die zahllosen Flüchtlinge zu erinnern, die zurzeit unter Lebensgefahr ihren Weg über das Mittelmeer suchen. Der Transport des Bootes zur Euskirchener Herz-Jesu-Kirche wird von der Stadtpfarrei St. Martin in vielen Fotos gezeigt.

Es diente Kardinal Woelki bei der Heiligen Messe zu Fronleichnam auf dem Roncalliplatz als Altar und ist seither Symbol und Mahnmal der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln. Unter der Überschrift „Alle in einem Boot“ ist das Flüchtlingsboot nun auf seiner Reise durch die Diözese in der Euskirchener Herz-Jesu-Kirche gelandet. In dem winzigen Boot saßen vor 2 Jahren etwa 80 Flüchtlinge, die von der maltesischen Armee aus den Händen gewissenloser Schleuser gerettet wurden.

 


Das Erzbistum Köln möchte mit dieser Aktion auf das Schicksal unzähliger Flüchtlinge hinweisen und teilt hierzu mit:

In der Woche bis zum 19. Februar sind weitere Aktionen im Rahmen der Themen „Flucht und Fluchtursachen“ rund um das Flüchtlingsboot in der Kirche Herz Jesu geplant. So findet beispielsweise am Montag ein Filmabend unter dem Titel „Im Schatten Europas – Eine Suche an den Grenzen“ von Elias Bierdel statt mit anschließender Möglichkeit zum Austausch. Donnerstags eröffnet um 20 Uhr die Fotoausstellung „Flucht hat Gesichter“ von Markus Henger.

15.02.2017

(...) Laut Versailler Vertrag fielen die deutschen Gebiete Eupen, St. Vith und Malmedy und ein Teil des Kreises Monschau an Belgien, das intensiv die Wallonisierung des zugesprochenen Gebietes betrieb und das „Deutschtum“ unterdrückte. Daher gab es in dem vom Deutschen Reich losgelösten Gebieten eine revisionistische Bewegung, die die Wiedereingliederung des Gebietes an Deutschland zum Ziel hatte (...).

Die „Vereinigten Landsmannschaften Eupen-Malmed-Monschau“ und ihr Presseorgan „Echo“ gerieten bald in nationalsozialistisches Fahrwasser. Die Schriftleitung lag in den Händen eines Dr. Werner Wirths in Berlin-Grunewald, Hohenzollerndamm Nr. 137. Es war sicher auch in seinem Sinne, den harmlosen Karneval in den Vordergrund der kulturellen Berichterstattung zu stellen.

In der mir vorliegenden Ausgabe Nr. 3 von „Echo – aus Eupen-Malmedy-Monschau“, im 7. Jahrgang herausgegeben von den „Vereinigten Landsmannschaften Eupen-Melmady-Monschau“,wurde kurz nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ über den Karneval im „von Belgien besetzten Land“ berichtet. Genauer gesagt geht es um die Wiedergabe des Artikels „Staatsstreich in Eupen-Malmedy, St. Vith“, der kurz vorher in der deutschsprachigen, belgischen Zeitung „Malmedyer Landbote“ erschienen war. Angeblich handelt es sich um eine „launige Fastnachtsbetrachtung“ der „Heimatpresse“(...).

 

 

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

09.02.2017

Februar 1886: Schon im vorletzten Jahrhundert spielten Kinder mit Schusswaffen

Immer häufiger hört und liest man, dass Kinder bewusst oder fahrlässig mit Schusswaffen umgehen. Wenn man sich aber die Regionalpresse des letzten und vorletzten Jahrhunderts ansieht, sieht man, dass es so etwas auch schon früher gegeben hat. Was konnte man im Februar vor 131 Jahren in einigen inzwischen vergilbten Blättchen finden?

Im „Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden und Umgebung“ liest man in der Ausgabe vom 20. Februar 1886, dass ein 14jähriger Untertertianer des Aachener Gymnasiums seinen Klassenkameraden mit einem Revolver bedroht hat, um abschreiben zu dürfen.

