Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen
Teil 2 (1940-1978)

Unser Weg von 1868  bis 1978, hrsg. 1978
Eine Chronik geschrieben von Hans-Dieter Arntz
25.04.2007
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Teil 2 (1940-1978)

5. Kapitel: Oberschule für Mädchen (1940 – 1945)

Ostern 1940 - welch eine Umstellung für die Schülerinnen! Als äußerer Rahmen war zwar das alte Schulhaus geblieben, aber von seinen Wän­den verschwunden waren die vertrauten Bilder. Nur im Physiksaal hatte das Kreuz auf der geschwärzten Wand sein helles Abbild hinterlassen.

 

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Kommerner Straße: Gebäude der Paritätischen (evangelischen) Mädchenschule Euskirchen
                                                                  

Ein Trost waren die bekannten Gesichter der weltlichen Lehrkräfte, die von der Stadt Euskir­chen mit übernommen waren.

Mit der Dominikanerinnenschule verschmolzen wurde die private fünfklassige „Paritätische Mädchenschu­le“, die 1910 Superintendent Fischer gegründet hatte. Ihre Leiterin, Fräulein Kaibel, trat mit vielen Schü­lerinnen in die neue Oberschule für Mädchen ein. Kommissarischer Schulleiter wurde Dr. Joseph Steinmetz, der seit dem13.5.1935 am Emil-Fischer-Gymnasium unterrichtete.

Als Studienrat wurde er am 1.4.1940 mit der Leitung der neuen Schule betraut, obwohl er sich nicht um diese Stelle beworben hatte. Nach dem Willen des Schulkollegiums und des Vertreters der Stadt Euskirchen, Bürgermeister Disse, sollte er nach halbjähriger kommissarischer Tätigkeit zum Oberstudiendirektor ernannt werden. Ein solcher Karrieresprung war in der Regel unmöglich und setzte eine nationalsozialistische Haltung voraus. Seine offi­zielle Ernennung scheiterte jedoch an der Ableh­nung der damaligen Parteileitung, die Dr. Stein­metz  bald für „politisch unzuverlässig" erklärte. So war Dr. Steinmetz gezwungen, 4 Jahre lang als Studienrat die Stelle eines Oberstudiendirektors ,,i. V." zu bekleiden. Umgekehrt verdankt er dies der Tatsache, dass er nach dem 2.Weltkrieg nicht wie andere ehemaligen Oberstudiendirektoren sofort in den Ruhestand versetzt wurde und seinen Dienst – allerdings nur als Studienrat und erst kurz vor der Pensionierung als Oberstudienrat -  ausüben konnte.

Viele Ehemalige bestätigen heute, dass er die christliche Tradition der Schule weiterführte und die Politik - soweit das damals möglich war - von der Schule fernhielt. Sein Protest gegen ein von Nazis geleitetes Internat und die Unterstützung der Rheinbacher Ordensschwestern ließ den poli­tischen Druck gegen ihn immer stärker werden. Es ist anzunehmen, dass nicht nur seine plötzliche Erkrankung, sondern auch die allgemeine  Schließung aller Schulen im Herbst 1944

 

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Dr. J. Steinmetz

                                                                                                

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Vom Oberlyzeum „Sancta Maria“ der Dominikanerinnen gingen folgende Lehrkräfte zur neuen „Städtischen Mädchen-Oberschule“ im Schuljahr 1940/41 über (v. l. n. r.):
Welter, Klein, Plassmann, Bergmann, Dr. Freistedt, Schroers, Geller, Dr. Schmitz, Eltermann

 

ihn vor der avisierten Absetzung durch die damali­gen Machthaber bewahrte. Sein regelmäßiger Kirchgang und seine unangepasste Haltung waren den Nationalsozialisten nicht genehm. Weitere Umstände verhinderten auch nach dem 2. Weltkrieg den verdienten Aufstieg in Führungs­positionen. 

Aus der Schulchronik 1940/41

Der Unterricht wird am 4. 4. 1940 aufgenommen. Der stellvertretende Anstaltsleiter weist in einer Ansprache auf die Aufgaben und Ziele der neuen Schule hin (…).

Vom 10. 5. bis 17. 6. 1940 kommt mit Rücksicht auf die Luftschutzverhältnisse jeweilig die Hälfte der Schülerinnen täglich zum Unterricht (…). Aus Anlass der siegreichen Beendigung der Flandern­schlacht und des ersten Kampfabschnittes im Westen findet am 7. 6. 1940 eine Schulfeier statt.

. . . Der häufigere nächtliche Fliegeralarm erfor­dert, dass der Unterricht, der ab Schuljahrbeginn in 6 Unterrichtsstunden von 8 bis 13 Uhr durchge­führt worden ist, ab 17. 6. 1940 nach der 5. Unter­richtsstunde schließt. Während der Zeit des Kriegseinsatzes der Schülerinnen, der nachmit­tags durchgeführt wird, schließt der Unterricht nach der 5. Kurzstunde um 11.25 Uhr (…).Am 25. Juni 1940 findet aus Anlass des Waffenstill­standes mit Frankreich eine Schulfeier statt (…)

Aufgrund der Fliegergefahr beginnen die Som­merferien am 6. 7. 1940. Gemäß Erlass des Herrn Oberpräsidenten stellen sich alle Lehrpersonen, soweit sie nicht aufgrund eines ärztlichen Atte­stes aus gesundheitlichen Gründen verhindert sind, einen Teil der Ferien zur Erntearbeit zur Verfügung (…). Die schriftliche Reifeprüfung findet am 4. und 5.2.1941 statt (…). Die mündliche Reifeprüfung findet am 11. und 12.3. 1941 unter Vorsitz von Herrn Oberschulrat Herfs statt(…). Lehrkräfte im Winterhalbjahr 1940/41: 19 Damen und Herren.

