Interesse an Dr. Moshe Wallach, Ehrenbürger der Stadt Jerusalem, mit Wurzeln in der Voreifelstadt Euskirchen

von Hans-Dieter Arntz
04.11.2014

WallachIn der „Eifel-Zeitung“ vom 10. September 2014 erschien ein lesenswerter Artikel des Journalisten Gregor Brand: Mosche Wallach – Arzt in Jerusalem aus Euskirchener Familie. Er befasst sich mit dem in Köln geborenen Moritz Wallach, der später als Dr. Moshe Wallach medizinische Pionierleistungen in Palästina vollbrachte, Gründer eines berühmten Krankenhauses wurde und als Ehrenbürger der Stadt Jerusalem unvergessen sein sollte. Seine Eltern stammen aus der Voreifel, so dass ich schon früher auf ihn aufmerksam machte:

Ein jüdischer Arzt als Pionier in Erez Israel – Dr. Moshe Wallach aus Köln gründet das Shaare Zedek Hospital in Jerusalem

Dr. Moshe Wallach, Ehrenbürger der Stadt Jerusalem, mit Wurzeln in der Voreifelstadt Euskirchen

 

In dem erwähnten Beitrag von Gregor Brand heißt es einleitend:

...... Was für eine ungewöhnliche Ehre: Im Jahr 1995 begann der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin sein Grußwort zur Eröffnung der Feierlichkeiten „3000 Jahre Jerusalem“ mit einem unerwarteten persönlichen Bekenntnis darüber, was ihm Jerusalem bedeutet: „Mein Jerusalem: Das ist Dr. Mosche Wallach aus Deutschland …”

Wer war dieser Arzt aus Deutschland, den der im so genannten “Wallach-Krankenhaus” geborene Staatsmann Rabin so stark hervorhob? Mosche (englisch: Moshe; eigentlich: Moritz) Wallach kam 1866 in Köln als Sohn eines eifeljüdischen Ehepaares zur Welt. Sein Vater Josef Wallach stammte aus Euskirchen, seine Mutter Marianne Levy aus Münstereifel. Hans-Dieter Arntz, der verdienstvolle Erforscher eifeljüdischer Geschichte, wies darauf hin, dass die väterliche Familie Wallach schon seit vielen Generationen in Euskirchen lebte .......

Oft ist es regionalhistorischen Publikationen vorbehalten, ortsnahe Sachverhalte zu dokumentieren und darzustellen, die dann im umfassenderen Kontext für eine vertiefende Forschung einen noch größeren Wert erhalten. In dieser Hinsicht konnte auch meine seit vielen Jahren stark frequentierte regionalhistorische Homepage Impulse geben. Dass aber auch weltweite Reaktionen und sehr persönliche Kontakte entstehen, sei nur am Rande erwähnt. Erwähnen möchte ich das letzte Beispiel vom September 2014. Meine Vorstellung des Romans der in Israel lebenden Wissenschaftlerin Elischewa German: „Wir wollen trotzdem Ja zum Leben sagen“ initiierte nicht nur Anfragen von Historikern, sondern ermöglichte auch eine ganz unerwartete Familienzusammenführung, die mich noch heute sehr bewegt.

Mehrere Artikel zur Geschichte des Judentums in der Eifel und Voreifel und meine wöchentlich mehrfach erscheinenden NEWS wurden inzwischen in der Presse erwähnt, zitiert und bieten oft die Grundlage für eigenständige Recherchen. Auch hierzu möchte ich ein aktuelles Beispiel anführen:

Als sich im Frühjahr des Jahres 1984 eine Reisegruppe aus Euskirchen-Flamersheim für eine Woche in Jerusalem aufhielt, wies der arabische Reiseführer auf das jüdische Sha'are Zedek Krankenhaus (Sha'are Zedek) hin und resümierte sehr objektiv, dass dieses wohl das traditionsreichste Krankenhaus des Nahen Ostens mit ausgezeichneter Reputation wäre. Damals wusste wahrscheinlich keiner, dass der verdienstvolle Gründer dieser Institution ein gewisser Moritz Wallach (1866-1957) war, dessen Vater aus Euskirchen stammte. Die Lebensleistung seines Sohnes, des berühmt gewordenen Dr. Moshe (Moritz) Wallach, weist diesen als eine herausragende Persönlichkeit des deutschen Judentums und als einen medizinischen Pionier des damaligen Palästina und heutigen Staates Israel aus.