 

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Am 3. Februar 1886 ist von einem 12jährigen Jungen aus Schwerfen bei Zülpich die Rede, der aus Versehen sein 2jähriges Brüderchen mit einer Flinte erschoss.

02.02.2017

Jüdische Identitäten im Sport

Unter dem Motto „Never Walk Alone“ befasst sich der neue Newsletter No. 4/2017 der Deutsche Eliteakademie AG (DEA) mit dem Thema „Jüdische Identitäten im Sport“.Hiermit wird auf die gleichnamige Ausstellung desJüdischen Museums in München hingewiesen (22. Februar 2017 bis 7. Januar 2018). Gleichzeitig möchte ich den Anlass nutzen, um an meinen Online-Artikel über Jüdische Sportler in Euskirchen und meinen Aufruf zu erinnern: Wer kann Auskunft über jüdische Sportler in Euskirchen geben – besonders in einer „Sportgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ (RjF) während der Zeit 1933-1936?

Die gestellte Frage ist zwar nur von regionalhistorischem Interesse, aber der Hinweis auf die erwähnte Ausstellung geht darüber hinaus und dient der fachspezifischen Information: Sie zeigt den besonderen Blickwinkel auf das Spielfeld und die Vielfalt der Optionen, „sportlich und jüdisch" zu sein:

„You?ll Never Walk Alone" - dass gerade dieses Lied, einst komponiert von Richard Rogers und Oscar Hammerstein für das Musical „Carouse", zu einer Hymne des Sports geworden ist, überrascht nur wenige. Die Frage nach Zugehörigkeit stellt sich in der Sportarena ebenso wie in der sie umgebenden Gesellschaft. Die Ausstellung „Never Walk Alone - Jüdische Identitäten im Sport" nähert sich dieser komplexen Idee der Zugehörigkeit an, indem sie Sportlerinnen und Sportler jüdischer Herkunft auf der Spielfläche fokussiert. Das Foto aus dem Jahre 1932 zeigt Läufer des Münchener Vereins „Bar Kochba“ (Yad Vashem FA 195/C92).

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Sportbegeisterung in der deutschen Gesellschaft unaufhaltsam zu. Diese Entwicklung bot auch Deutschen jüdischer Herkunft viele Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Integration und zum sozialen Aufstieg. Im Fechten, Turnen, Schwimmen und im Tennis taten sich Athletinnen und Athleten jüdischer Herkunft hervor. Sportliche Leistungen und Erfolge waren nicht nur ein wesentliches Mittel zur Entwicklung und Festigung moderner jüdisch-deutscher Identität, sondern entzogen antisemitischen Stereotypen von der körperlichen Unterlegenheit den Boden.

Dass bestimmte Zuschreibungen von existenzieller Bedeutung sein konnten, zeigt beispielhaft die Geschichte der Fechterin Helene Mayer. Sie durfte als Jüdin 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin teilnehmen und gewann die Silbermedaille für Deutschland. Sie war jedoch weder nach Halacha (Religionsgesetz) noch ihrer Selbstwahrnehmung nach Jüdin. Zur Jüdin wurde sie einzig durch die antisemitische Konstruktion der Nürnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten. Diese diffamierten Deutsche mit einem jüdischen Elternteil und ebneten den Weg zu deren Verfolgung. Dies dokumentiert die Münchener Ausstellung. Dieselbe Thematik stellen auch der Artikel dar: Zwischen Erfolg und Verfolgung: Jüdische Sportlerinnen und Sportler in Deutschlandoder der Beitrag zu Zeit-Online vom 1. August 2016: „Wenn die Olympiade vorbei, schlagen wir die Juden zu Brei!"