Themen für deutsche Aufsätze: Kriegshilfsdienst im Sommer 1940 (Kl. 6)(…): „Leutnantsdienst tun heißt: Seinen Leutenvorleben, das Vorsterben ist dann wohl einmal ein Teil davon" (Kl. 6) (…). Der Mensch, ein Glied der Ahnenkette (Kl. 7) (…), Führertum und Kameradschaft als Grundlagen der militärischen Kraft unseres Volkes (Kl. 8) (…). Auf­gabe der deutschen Frau im Kriege (Kl. 7 S). Klasse 8: Worin sehe ich die Voraussetzungen zu den beispiellosen Erfolgen in dem uns aufgezwungen Krieg der Westmächte? (…). Nichtswür­dig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre!

 

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Das zerstörte Euskirchen: Hochstraße (Im Hintergrund das Rathaus)

 

«Abiturthemen: (…) Welchen Gewinn habe ich aus den Kriegsbriefen gefallener Studenten bezo­gen? (…) Wie kann die deutsche Frau mitwirken an den Aufgaben unserer deutschen Volksge­meinschaft? (…) Der Sieg des Volksgedankens über den Staatsgedanken. Ein Vergleich zwi­schen dem Werk Adolf Hitlers und dem Bismarcks  (…)."

Nach dem Verkauf des gesamten Schulgeländes der Dominikanerinnen an die NSV wurde das In­ternat an der Kölner Straße zu einem Amputiertenlazarett. Ursulinen aus Hersel und das Deut­sche Rote Kreuz übernahmen die Pflege.

 Der seit 1940 an der Oberschule für Mädchen wir­kende Hausmeister Eduard Menzel wurde „Ein­satzführer von Stadt und Bahnhof". Ihm hat die Marienschule viel zu verdanken. Bei einem Luft­angriff mit Brandbomben löschte er das Dachgeschoss „seiner Schule", während seine eigene Wohnung abbrannte. So konnte man den West­flügel und alle Lehrmittel über den Krieg retten. Eine Bombe, die durch mehrere Stockwerke ge­schlagen war, entschärfte er im Erdgeschoss, ehe sie als Spätzünder das ganze Gebäude in Trüm­mer legte.

Auch um die Rettung wertvoller Samm­lungen ranken sich inzwischen abenteuerliche Geschichten. Bei Kriegsende stahlen junge Rus­sinnen, die als Gefangene zu einem Arbeitskom­mando zusammengefasst worden waren, was nicht niet- und nagelfest war. Hausmeister Men­zel legte das  Skelett ( " Emil" )aus dem Biologieraum vor die Kellerräume und zog ihm ein Kopftuch über, wie es die Rus­sinnen zu tragen pflegten. Seit der ersten nächtli­chen Begegnung sah man keinen Russen mehr im Keller der zerstörten Städtischen Oberschule!

Da die Großstädte noch mehr als Euskirchen bombardiert wurden, schickten viele Eltern ihre Töchter  in die Kreisstadt Euskirchen. So stieg die Zahl der Schülerinnen von 445 (1942) in einem Jahr auf 667. Folgendes Schreiben beweist die Vermutung für die häufige Umschulung:

 

An den Direktor der Städt. Oberschule für Mädchen
Düsseldorf, 26.9.1942
Herrn Dr. Steinmetz , Euskirchen, Ursulinenstraße 24

 

,, (…) Nach dem Bombenangriff auf Düsseldorf in der Nacht vom 2. August hielt ich es für ratsam, meine Kinder aus Gründen der Sicherheit so rasch wie möglich in weniger gefährdeten Gebieten unterzubringen (…). Unter dem Eindruck des erneuten Terrorangriffes vom 11. d. Mts. und un­ter Beifügung eines Anrufs an den Gauleiter richte ich (…)die Frage an Sie, ob Sie meine Tochter (…) als Gastschülerin aufnehmen wollen. Ich bemerke noch, dass die bisher von meiner Tochter besuchte (…)-Schule erheblich beschädigt ist, so dass in ihr vorläufig kein Unterricht abgehalten werden kann.
Mit der Bitte um Rückgabe des Anrufes erwarte ich Ihre Antwort!
Heil Hitler!“

Doch auch Euskirchen wurde immer häufiger von Bomben zerstört. Der Unterricht konnte kaum noch erteilt werden. Im Keller wurden die Fenster zugemauert, um die Schülerinnen vor Glassplit­tern zu schützen.

Verspätungen der Mädchen aus Bad Münstereifel und Umgebung mussten oft wegen Bombardie­rungen der Züge in Kauf genommen werden. Auch diesbezügliche Schreiben befinden sich noch in den teilweise vergilbten Schulakten:

 

Erklärung

14.12.1943

Ich erkläre mich hierdurch einverstanden, dass meine Tochter Ursula bei Vollalarm nach Unter-richtsschluss zur Bahn geschickt wird. Für even­tuelle Schäden, die hierdurch entstehen können, mache ich die Schule nicht verantwortlich. (…)

Nur sehr wenige Lehrkräfte der Mädchen-Oberschule von Euskirchen waren von der nationalsozialistischen Ideologie begeistert. Daher kam es zu Entlassungen und Versetzungen. Zwei Lehrerinnen wurden zum Beispiel für ein Jahr nach Luxemburg „aus­getauscht". Es kam aber auch umgekehrt vor, dass eine gewisse Lehrerin regelmäßig zu rassenpolitischen Lehrgängen zur NS-Ordensburg Vogelsang freigestellt wurde…

 

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Der Einfluss auf die Schülerinnen durch die Partei konnte jedoch auch durch kritische Kollegen nicht verhindert werden. Für die heutige Zeit un­gemein interessante Schreiben trafen im Sekreta­riat ein.


Nationalpolitische Erziehungsanstalt
Kolmar-Berg in Luxemburg
16.2. 1943


Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Kol­mar-Berg (Luxemburg) hat als feste Zelle des Na­tionalsozialismus im äußersten Westen des Reiches daran mitzuhelfen, dass ein festes Bollwerk für das Deutschtum besteht. Ich bitte Sie, dass Sie mir aus Ihrer 3. Klasse zwei oder drei Mädel nen­nen, die bereit sind, sich für diese Aufgabe frisch und fröhlich einzusetzen. Ein Merkblatt der An­stalt lege ich bei.