Mein Online-Artikel Ein jüdischer Arzt als Pionier in Erez Israel – Dr. Moshe Wallach aus Köln gründet das Shaare Zedek Hospital in Jerusalem initierte eine inzwischen laufende Doktorarbeit und mehrere Zeitungsartikel. Auch lernte ich den Enkel von Dr. Moshe Wallach, Dr. Josef Wallach (Rehovot/Israel) kennen, der einen Großteil des Familienarchivs
verwaltet und mir für spätere Studien bisher noch unveröffentlichte Briefe, Fotos und Dokumente anvertraute. 

In mehreren Vorträgen und Artikeln berichtete ich über den verdienstvollen jüdischen Mediziner Dr. Moshe Wallach. Vgl. z.B. den Artikel für das israelische, deutsprachige Magazin „MB Yakinton (Israel)“, (Jg. 81, Nr. 259, Mai 2013, S. 14/15): Ein Kölner Arzt als Pionier in Erez Israel – Dr. Moshe Wallach gründet das Sha`are Zedek Hospital. Jetzt freue ich mich, dass auch die „Eifel-Zeitung“ die Leistung von Dr. Moshe Wallach gewürdigt hat.

Da in den letzten Jahren der jüdische Mediziner verstärkt Aufmerksamkeit gewonnen hat, weise ich abschließend auf einige meiner früheren NEWS hin:

 

Zur Pionierleistung des aus Köln stammenden Dr. Moshe (Moritz) Wallach
– Gründer des Shaare Zedek Hospital in Jerusalem und Ehrenbürger von Jerusalem –

Aus den NEWS von Hans-Dieter Arntz

 

NEWS v. 23.11.2010

Archivunterlagen von Dr. Moritz (Moshe) Wallach – Auf den genealogischen Spuren einer prominenten jüdischen Familie aus Euskirchen/Köln


In Israel erinnert man sich ebenfalls der Menschen, die in verschiedener Form am Aufbau ihres Staates beteiligt waren. Zu ihnen gehören auch Juden, die aus dem Bereich Euskirchen stammen oder zumindest hier ihre Wurzeln hatten. Weltberühmt wurde zum Beispiel der jüdische Botaniker Prof. Michael Evenari (1904 –1989).

Groß ist seit dem 14. Februar 2008 die Google-Resonanz auf meinen Online-Artikel, der sich mit einem Angehörigen der aus Euskirchener stammenden Familie Wallach befasst: Ein jüdischer Arzt als Pionier in Erez Israel – Dr. Moshe Wallach aus Köln gründet das Shaare Zedek Hospital in Jerusalem. Er befasst sich mit dem Gründer des Sha’are Zedek Hospitals, eines der bekanntesten Krankenhäuser des Nahen Ostens, und dem Ehrenbürger von Jerusalem („Yakir Yerushalayim“). Auch die „Dr.-M.Wallach-Allee“ erinnert heute an diese herausragende Persönlichkeit des deutschen Judentums und den medizinischen Pionier des damaligen Palästina und heutigen Staates Israel.

Wallach FamilyDass ich an wichtige Teile des Archivs von Moritz Wallach (1866–1957) kommen konnte, verdanke ich seinem Neffen Dr. Josef Wallach (geb. 1938), der sich vor einigen Tagen mit mir in Kontakt setzte. Sein Großvater, Ludwig Wallach, war der Bruder des berühmten Moritz. Das Privatarchiv der Familien ist sehr groß und sollte demnächst einmal wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Es enthält u.a. ein Schreiben aus der Napoleonischen Zeit von Simon Wallach an seinen Vater Moißes Wallach, das Aufschluss über die Situation der Euskirchener Juden geben kann. Aus derselben Familie stammt Joseph Wallach (* 1838 Euskirchen, † 1921 Köln), der Vater von Moritz. Ein wichtiges Familienfoto aus dem Jahre 1904 zeigt die Angehörigen, als sie schon in Köln lebten. In der Mitte ist der weißbärtige Vater Joseph Wallach (1838 -1921) zu sehen, der in seiner ursprünglichen Heimat Inhaber der Firma der Tuchfabrik Wallach & Marx war. 1863 heiratete er Marianne Levy aus Münstereifel (vorne), mit der er von Euskirchen nach Köln umgezog. Er zählte zu den Mitbegründern der Kölner Austrittsgemeinde Adass Jeschurun, die als sehr orthodox galt und deren Präsident er später wurde. Rechts neben ihm steht Dr. Moritz (Moshe) Wallach, der sich noch am Anfang seiner Karriere befindet.