29.01.2017

„Holocaust-Gedenktag“ am 27. Januar

Auf Anregung des Staates Israel riefen die Vereinten Nationen im Jahre 2005 den 27. Januar offiziell zum „Holocaust-Gedenktag“ aus. Hiermit will man jedoch nicht nur weltweit an die Befreiung des NS-Lagers Auschwitz erinnern, sondern auch das Gedenken der Shoah für künftige Generationen aufrecht erhalten. Bereits im Jahre 1996 hatte der damalige Bundespräsident Dr. Roman Herzog dasselbe Datum zum „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt und damit einen noch größeren Kreis der Opfer einbezogen. Fotos, die das Elend in Bergen-Belsen belegen, kann man einfach nicht vergessen!

 

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Ein besonderer Augenzeuge der Judenverfolgung und des berüchtigten „Hungerlagers“ Bergen-Belsen war der aus Flamersheim stammende Joseph Weiss, der als Protagonist meines umfangreichen Buches „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen“ einen neuen Teilaspekt des Holocaust dokumentiert.

testViele Fotos über Phasen meiner langjährigen Arbeit zum Holocaust wurden inzwischen im Internet gesammelt. Auf meiner regionalhistorischen Homepage befinden sich weiterhin viele diesbezügliche Beiträge sowie eine Radiosendung und ein YouTube-Film. Vgl.: Zum neuen Buch: Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen (2012).

Der „Internationale Holocausttag“ erinnert konkret an den 27. Januar 1945, an dem die Rote Armee Auschwitz, das größte deutsche Vernichtungslager, befreite. Hier wurden mehr als eine Million Menschen vom rassistischen Nationalsozialismus unter unvorstellbar grausamen Bedingungen gefangen gehalten und gefoltert bzw. durch Zwangsarbeit, Erfrieren, Nahrungsverweigerung, Erschöpfung, medizinische Experimente, unbehandelte Krankheiten, Exekutionen und schließlich durch Vergasen getötet. Meistens jedoch wurden die Juden sofort nach ihrer Ankunft getötet.

Meine weiteren Beiträge zum Holocaust sind unter „Zeugen des Holocaust in Riga, Bergen-Belsen, Auschwitz, Buchenwald und Theresienstadt“.

24.01.2017

Waren vom Nationalsozialismus verfolgte Juden nicht auch Flüchtlinge und Heimatvertriebene?

Derzeit sollte uns die gegenwärtige Flüchtlingskrise wieder an das Schicksal von Menschen heranführen, die sich als Flüchtlinge, Verfolgte, Zuwanderer, Migranten oder Asylsuchende mit der „jüngsten deutschen Geschichte“ in Zusammenhang bringen lassen. Diese Probleme ähneln sich und sollten uns daher an unsere eigene Geschichte erinnern. Besonders diejenigen, die während des Dritten Reiches Wege suchten, um dem NS-Terror zu entrinnen und ihr Leben zu retten, haben oft dasselbe erlebt wie die zurzeit nach Europa strömenden Flüchtlinge. Bereits in diesem Zusammenhang wiederholt sich vieles und sollte im Grunde genommen zum Verständnis der gegenwärtigen Situation, die von vielen als „Flüchtlingskrise“ bezeichnet wird, beitragen.

Bereits Anfang der 1980er Jahre stellte ich in vielen Vorträgen die schlichte Frage, ob nicht Juden nach ihrer Verfolgung durch den nationalsozialistischen Rassismus und den Holocaust auch offiziell als „Flüchtlinge“ oder zumindest als „Heimatvertriebene“ anerkannt werden müssten. Auch die „Israel-Nachrichten“ v. August 1985 nahmen sich dieses Themas an:

 

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Auf meine damals vielfach gestellte Frage, die besonders in Israel und den Vereinigten Staaten aufgegriffen wurde, erhielt ich nie eine Antwort. Durch Zufall fand ich heute einen Online-Artikel von Herbert H.W. Metzger aus dem Jahre 2002, der sich mit diesem Sachverhalt befasst: Deutschland und die Gedenkkultur: Juden, Heimatvertriebene u.a. als NS-Opfer. Wer sich für diese Thematik interessiert, findet aktuelle Definitionen im Internet.