Heil Hitler
(K. Leiterin)

Weiteres aus dem erwähnten Merkblatt:
 ,,(…) Als Stätte der nationalsozialistischen Gemeinschaftserziehung hat die Nationalpolitische Erziehungsanstalt für Mädel die Aufgabe, durch eine vielseitige Erzie­hung dem deutschen Volke Frauen heranzubil­den, die in hohem Maße die Haltung verkörpern, die von der kommenden Generation deutscher Frauen gefordert wird (…) Um diese Erziehungs­aufgabe erfüllen zu können, nimmt die Anstalt nur gesunde,  rassisch und charakterlich einwandfreie und geistig überdurchschnittliche Mädel auf (…).Dirndlkleider bzw. Stoffe für Dirndlkleider sind durch die Eltern zu beschaffen (…)".

 

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Obwohl der Staat immer bemüht war, besonders den Nachwuchs politisch voll zu erfassen, gelang ihm das bei den Euskirchener Schülerinnen nur teilweise. Am 1.6.1943 waren zwar 98% der „ari­schen" Mädchen in nationalsozialistischen Ver­bänden, aber etwa 70% von ihnen gehörten zu­sätzlich kirchlichen Gruppen und privaten Gemeinschaften an.

Aus diesem Blickwinkel muss die folgende „Verpflichtung der Jugend" vom 22. 3. 44 interpretiert werden:

,,Am Sonntag, dem 26. 3. 1944, findet die Verpflichtung der 14jährigen zum BDM statt (…). Die Verpflichtung findet im Concordiasaal um 10.30 Uhr vormittags statt (…). Am Samstag, dem 25. März, nachmittags um 15.00 Uhr ist für diese Mä­del ein außerordentlicher Pflichtdienst im HJ-Heim, Gerberstraße 36 (…)

Heil Hitler“

Dann folgt eine klassenweise geordnete Aufstel­lung der Mädchen.

Die Situation in Euskirchen wurde immer brenzli­ger. Dennoch ist erstaunlich, mit welcher Gewis­senhaftigkeit man - allerdings unter welchen Op­fern! - den Unterricht fortsetzte. Bombenabwürfe, Explosionen, Brände . . . Immer zahlreicher wur­den die Todesanzeigen, die auf dem Schreibtisch der Schulleitung lagen.

Der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge teilte der Städtischen Oberschule für Mädchen am 22. 4. 1944 mit:
„Über den auf unser Postscheckkonto (…) eingezahlten Betrag in Höhe von RM 430 haben wir uns sehr gefreut (…). Ihre Schule zählt mit zu den eifrigsten, und es wird für die Kinder ein er­hebendes Gefühl sein zu wissen, dass sie durch ihr Opfer mit dazu beitragen, unseren gefallenen Helden Ruhestätten zu bereiten, die schön und ihrer würdig sind (…).

 

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Wochen später wurde die Schule aufgefordert, die Schülerinnen über die Wirkung gewisser feindlicher Bomben zu informieren. Am 14. Juni 1944 erfolgte eine Information über den Terror-Einsatz feindlicher Gleitbomben:

(…)Bombe wird getragen von kleinem Gleit­flugapparat mit einer Spannweite von 37 cm (…). Feindflugzeug dreht ab (…). Bombe macht beim Niedergang auf ebenem Boden große Sprünge bis zu 100 m. Detonation erfolgt auf Bodenoberflä­che (…) Die Gemeindegruppe Euskirchen (Luft­schutzamt) bittet, die Schülerinnen in geeigneter Form darüber zu unterrichten (…).

Ab 20. Juli 1944 setzte das große Bombardement auf Euskirchen ein. Immer größer wurde der Strom der Flüchtlinge, der sich vom Westen her durch Euskirchen ergoss. Immer häufiger wurde der Keller zum Unterrichtsraum. Das in der Schule einst einquartierte Reservelazarett hatte einem Feldlazarett Platz gemacht, und der Schul­ablauf wurde zwangsläufig immer mehr gestört.

Die Lehrerin und spätere Direktorin der Marienschule, Gertrud  Neidhardt (1892-1973), wurde aus ihrem Gene­sungsurlaub gerissen, da sie vier Tage später (ab 18. 8.1944) den erkrankten Schulleiter für drei Monate vertreten sollte. In ihren sehr aufschlussreichen Tagebüchern hielt sie ihre „Premiere" folgendermaßen fest:

Am 18. morgens fanden sich bei der Flaggenhis­sung 576 Schülerinnen ein. Durch die Neulinge der 1. Klasse und viele Prüflinge für alle Klassen war diese Zahl ohne die im Einsatz sich befinden­den 8. Klassen erreicht(…).
(…) Als ich am 4. September die Schule betrat, hatte sich ihr äußeres Bild sehr geändert: über Sonntag war eine Frontleitstelle eingezogen und hatte im Parterre die Klassen 4, 2, 7 sowie das Büro und im 1. Stock noch drei weitere Klassen im lin­ken Flügel bezogen. Zugleich wurden die Klassen 7 von der HJ zur Betreuung der Schanzjugend am Westwall eingezogen; so dienstverpflichtet ver­ließen sie für 6-8 Wochen die Schule(…).
Beschlagnahmt wurde die Küche. Das Büro zog mit ins Direktorzimmer. Das Konferenzzimmer und der Musiksaal blieben. Gegenüber vom Konferenzzimmer war die Verpflegungsstelle. Das Büro wurde ein „Geheimzimmer", die Klasse da­neben die Weiterleitungsstelle. Oben schliefen die Soldaten, die versprengt waren. Die Bankbar­rikaden auf den Korridoren wurden immer höher. Zur gleichen Zeit wurden die Angriffe der Tiefflie­ger auf die Bahnen so häufig und gefährlich, dass (…) Klassen in dieser Woche geschlossen werden mussten.