Der heute 72jährige Dr. Josef Wallach, der mich bei meinen regionalhistorischen Forschungen unterstützt, würde sich seinerseits über Dokumente und Fotos freuen, die sein großes Archiv vervollständigen könnten. Sie könnten tatsächlich für eine wichtige Dokumentation wichtig werden. Seine Anschrift lautet: Dr. Josef Wallach, P.O.Box 1414,Rehovot 76113, Israel, Tel 1: 972-8-9461010, Tel 2: 972-8-9494207, Fax : 972-8-9464946, Email: jsfwallach@yahoo.com

Seiner kann man entnehmen, dass der an der Hebrew University und am Weizmann Institut promovierte Chemiker inzwischen ein sehr bekannter Philatelist geworden ist, dessen Bücher zur Fachliteratur gehören. Hierzu gehört zum Beispiel das Werk: „ISRAEL – ARAB CONFLICT: Undercover/Forwarding Mail after the 1947 War between Israel and Arab States“. Beachtung findet zurzeit seine große Ausstellung „UNDERCOVER OR FORWARDING, CLANDESTINE MAIL ROUTES between the Population of the 1967 Occupied Territories and Arab States „. Die Präsentation ist historisch und politisch von Bedeutung, weil es in dem genannten Zeitraum und während des beiderseitigen Boykotts keine direkte Postverbindung mehr gab. In der Einladung zu der bemerkenswerten Veranstaltung heißt es am Schluss: „See you at the JERUSALEM Nov.21st Exhibition“: www.josefwallach.com
 
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NEWS v. 13.01.2011

Der Kölner Dr. Moritz (Moshe) Wallach: Ehrenbürger von Jerusalem! – Genealogie führt in die Kreisstadt Euskirchen

In meinen NEWS vom 23. November 2010 und dem detaillierten Online-Artikel Ein jüdischer Arzt als Pionier in Erez Israel – Dr. Moshe Wallach aus Köln gründet das Shaare Zedek Hospital in Jerusalem wies ich auf eine verdienstvolle jüdische Persönlichkeit hin, die in Köln geboren wurde: Dr. Moritz Wallach (1866 - 1957). Sein Vater, Joseph Wallach (1841-1921) stammte aus Euskirchen und war als Tuchhändler Inhaber der Firma Wallach & Marx. Mit 22 Jahren heirate er 1863 Marianne Levy aus Münstereifel, mit der er dann nach Köln umzog. Er zählte zu den Mitbegründern der Kölner Austrittsgemeinde Adass Jeschurun, die als sehr orthodox galt und deren Präsident er später wurde.

 

Wallach Family Archives

 

Berühmt wurde sein Sohn, Dr. Moritz (Moshe) Wallach, als Mediziner im Vorderen Orient und Gründer des heute weltweit bekannten Krankenhauses Sha'are Zedek Medical Center in Jerusalem. Der aus dem Rheinland stammende orthodoxe Jude, berufen zur praktizierten Nächstenliebe und in seiner Lebensleistung vielleicht mit einem Albert Schweitzer vergleichbar, verblieb an der Stelle, die er sich ausgesucht hatte. Dass er auch für den heutigen Staat Israel noch Vorbild und von Bedeutung ist, erkennt man an der Tatsache, dass auch das Außenministerium ihn und sein Sha`are Zedek Hospital im Internet präsentiert. Selbst eine Briefmarke erinnert an den Kölner Mediziner und sein Krankenhaus. Dass er Ehrenbürger der Stadt Jerusalem wurde, ist selbst nur wenigen Kölner Historikern bekannt. Auch eine „Dr.-M.Wallach-Allee“ erinnert heute an diese herausragende Persönlichkeit des deutschen Judentums und den medizinischen Pionier im damaligen Palästina und heutigen Staat Israel.

 

Wallach Briefumschlag

 

Das Familienarchiv Wallach ist zurzeit noch ein ungehobener Schatz und ruht bei seinem Großneffen Dr. Josef Wallach, den ich in meinen o.a. NEWS bereits vorstellte. Seiner kann man entnehmen, dass der an der Hebrew University und am Weizmann Institut promovierte Chemiker inzwischen ein sehr bekannter Philatelist geworden ist, dessen Bücher zur Fachliteratur gehören. Vielleicht findet sich einmal ein Doktorand, der in seiner Promotionsarbeit das Lebenswerk von Dr. Moritz Wallach darstellt.

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