Laut Wikipedia bezeichnet man eine Person als „Flüchtling“, die ihre Heimat hat verlassen müssen und in absehbarer Zeit nicht dorthin zurückkehren kann. In der Regel flüchten diese Personen in ein Flüchtlingslager oder in ein Nachbarlandes, um dort Asyl, Schutz und Unterstützung zu suchen. Auch die Situation der „Heimatvertriebenen“ ist inzwischen geklärt.

19.01.2017

test„Kaisers Geburtstag“ war im deutschen Kaiserreich der feierlich begangene Geburtstag des Königs von Preußen, der den Namen „Deutscher Kaiser“ führte. Unter Wilhelm I. wurde er zuletzt am 22. März 1887 gefeiert, dann unter Wilhelm II. wieder zwischen 1889 und 1918 am 27. Januar.

Laut Wikipedia wurde dort, wo der Kaiser und König Dienstherr war, mit Militärparaden, Illuminationen, Festansprachen, Festtagsessen usw., aber auch privat und deutschlandweit mit unterschiedlicher Intensität gefeiert.

In der Schule wurden für diesen Anlass Lieder und Gedichte auswendig gelernt wie „Kaisers Geburtstag“ oder „Hurra! Heut ist ein froher Tag, des Kaisers Wiegenfest! „ oder „Der Kaiser ist ein lieber Mann“. Texte und Bilder sind im Internet abrufbar.

Auch die Kreisstadt Euskirchen, deren Einwohnerzahl am Ende des 19. Jahrhunderts knapp unter 10.000 lag, feierte natürlich am 27. Januar diesen Anlass. Dies möchte ich anhand eines exemplarisch herausgesuchten Artikels in der „Euskirchener Zeitung“ vom 29. Januar 1896 belegen.

 

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Der vollständige Artikel vom 29. Januar 1896 kann mit folgendem Link abgerufen werden:

15.01.2017

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In meinen NEWS vom 14. November 2016 berichtete ich über die offizielle Vorstellung des Jahrbuches 2017 für den Kreis Euskirchen. Alexander Lenders, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) und Leiter des Monschauer Weiss-Verlags, freute sich über die neue Publikation seines Hauses, in dem auch das bekannte Anzeigenblatt „Der Wochenspiegel“ herausgegeben wird. Er betonte, dass das 240 Seiten starke Werk wieder eine „wichtige, interessante und auch spannende Informationsquelle für die Menschen im Kreis Euskirchen sei. Auch Landrat Günter Rosenke mutmaßte, dass das neue Jahrbuch wieder ein Bestseller wird.

Etwa 30 Autoren verfassten Beiträge für die traditionellen Kapitel: Historisches, Natur, Umwelt, aktuelles Zeitgeschehen, Kunst und Kultur, Menschen, Erzählungen und Wissenswertes. Ich selber hatte mich mit der Kriminalität in der Nachkriegszeit befasst, die anhand der „Amtlichen Mitteilungen“ des Kreises Euskirchen (1945 – 1947) belegt werden konnten. Der Artikel (S. 66 – 77) ist nun auch ab heute auf meiner regionalhistorischen Homepage zu lesen. Hier findet man auch meine früheren Beiträge zu historischen Jahrbüchern.

 

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Quelle: Hans-Dieter Arntz: Aus den „amtlichen Mitteilungen“ des Kreises Euskirchen (1945 – 1947) - Kriminalität in der Nachkriegszeit, in: Jahrbuch des Kreises Euskirchen 2017,S. 66 – 77, Weiss-Verlag, Monschau November 2016, ISSN 1863-592X

Der vollständige Artikel kann mit folgendem Link abgerufen werden:

11.01.2017

Peter Mohrs Versuche, einen wichtigen Teil der Rheinbacher Geschichte aufzuarbeiten

Unter der Überschrift „Nun doch endlich Stolpersteine für Rheinbach“ berichtete ich in meinen NEWS vom 29. November 2016 über die 8 Jahre lange Auseinandersetzung in Rheinbach. Die bisher heftig geführte Diskussion, der 36 ermordeten jüdischen Bürger an deren authentischem Wohnplatz in dieser Form zu gedenken, wurde bereits auf meiner regionalhistorischen Homepage unter der Überschrift „Streit um „Stolpersteine“ in Rheinbach“ am 23. März 2013 und auch in meinen NEWS vom 28. August 2016 thematisiert. Jetzt endlich, nach langem politischen Streit, konnte Gunter Demnig die ersten 14 Messingtafeln zum Gedenken an ermordete jüdische Nachbarn in Rheinbach verlegen. Endlich!