Da man seit spätestens September 1944 mit einer vollständigen Belegung der Schule durch Wehr­macht und Flüchtlinge rechnen musste, begannen die Lehrkräfte mit der Bergung der wertvollen Bücher in Kisten im Keller. Gertrud  Neidhardt setzte ihr Tagebuch fort:

Der Alarm kam so früh und dauerte oft über den ganzen Vormittag; der Beschuss  mit Bordwaf­fen wurde dabei auch in der Stadt immer schlim­mer, so dass die Eltern zum größten Teil ihre Kin­der nicht mehr schickten. Die Strecke Düren-Bonn war fast eine Woche unbefahrbar, so dass die Kolleginnen von dort nicht mehr kommen konnten. Wir unterrichteten in der wenigen alarmfreien Zeit ganz kleine Restklassen und fragten uns nach dem Sinn dieses Arbeitens.

Endlich kam Ende September 1944 der ersehnte Erlass des Provinzialkollegiums, dass die Schulen zu schließen wären. Die Lehrkräfte bargen noch die Sammlungen, dann gingen auch sie in den Kriegseinsatz. Nur die Hausmeisterfamilie Menzel blieb noch im Gebäude.

 

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Von mehr als 26 Bomben getroffen bot die Städti­sche Oberschule für Mädchen beim Einmarsch der Amerikaner in Euskirchen (März 1945) ein trostloses Bild. Erstaunlich, mit welchem Gottver­trauen Frau Neidhardt, Studienrätin und stellver­tretende Schulleiterin, ihre „Erinnerungen an das Kriegsgeschehen 1944/45" beendet: ,,Deus providebit - Ich habe Gottvertrauen!"

6. Kapitel:  Die Nachkriegsjahre (1945-1958)

Die Situation bei Kriegsende war folgende: Das Internatsgebäude war zu 75% zerstört und unzu­gänglich. Das Schulhaus an der Ursulinenstraße von Volltreffern und Blindgängern, Splittern und Nässe stark mitgenommen. Der Ostgiebel war mit mehreren Unterrichtsräumen, der West­giebel mit dem 2. Treppenhaus zerstört. Das Dach war größtenteils abgedeckt. Das so genannte „Engelhaus" mit der Hausmeisterwohnung war ausgebrannt. In der feuchten Schulküche im Kel­ler hatte Hausmeister Menzel für sich und seine Familie eine Notwohnung hergerichtet.

Die Stadtverwaltung Euskirchen wünschte die Rückkehr der Dominikanerinnen und kündigte gleichzeitig den nicht auf Lebenszeit angestellten Lehrkräften. Verordnungen der Militärregierung sahen die Eröffnung der Mädchenschule zum I. Oktober 1945 vor. Dr. Steinmetz erhielt von Oberschulrätin Dr. Bardenhewer (Düsseldorf) den Auftrag, den inneren Aufbau der Schule in Angriff zu nehmen. Er war politisch – trotz seiner ehemaligen Position – nicht vorbelastet und genoss  wegen seiner aufrechten Haltung das Vertrauen der Verantwortlichen.

Der äußere Aufbau wurde zu­nächst aus privater Initiative begonnen: Anfang August 1945 wurde durch die Familie Menzel das Treppenhaus der Schule zugänglich und ein klei­ner Raum im 1. Stock ,,dicht" gemacht. Die Leh­rerinnen Neidhardt und Eltermann begannen mit einer Schülerin die im Keller geborgenen natur­wissenschaftlichen Sammlungen in diesem Raum zu säubern und zu inventarisieren. Nach und nach stießen weitere Kolleginnen zu ihnen. Inzwischen hatte sich Gertrud Neidhardt auf Bitten der Oberschulrätin Bardenhewer bereit erklärt, die kommissarische Schulleitung zu übernehmen.

 

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Schulleiterin Gertrud Neidhardt


Nach Scheitern der Verhandlungen mit den Dominikanerinnen beschloss die Euskirchener Stadtverwaltung, die Schule als städtische An­stalt wieder zu eröffnen.

Nun wurden Notmauern errichtet, Fenster aus Bilderglas oder abgewa­schenen Röntgenfilmen, eingefasst von Pressfa­serplatten, gedichtet; Bunkeröfen wurden aufge­stellt. Am 13. November 1945 traten 22 Schülerin­nen zum 1. Sonderlehrgang an. Am 10. Dezember wurden bereits alle Klassen mit 328 Schülerinnen unterrichtet. Wegen Raummangel musste der Un­terricht oft eingeschränkt werden: die 2. bis 5. Klasse erschien nur an drei, Klasse 1 an fünf Ta­gen; die Oberstufe täglich.

 

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Dem Chronisten erscheint die Nominierung der ersten Lehrkräfte nach dem 2. Weltkrieg wichtig: Neidhardt, Dr. Steinmetz, Dr. Gräfin Spee, Meyer, Dr. Freistedt, Klein, Gießen, Bergmann, Elter­mann, Plaßmann und Geller.

Die Schwierigkeiten, die diese Lehrkräfte mei­sterten, waren nach heutigen Vorstellungen eigentlich unüberwindbar. Viele Aktenordner zeugen von ei­nem hartnäckigen Kampf mit der Militärregie­rung. Schulbücher aus der Zeit des Nationalsozia­lismus mussten vernichtet, Tafel und Kreide besorgt oder Lektüre geneh­migt werden; neue Unterrichtspläne wurden vom britischen Bildungsoffizier (Herbst 1945) kriti­siert (…). Am 27. November 1945 kämpfte Frau Neidhardt  als kommissarische Schulleiterin um den schuleigenen Radioapparat:

 

An die Militärregierung
27. Nov. 1945 Euskirchen

Betr.  Gesuch um Rückgabe des Schulradioap­parates an die Oberschule für Mädchen in Euskirchen

Als Euskirchen amerikanisch besetzt wurde, stellte die Leitung der Oberschule für Mädchen das Radiogerät der Schule dem Kommandanten zur Verfügung. Dieser versprach ausdrücklich, das Gerät wieder zurückzugeben, sobald der Un­terricht wieder aufgenommen würde. Das Radio­gerät ist zurZeit im Hotel Joisten, wo es nach Aus­sage der Besitzerin, Frau Joisten, kaum benutzt wird.

