Jean Spessart: Alte Euskirchener Stadtansichten

von Hans-Dieter Arntz
26.07.2010

Die jetzige Modernisierung des Euskirchener Stadtbildes und das Interesse vieler Neubürger lässt es für sinnvoll erscheinen, an das alte Euskirchen zu erinnern. Daher publizierte ich vor knapp drei Jahren eine Anzahl farbiger Ansichtskarten, die einen Eindruck der damals etwas 25.000 Einwohner großen Kreisstadt vermitteln. Vgl. Euskirchen: Das Stadtbild in alten Ansichtskarten (1900-1930). Auch der Beitrag Euskirchener Regionalhistorie: Das „Viehplätzchen-Viertel" sollte diesem Zweck dienen.

Nur wenige Euskirchener Künstler malten und zeichneten ihre Heimat. In diesem Zusammenhang stellte ich in meinen NEWS vom 10. Juni 2010 den bekannten Eifelmaler Konrad Schäfer vor, dessen Werk allerdings bedeutsamer wurde als das des später erblindeten Malers Jean Spessart, (*1886; †1961). Ihn muss man jedoch unbedingt erwähnen, weil er sich in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts hauptsächlich die Aufgabe gestellt hatte, typische Winkel der Kreisstadt durch Zeichnungen zu verewigen. Besonders der „Dicke Turm“, den Jean Spessart 1936 zeichnete, hatte es ihm angetan und er bildete ihn und die Nachbarschaft in vielen Variationen ab.

 

Dicker Turm

Dicker Turm

 

Im Heimatkalender des Kreises Euskirchen 1962 erinnerte der Standesbeamte und Heimatforscher Hubert Lückerath an den Maler Jean Spessart. Vgl. Im Gedenken an Jean Spessart. Bei Wikipedia heißt es in Kurzform:

Jean Spessart (* 27. März 1886 in Euskirchen; † 14. März 1961 ebenda) war ein deutscher Landschaftsmaler.
Jean Spessart wurde als Sohn von Anna Gelhausen und Jakob Spessart geboren, der mit seinem Bruder Richard eine Bau- und Möbelschreinerei in Euskirchen betrieb. Sein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Geburtshaus befand sich in der Annaturmstraße, nahe dem Annaturmplatz. Die Familie stammte vermutlich aus dem Dorf Spessart in der Eifel. Schon als Kind zeichnete und malte Jean Spessart und fiel seinen Lehrern aufgrund seines Talentes auf. Er besuchte die Westschule in Euskirchen und bildet sich anschließend auf der Kunstgewerbeschule in Köln weiter. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erregte er mit seinen Bildern auf der Ausstellung für Handwerk und Gewerbe auf dem früheren Tivoli in Euskirchen Aufmerksamkeit. Später reiste er viel durch fremde Länder um sein Können zu erweitern. Es zog ihn aber immer wieder zurück in seine Heimatstadt, in der er zum anerkannten Heimatmaler avancierte und häufig Motive aus der Weststadt wählte.

Spessart konnte mit seinen Bildern keine finanziellen Erfolge erzielen, wurde aber von dem Euskirchener Tuchfabrikanten Toni Ruhr gefördert, in dessen Auftrag er viele Werke anfertigte. Im Krieg engagierte er sich für Rettung und Erhaltung von Kulturgut. Seine Zeichnungen und Ölgemälde befinden sich heute teilweise im Besitz der Stadt Euskirchen. In seinen letzten Lebensjahren erblindete Spessart und die Stadtverwaltung nahm sich seiner an. In der Euskirchener Innenstadt ist die zwischen Kölner und Emil-Fischer-Straße gelegene Jean Spessart-Straße nach ihm benannt.

Hiermit möchte ich einige Fotos aus meiner Sammlung publizieren, die Repros der Original-Zeichnungen von Jean Spessart sind:
Reihenfolge der Fotos mit den jeweiligen Unterschriften:

 

Pitschentürmchen (Zollabgabe) am Kirchwall, zerstört 1944

Pitschentürmchen (Zollabgabe) am Kirchwall, zerstört 1944

 

Pfarrhaus und Martinskirche

Pfarrhaus und Martinskirche

 

Blick in die Klosterstraße: Offener Mühlbach und ehemalige „Kaplanei“ im Euskirchener

Blick in die Klosterstraße: Offener Mühlbach und ehemalige „Kaplanei“ im Euskirchener
 Stadtzentrum (Nähe von C & A)

 

Euskirchener Rathaus ab 1937

Euskirchener Rathaus ab 1937

 

Rathausturm und kleine Häuser am Kirchplatz (gegenüber der Stadtbücherei)

Rathausturm und kleine Häuser am Kirchplatz (gegenüber der Stadtbücherei)

 

Alte Häuser am Mühlbach im Stadtzentrum, gezeichnet um 1912

Alte Häuser am Mühlbach im Stadtzentrum, gezeichnet um 1912

 

Links zur Euskirchener Stadtgeschichte (von H.-D. Arntz):

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