 

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Dass es überhaupt soweit kam, ist auch Peter Mohrs Versuchen zu verdanken, diesen wichtigen Teil der Rheinbacher Geschichte aufzuarbeiten.

testAlles begann vor etwa 15 Jahren, als der damals eigentlich noch nicht an regionalpolitischen Ereignissen interessierte Rheinbacher Bürger (*1935 in Kiel) eigenständig mit der Gesamtaufstellung der „Lebensdaten aller in Rheinbach ab 1848 geborener bzw. wohnhafter Juden“ begann. So waren es dann über 330 Namen der seit 1848 in Rheinbach geborenen oder wohnhaft gewesenen Juden. Mit anderen engagierte er sich für eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die ermordeten Rheinbacher, trug zur Vervollständigung des Buches „Sie waren Nachbarn - Zur Geschichte der Juden in Rheinbach im 3. Reich“ von Horst Mies bei und befasste sich mit dem Schicksal ukrainischer Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und politischer Häftlinge.

Neben anderen Recherchen zum Thema „Verbrechen während der NS-Zeit“ – deren Anprangerung wie überall nach dem 2. Weltkrieg bewusst negiert wurde -, versuchte Peter Mohr an die im Holocaust umgekommenen Juden aus Rheinbach zu erinnern, so dass im Jahre 2013 der Rheinbacher Stadtrat einstimmig für seinen Bürgerantrag zur „Erinnerungskultur in Rheinbach“ votierte und das schon vielfach gezeigte Engagement, eine heimat- und geschichtsbezogenen Bürgerschaft zu unterstützen, zusagte.

Dem Engagement von Peter Mohr ist es daher auch zu verdanken, dass es endlich am 12.September 2016 - nach 8 (!) Jahren – zur mehrheitlichen Genehmigung durch den Stadtrat kam, „Stolpersteine“ in Rheinbach zu verlegen. Alle 36 wurden inzwischen an Paten „verkauft“. Die ersten14 fanden nun am 21. Dezember 2016 ihren Platz in Rheinbachs Erde zum „stolpernden“ Gedenken an die ermordeten jüdischen Bürger, die ihre Heimat in den Tod verlassen mussten.

07.01.2017

Wieder „Stolpersteine“ in der Kreisstadt Euskirchen

Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist in der Kreisstadt Euskirchen kein Unbekannter. Bereits mehrmals verlegte er Stolpersteine in Euskirchen, Flamersheim, Kirchheim und Kuchenheim, um die im „Dritten Reich" ermordeten Menschen ganz individuell aus der Anonymität der zahlreichen Denkmäler und Gedenktafeln hervorzuheben. Jetzt setzte er zum ersten Mal 21 „Stolpersteine“ in die Bürgersteige des Stadtteils Großbüllesheim, um der einst hier beheimateten jüdischen Bevölkerung zu gedenken. Ihr Schicksal wird in dem 1983 erschienen Buch JUDAICA – Juden in der Voreifel ausführlich dargestellt.

Der Euskirchener Wochenspiel berichtete am 28. Dezember 2016 über die „Erinnerung an die Nazi-Opfer“. Jetzt fehlen nur noch ca. 100 weitere Steine, um allen jüdischen „Mitbürgern“ von Euskirchen zu gedenken.

 

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03.01.2017

Das jüdische Köln – Sichtbares und Verborgenes

Sichtbares und Verborgenes des Judentums in der Stadt Köln zeigt am 29. Januar 2017 Aaron Knappstein im Rahmen einer Exkursion. Er ist Mitglied der kleinen Jüdischen Liberalen Gemeinde in Köln, arbeitet auch für das Kölner NS-Dokumentationszentrum und macht Stadtführungen, in denen er die Vielfalt des Kölner Judentums in Vergangenheit und Gegenwart vermittelt.