Da der Unterricht in der Oberschule für Mädchen wieder begonnen hat, ist das Gerät aus folgenden Gründen unentbehrlich:
1. (…). 2. Infolge der Kriegsereignisse besitzt die Schule z. Z. keine Uhr. Im Interesse der auswärtigen Schülerinnen ist es aber unbedingt notwen­dig, stets die richtige Zeit feststellen zu können und danach die Zeichen zum Schluss des Unter­richts geben zu können (…). 3. Wegen des Fehlens derTagespresse werden ei­lige, wichtige Mitteilungen durch Radio bekannt­ gegeben. So konnte z. B. die Schulleitung die Schülerinnen nicht rechtzeitig benachrichtigen, dass der 21. November schulfrei war, und die aus­wärtigen Schülerinnen kamen umsonst unter großen Strapazen zur Schule.
                       

i.  V. Neidhardt
- Studienrätin –

 

Alle Briefe mussten ins Englische übersetzt und teilweise beglaubigt werden. Die Englischlehrerin musste alle Unterrichtsentwürfe der Kollegen wöchentlich einmal übersetzen und der Kommandantur zur Genehmigung vorlegen. Dann wurden zum Beispiel acht Glühbirnen für die Schule an­gefordert, wobei genau zu errechnen war, wie lange die tägliche Brennzeit sein würde und welche Räume damit erhellt würden.

Die kommissarische Schulleiterin kämpfte fast zwei Jahre um einen alten Schrank, den sich nach ei­nem Bombenangriff ein Nachbar entliehen hatte. Am 19. November 1945 teilte der Euskirchener Stadtbaumeister im Auftrage des Bürgermeisters der Schule mit, dass mit keinem Fensterglas zu rechnen wäre: (…) In der Stadt wohnen noch rund 600 Familien, die in Küche und Schlafzimmer ohne Glas sind . . . Ebenso ist die angelieferte Dachpappe, wie nachträglich  bekannt gegeben  wurde, nur zur Bedachung von Wohnhäusern be­stimmt“.

 

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Der Schulweg der damaligen Schülerinnen war unbeschreiblich. So berichtete Frau Christel Schorn, geb. Jungbluth:

Im Winter 1945/46 gab es noch keine Bahnver­bindung von Weilerswist nach Euskirchen. Die Züge endeten wegen einiger gesprengter Brücken in Großbüllesheim, für uns Fahrschüler ein großes Problem. Dank der Vermittlung von Frau Neidhardt konnten wir zunächst die Gelegenheit wahrnehmen, auf einem überdachten Lastwagen der britischen Besatzungsmacht, der Arbeiter nach Euskirchen brachte, stehend mitzufahren. Bereits um 6.30 mussten wir bei Eis,Schnee und Dunkelheit von zu Hause weg. Später mussten wir den Zug bis Büllesheim benutzen und gingen von dort zu Fuß zur Schule (…). Als der Zugverkehr An­fang März 1946 wieder bis Euskirchen aufge­nommen wurde, bedeutete das für uns Weilerswister eine große Erleichterung, obwohl die Fahrt in überfüllten, mit Hamstertaschen und-säcken beladenen Zügen noch bis zur Währungsreform ein Problem blieb.

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Auch der Schulweg von Flamersheim her war abenteuerlich. Frau Marlis Lutsch, geb. Jüsten erzählte:

Die wenigen Postbusse zwischen Flamersheim und Euskirchen waren überbesetzt mit Arbeitern und Angestellten, so dass wir 10-14jährigen Schulkinder nie mitgenommen wurden. Unsere Fahrräder hatten eine so miserable Bereifung, dass wir es selten schafften, ohne Panne 8 km biszur Marienschule zu kommen. Damals half einer dem anderen beim Reifenflicken. Wir kamen sel­ten zur 1. Unterrichtsstunde an.

Dann kam der kalte Winter mit viel Schnee und Glatteis. Ein Ar­beiter der Gerberei Christian Schaefer in Fla­mersheim, der Pferd und Wagen besaß, erbarmte sich unser. Er lud uns – die etwa 10 Kinder - jeden Mor­gen an einer bestimmten Stelle des Dorfes gegen 6.30 auf. Jeder musste sich bei den arktischen Temperaturen eine warme Wolldecke mitbringen, um sich einzuschlagen, denn der Wagen war von allen Seiten offen. Dann ging die Fahrt los, mal über Kuchenheim, mal über Stotzheim. Diese Strecken bestimmte natürlich der sehr robuste Kutscher.

Dass es uns Kindern bei der zweistündigen Fahrt sehr kalt wurde, ist klar. So animierte uns der Kut­scher: „So, ühr Penz, jetz wit jesonge,sünst bleve ich stöhn!" Also sangen wir Kinder, so gut und so viel wir konnten, denn der Kutscher blieb wirklich stehen, wenn wir mit unseren vor Kälte zitternden Stimmen zu singen aufhörten.
So ging es also jeden Morgen, etwa vier Monate lang. Mittags aber fuhren wir mit dem Zug nach Stotzheim und liefen zu Fuß die letzten vier Kilo­meter nach Hause (…).

Unseren heutigen Schülern ist es sicher un­begreiflich, dass der Schulbesuch in den Nachkriegsjahren von der Qualität des Schuh­werks abhing. Noch am 26. September 1947 musste Oberstudiendirektorin Neidhardt dem Stadtdirektor mitteilen, dass die Notlage vieler Schülerinnen unserer Anstalt „das Schuhwerk betreffend“ groß ist. „Schon jetzt müssen sie den Unterricht versäumen, wenn das eine ungenügend verschlissene Paar Schuhe geflickt werden muss. Manche besitzen überhaupt nur Sandalen, und nur die herrschende Trockenheit hat den Schul­besuch ermöglicht. Bei Regenwetter und im kommenden Winter wird es ihnen unmöglich sein, die Schule zu besuchen."

Der Kampf um die Bezugsscheine, gegen Kälte und Hunger: das wa­ren die ersten Nachkriegsjahre! Dennoch konstatieren noch heute alle Befragten, dass das soziale Umfeld, die Kameradschaft und das Verhältnis zum Nachbarn viel besser waren als heute. Aktivitäten der Schule wurden von allen dankbar anerkannt; die Freude am Schulgeschehen war nach den Schrecken des 2.Weltkrieges groß.