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln ist ein typisches Beispiel für die Geschichte der Erinnerungskultur und der Gedenkpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Als größte lokale Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust bietet die inzwischen berühmt gewordene Institution am Appellhofplatz 23-25 Dauer- und Sonderausstellungen an und gilt auch als Info- und Bildungsstätte gegen Rechtsradikalismus. Darüber hinaus entwickelt das „NS-Dok-Zentrum“ Angebote für eine diesbezügliche Museumspädagogik und hat wegen seiner spezialisierten Bibliothek, den vielen Publikationen, Projekten und Schwerpunkten der Holocaust-Forschung einen guten Ruf.

Sehr beliebt sind auch die Führungen, die im Rahmen einer systematischen Erinnerungsarbeit die Bevölkerung mit dem Judentum und der NS-Zeit konfrontieren.

 

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Am 29. Januar 2017 führt Aaron Knappstein zur ehemaligen Hauptsynagoge in der Glockengasse (Rheinisches Bildarchiv). Sein Schwerpunkt ist die Recherche von sogenannten „Stillen Helden" - nichtjüdische Kölnerinnen und Kölner, die Juden während der NS-Zeit unterstützt und gerettet haben. Anmeldungen bis zum 24. Januar 2017 unter folgendem Link: http://www.museenkoeln.de/portal/kurs_buchen.aspx?termin=20862&inst=14

Meine regionalhistorische Homepage empfiehlt auch diesmal wieder eine Veranstaltung des Kölner NS-Dokumentationszentrums.

01.01.2017

Zum Jahresbeginn 2017

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Liebe Freunde und Leser meiner regionalhistorischen Homepage,

zum Jahresbeginn möchte ich mich bei den immer zahlreicher werdenden Lesern meiner regionalhistorischen Homepage bedanken und ihnen ein glückliches Neues Jahr wünschen.

Man muss zwar nicht jedes Jubiläum feiern, aber viele haben sich vielleicht doch mit mir gefreut, dass hier seit genau 10 Jahren etwa 1.500 NEWS und ARTIKEL publiziert wurden. Ein Leser machte mich damals darauf aufmerksam, dass ein Teil meiner über 2.000 Fotos im Internet gesammelt wurde und dort abrufbar ist.

Wie Sie wissen, liegt meinem „Versöhnungskonzept durch persönliche Kontakte“ nicht nur das Regionalhistorische, sondern seit Jahrzehnten ganz besonders die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte im Bereich Bonn-Köln-Aachen am Herzen. Dass sich daraus eine sehr stark frequentierte „Anlaufstelle“ für christlich-jüdische und deutsch-jüdische Kontakte entwickelt hat, war anfangs nicht abzusehen. Insofern freue ich mich immer wieder über das Lob, meine regionalhistorische Homepage wäre für viele im Ausland lebende Rheinländer, aber ganz besonders für die aus der Eifel und Voreifel stammende jüdische und auch nicht-jüdische Familien eine „Verbindung zur alten Heimat.“

 

Inhalt meiner regionalhistorischen Homepage:

Bücher und Publikationen in historischen Jahrbüchern (1972-2016)

Neuerscheinungen: Neue Publikationen und Vorstellung dieser Bücher

Gesamtaufstellung der Publikationen in regionalen Jahrbüchern oder historischen Websites (ab 1972)

Gesamtaufstellung der Zeitungsartikel zu regionalhistorischen Themen (ab 1978)

 

NEWS: Nachrichten, kleinere Artikel und Berichte ( 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 20102009, 2008, 2007, 2006)

ARTIKEL: Detaillierte Abhandlungen zu den o. a. Gesamtthemen

Ich wünsche allen ein frohes Neues Jahr 2017 sowie a wonderful Holiday Season and a Happy and Peaceful New Year

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