 

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Im Schuljahr 1946/47 begann der Aufbau im ehemaligen In­ternatsgebäude, wieder durch eigene Initiative. Sechs Frauenschülerinnen schafften sich in schwerer körperlicher Arbeit einen Klassenraum, um ihre Klasse wieder eröffnen lassen zu können. Der Unterricht blieb während des ganzen Schul­jahres weiterhin eingeschränkt und gestört. Die Sexta begann ihren Unterricht mit fast zwei Mo­naten Verspätung. Die Herbstferien wurden auf Anordnung der Militärregierung um 14 Tage we­gen Seuchengefahr verlängert. Im Winter waren wegen unzureichender Heizung bzw. starker Rauchentwicklung nur sieben Klassenzimmer benutzbar. Oft brachten die Schülerinnen Holz aus den benachbarten Trümmern mit, um die „Bunkeröfen“ in den Klassenzimmern zu „stochen“. Die durchschnittliche Erwärmung der Räume lag bei etwa 6-8 Grad. Wegen des oft einsickernden Regens gab es Ziegelsteine, auf die die Mädchen ihre Füße setzten…

Im Schuljahr 1947/48 wurde im Inter­natsgebäude zwar eine weitere Klasse hergerich­tet, aber der Mangel an Räumen störte den Unter­richt doch erheblich. Immer wieder drangen Regen­güsse durch das schadhafte, nur mit Pappe ge­deckte Dach. Wen verwundert da noch das dring­liche Schreiben von Schulleiterin Neidhardt an den Euskirchener Stadtdirektor vom 14. 11. 1947:

Heute Mittag 13 Uhr nach Schulschluss flog vom Dach aus gerade vor den Haupteingang der Schule an der Ursulinenstraße eine etwa 3 m lange Latte, wie sie zum Annageln von Dach­pappe benutzt wird. Aus derselben stehen 4  lange Nägel heraus. Nur durch eine glückliche Fügung wurden eine Schülerin und Studienrat Meyer vor Verletzungen bewahrt (…)

Decken und Wände der Klassenzimmer weichten oft auf; die Lichtanlage versagte häufig. Der Sturm schlug den Qualm in die Zimmer. Die verzweifelte Situation kann in der Akte „Notgemeinschaft" nachgelesen werden. In diesem gedruckten „Rundschreiben an die Elternschaft der Schüle­rinnen der Stadt. Studienanstalt mit Lyzeum und Frauenoberschule zu Euskirchen" vom 11.5. 1948 wurden alle Mängel noch einmal auf­gezählt: Nässe in den Klassenzimmern, nicht aus­reichende Bunkeröfen, 6 bis 8 Grad Celsius in den Räumen, Fußböden aus Steinplatten, baufällige Giebelwand des Schulgebäudes zur Schulsei­te (…). Alle Eltern wurden zur Mitarbeit aufgerufen.

Im Rundschreiben Nr. 2 sollte mit allen Kräften der Wiederaufbau der Mädchenschule erwirkt werden. Listen wurden aufgestellt mit Auskunft über die Berufstätigkeit der Väter. Maurer, Zimmerleute etc. wurden aufgerufen, mit Hand anzulegen. Andere Eltern aufgefordert, durch Spenden in Form von Lebensmitteln, Fachleute aus dem Baugewerbe anzulocken und für schnelle Arbeit zu belohnen.

Zum Namenstag erhielt Schulleiterin Neidhardt ein klei­nes Geldgeschenk zur Anschaffung von Beleuch­tungskörpern im Schulgebäude, und das Geburtstagskind Plaßmann war von einem  Korb voller Naturalien aus Euskirchens Gemüse­gärten begeistert.

 

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Es folgte endlich der Aufschwung nach der Währungsreform im Juni 1948; weitere Räume konnten in einen besseren Zustand versetzt werden. Im Frühjahr 1949 wurden die Ruinen des „Engelhauses“ abgetragen. Das ganze Gelände wurde enttrümmert und nach der Ursuli­nenstraße hin durch eine Mauer geschlossen. Im Ok­tober 1949 begann endlich der Wiederaufbau durch die Stadt, und somit nicht mehr durch die  Eigeninitiative der äußerst aktiven „Notgemeinschaft". Im März 1950 feierte die Schulgemeinde endlich Richtfest.  

Im September 1950 stellte die Generalpriorin der Dominikanerinnen von Arenberg, Mutter Maria Gratia, die letzte Direktorin der Schule, an die Stadt die Bitte, der Schule den alten Namen „Sancta Maria", wenn auch in deutscher Form, wiederzugeben. Der auch avisierte Name „St. Marien" wurde jedoch, um keine zu starke konfessionelle Bin­dung zu vermitteln, in „Marienschule" um­gewandelt. Seit dem 9. 5. 1951 führte das städti­sche Mädchengymnasium die Bezeichnung „Ma­rienschule, städtisches neusprachliches Mäd­chengymnasium und Frauenoberschule".

Im Rahmen einer musischen Feier am I. April 1958 wurde Oberstudiendirektorin Gertrud Neid­hardt von „ihrer" Marienschule verabschiedet. Nach vier Jahrzehnten pädagogischer Lehramts­tätigkeit trat sie in den gesetzlichen Ruhestand. In den vielen Abschiedsreden wurde ihre erfolgrei­che Tätigkeit von 1921 bis 1940 am Oberlyzeum St. Adelheid - Privatinstitut in Pützchen bei Bonn -  sowie in Euskirchen von 1940 bis 1958 hervorge­hoben. Nicht erst seit ihrer Beförderung zur Oberstudiendirektorin der Marienschule am 1. Mai 1947 hatte sie eine große Aufbauarbeit geleistet. Selbst der im September 1958 seiner Be­stimmung übergebene Erweiterungsbau der Ma­rienschule ist einzig allein ihre Leistung!

Mit der Pensionierung der beliebten Direktorin ging eine Epoche in der Geschichte der Euskirchener Ma­rienschule zu Ende, eine Epoche, die gekenn­zeichnet war durch Zerstörung und Aufbau, Hun­ger und Schulspeisung, Ratlosigkeit, Fleiß und Erfolg. Gertrud Neidhardt war immer stolz darauf, Tra­dition und Geist der Schule bewahrt zu haben.

 

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In Anwesenheit der Oberschulrätin Clasen überreicht Bürgermeister Kleinertz
der scheidenden Schulleiterin Gertrud Neidhardt  ein Geschenk (1958)

7. Kapitel: Innerer und  äußerer Ausbau (1958-1976)

Am 7. 5. 1958 übernahm Frau Dr. Auguste Röttger kommissarisch und ab 3.6.1959 als Oberstu­diendirektorin die Leitung der Marienschule. Anlässlich ihrer Verabschiedung im Juli 1976 formu­lierte der Vorsitzende der Schulpflegschaft, Karl-Heinz Dumoulin, die Leistung der Direktorin so: ,, (…) In einer Zeit, in der durch äußere Ein­flüsse viel Unruhe in die Schule gebracht worden ist, hat Frau Dr. Röttger immer wieder Voraussetzungen für eine kontinuierliche Arbeit geschaf­fen!"

Aufgrund ihrer katholischen Haltung nahm die Schulleiterin sofort wieder Kontakt zu den Dominikanerinnen von Arenberg auf, die bis 1940 das Bild des Euskirchener Mädchengymnasium geprägt hatten. Diese Kontinuität bewirkte sicher, dass viele ehemalige Schülerinnen ihre eigenen Töchter wieder in die „Marienschule“ schickten.  

 

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Mit der Einweihung des Neubaus an der Ursulinenstraße am 27. 9. 1958 hatte schon die äuße­re, bauliche Entwicklung der Marienschule begonnen. Es folgten die Turnhalle (1961) und der erste Bauabschnitt eines zukünftigen Schulzentrums am Rüdesheimer Ring.

Im Sommer 1973 bezog das „Mädchengymnasium Marienschule Euskirchen“  ein neues Gebäude an der Moselstraße (heute Basingstoker Ring), so dass auch äußerlich der Blick in die Zukunft sichtbar wurde.

Nach nur zweijähriger Bautätig­keit fand 1973 der Umzug „ins Grüne" statt, und lobend hielt die Festrednerin, Oberschulrätin E. Bröcker, die Tatsache hervor, dass Stadt und Pla­nung mit diesem Bauwerk einen „Blick in die Zu­kunft" getan hätten.

 

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Der innere Ausbau der Schule kündigte sich seit der Saarbrückener Rahmenvereinbarung v. 29./30. 9. 1960 sowie den so genannten Stuttgar­ter Empfehlungen zur didaktischen und methodi­schen Gestaltung der Oberstufe vom 28./29. 9. 1961 an.

Nach gründlicher und reifli­cher Überlegung entschied sich man sich, ab Schuljahr1974/75 die differenzierte gym­nasiale Oberstufe einzuführen. Die Demokratisie­rung der Schule und die daraus resultierende Vergrößerung allgemeiner „Chancengleichheit" sollte auch an der Euskirchener Marienschule durch Enttypisierung und Durchlässigkeit der Oberstufe, gleiche Gewichtung aller Fächer be­züglich der Lehrinhalte und der Stundenzahl, durch Einführung eines differenzierten Angebots von Grund- und Leistungskursen, durch Durch­lässigkeit der Schultypen und punktemäßige Lei­stungsbewertung ermöglicht werden.

Zur diesbezüglichen Vorbereitung hatte die An­stalt zu Beginn des Schuljahres 1973/74 mit der Reform der „differenzierten Mittelstufe" begonnen, die für Obertertia und Untersekunda einer­seits eine zusätzliche Grundausbildung in zu wählenden Fachgebieten, andererseits eine ge­wisse Spezialisierung in vier Unterrichtsstunden vorsah.

Trotz Reformen, Studentenunruhen, „Emanzipa­tion" der Schüler, Änderungen der Curricula und Drängen nach Mitbestimmung verstand es Dr. Auguste Röttger, mit „lächelnder Zähigkeit" (Stadt-Anzeiqer, Lokalteil Euskirchen), die Marienschule zu einem echten Zentrum gymnasialer Bildung zu machen. Zudem unterstützte sie den deutsch-französischen Jugendaustausch mit Schüle­rinnen von Charleville, förderte Exkursionen und Bildungsreisen und erhielt die christliche Haltung der einstigen „Sancta Maria". Die große Wiedersehensfeier mit den Dominikanerinnen von Arenberg ging in die Euskirchener Stadtgeschichte ein.

Zum inneren Ausbau der Schule gehörten auch die zaghafte Kooperation mit dem Emil-Fischer-Gymnasium sowie die Einführung der Koeduka­tion (1975/76); Veränderungen, an die sich viele erst gewöhnen mussten.

Am 2. 3. 1977 verlieh Papst Paul VI. der in den Ru­hestand getretenen Schulleiterin den päpstlichen Orden „Pro Eclesia et Pontifice". Mit dieser Aus­zeichnung sollte das Engagement im katholi­schen Raum auf nationaler und internationaler Ebene anerkannt werden. Seit 31 Jahren ist Dr. Röttger Mitglied im „Verein katholischer deut­scher Lehrerinnen" und bekleidet seit 15 Jahren das Amt der Vizepräsidentin des „Secretariat In­ternational de l'Enseignement secondaire catho-lique", einst Vereinigung von nahezu allen katho­lischen Studenten- und Akademikerverbänden in der ganzen Welt.

Mit dem Eintritt in die Gegenwart findet eine Chronik ihr Ende!

Während des Interregnums von Juli 1976 bis Ende Januar 1977 leitete Studiendirektor Volker Piesche kommissarisch die Marienschule. Am 1. Februar wurde von der Dezernentin der Schule, Frau LRSD E. Bröcker, Herrn Oberstudiendirektor Karl Schlesinger die Leitung der Marienschule über­tragen.

Ein für die Schule bedeutsames Ereignis war die erste Abiturprüfung nach der neuen Prüfungs­ordnung. Am 18. Juni 1977 wurden 81 Abiturientinnen entlassen, die erstmals die reformierte gymnasiale Oberstufe in der Sekundarstufe II durchlaufen und sich erfolgreich der neuen Abi-turprüfung  unterzogen hatten.

 

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Grundlage der Oberstufenreform und der Abiturprüfung waren die Übereinkunft der ständigen Konferenz der Kultusminister v. 2. 7. 1971, der Einführungserlass des Kultusministers NRW vom 19. 4. 1972 und die Abiturprüfungsordnung vom 21.8.1975. Alle Schülerinnen der Jahrgangsstufe 13 wurden zur Prüfung zugelassen, alle bestanden das Abitur. Diese Tatsache ist wohl nicht zuletzt auf die ge­zielte Schullaufbahnberatung der Schülerinnen und auf das Bemühen der Lehrer, die Reform durch intensive Information transparent zu machen, zurückzuführen.

Gegenüber dem Jahre 1976 stieg die Abiturientinnenzahl von 54 auf 81, was einer Steigerung von 50% entspricht. Die Abiturdurchschnittsnote der Marienschule ver­besserte sich 1977 trotz der Individualisierung der Schullaufbahnen nicht; sie verblieb bei 2,8. Die Durchschnittsnoten der Schüler lagen zwischen 1,3 und 3,7. Die Begründung mag wohl in der ge­stiegenen Abiturientenzahl zu finden sein. Am Ende des Schuljahres 1976/77 wurden 954 Schüler und Schülerinnen (45 Jungen/909 Mädchen) von insgesamt 91 Lehrern unterrichtet. Im September 1978 werden es etwa 1100 (150 Jun­gen/950 Mädchen) sein.

In 110 Jahren (1868-1978) hat sich die Marienschule verän­dert. Aus der einstigen Höheren Töchterschule ist ein modernes Gymnasium geworden, das im geistes-, natur- und gesellschaftswissenschaftli­chen Bereich den Anforderungen einer moder­nen Bildungspolitik gerecht wird, das Mit­menschliche und Erinnernswerte an die Schulzeit aber auch weiterhin zu erhalten bemüht bleibt.

Ende

 

NACHTRAG: Fotos aus der Chronik „Unser Weg“
des Gymnasiums Marienschule Euskirchen (1868-1978)

 

1. Fachlehrer im Jahr 1978
2. Frühere Lehrerkollegien
3. Klassenaufnahmen 1948 und 1968
4. Aus der Geschichte der Marienschule

 

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Zu 2.)

marienschule17Das Kollegium der Dominikanerinnen mit Baumeister Reitz bei der Grundsteinlegung der Turnhalle (1927)

 

marienschule51Weltliche Lehrkräfte an der „Sancta Maria“ im Schuljahr
1927/28 (v.l.n.r.): Marx, Dr. Overberg, Schulte, Prof. Altmeyer, Werner, Bergmann, Steuffmehl, Müller, Krug, Dr. Wagner

 

marienschule47 Vom Oberlyzeum „ Sancta Maria“ der Dominikanerinnen gingen zum Schuljahr 1940/41 folgende Lehrkräfte zur neuen „Mädchen-Oberschule Euskirchen“ über: (v.l.n.r.) Welter, Klein, Plassmann, Bergmann, Dr. Freistedt, Schroers, Geller, Dr. Schmitz, Eltermann

 

marienschule52Das Lehrerkollegium der Marienschule im Jahre 1954

 

marienschule53Das Lehrerkollegium im Jahre 1957

 

marienschule16Das Kollegium 1973/74 beim Einzug in das neue Schulgebäude auf dem Basingstoker Ring

 

marienschule26Das  Kollegium im Schuljahr 1975/76

 

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Zu 3)

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Zu 4) Aus der Geschichte der Marienschule:

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Das Oberlyzeum „Sancta Maria“ der Dominikanerinnen in Euskirchen

 

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marienschule18Die beiden Abiturklassen 1965

 

marienschule57Links: Pensionierung von Musiklehrerin Mostert und Oberschullehrerin Elisabeth Geller (1975)
Rechts:  In den Ruhestand gingen 1972: Elisabeth Bischof, Pastor Backes und Kunsterzieherin Eltermann

 

marienschule27Karneval in der Marienschule

 

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marienschule60Schüler und Lehrer des Gymnasiums Marienschule Euskirchen im Jahre 1978.

 

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ENDE

LINKS

Aus der Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen

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Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen: Teil 1 (1868-1940)

Chronik des Gymnasiums Marienschule Euskirchen: Teil 2 (1940-1978)

Gymnasium Marienschule – Euskirchen: Die Chronik des Schuljahres 1984/85

Aus der Geschichte der Kreisstadt Euskirchen: Kindergarten und gymnasiale Frauenbildung

Die Euskirchener „Nachfolgerin“ von Edith Stein wurde als „Maria Carmela“ eingekleidet

Anna Müller aus Wisskirchen: Euskirchener Stadthistorie hilft beim Selig- und Heiligsprechungsprozess von Therese Neumann (1898-1962)

Ein mit „sehr gut“ benoteter Aufsatz aus dem Jahre 1915: „Wie kann ein deutsches Mädchen im Kriege dem Vaterlande sich nützlich erweisen?“

“Emmy’s Story”: Erinnerung an ein jüdisches Leben in Kommern (Mechernich)

Erinnerung an die Opernsängerin Maria Dahmen aus Euskirchen

Hans-Dieter Arntz feiert heute 40-jähriges Dienstjubiläum (2006)

Eine Euskirchenerin als Zeugin für die Seligsprechung der bayerischen Bauernmagd Therese Neumann : Maria Müller aus Wißkirchen

Zur 675-Jahrfeier der Kreisstadt Euskirchen (1977) – auch mit einem Beitrag des Gymnasiums Marienschule

Silberne Ehrenplakette der Stadt Euskirchen für die Chronik – „110 Jahre Gymnasium Marienschule Euskirchen: Unser Weg 1868-1978“

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